Nachfolgerin von Armin Sommer

Musikschule Lennetal: Die neue Leiterin ist eine alte Bekannte

Den Spagat zwischen Schreibtisch und Instrumenten muss Isabelle Pischel jetzt hinbekommen. Die 46-jährige ist seit ein paar Tagen neue Leiterin der Musikschule Lennetal.
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Den Spagat zwischen Schreibtisch und Instrumenten muss Isabelle Pischel jetzt hinbekommen. Die 46-jährige ist seit ein paar Tagen neue Leiterin der Musikschule Lennetal.

Die neue Leiterin der Musikschule Lennetal ist für die meisten Dozenten und Mitarbeiter und für viele Musikschüler eine alte Bekannte.

Isabell Pischel (46) hat am 1. August offiziell die Nachfolge von Armin Sommer angetreten, der nach vier Jahren bereits vor einem Jahr zurück in seine pfälzische Heimat gegangen ist. Die neue Leiterin ist an der Musikschule schon seit 2012 als Dozentin tätig.

Isabelle Pischel ist gebürtige Schweizerin und lebt seit 2004 in Lüdenscheid. Zumindest an ihrer Aussprache merkt man ihr ihre Herkunft nicht mehr an. „‚I bi scho no im Schwyzer Dialekt daham“, lacht Isabelle Pischel und stellt damit verbal unter Beweis, dass sie mit ihrem Umzug nach Deutschland vor nunmehr 17 Jahren ihre sprachlichen Wurzeln keineswegs vollends gekappt hat. Dennoch führt sie Gespräche in ihrer nicht mehr ganz so neuen Heimat auf Hochdeutsch. „Das erleichtert einfach die Kommunikation“, hat sie erfahren.

Das erste Geld mit Medienforschung verdient

Vielleicht liege es aber auch an ihrem Studium, dass sie die deutsche Sprache praktisch ohne regionale Einfärbung spricht, mutmaßt die neue Musikschulleiterin. Isabell Pischel hat in der Schweiz Theater-, Kommunikations- und Musikwissenschaften studiert. Mit Musik habe ihre erste berufliche Tätigkeit nach dem Studium aber eher wenig zu tun gehabt, gibt sie zu. „Mein erstes Geld habe ich in der Medienforschung verdient: Ich habe die Rundfunknutzung der schweizerischen Bevölkerung erforscht: Warum hören die Leute Radio?“, erzählt sie.

Die Musik nahm erst zu einem späteren Zeitpunkt in ihrem Leben größeren Raum ein, und das hängt nicht zuletzt mit ihrem Umzug nach Lüdenscheid zusammen. 2004 folgte sie ihrem deutschen Ehemann, der in Lüdenscheid eine Arbeitsstelle angenommen hatte, in die Bergstadt. An der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung in Trossingen/Baden-Württemberg absolvierte Pischel berufsbegleitend einen Lehrgang über Grundstufen-Unterricht in der Musikschule. „Dann habe ich mich beruflich neu orientiert, in Richtung elementare Musikpädagogik“, blickt sie 17 Jahre zurück. Als Musiklehrerin für Blockflöte und Geige sei sie auch drei Jahre lang selbstständig gewesen, habe zudem musikalische Früherziehung in einer Lüdenscheider Kindertagesstätte gegeben.

Als Quereinsteigerin Dozentenstelle übernommen

Dann der Wechsel zur Musikschule Lennetal: Sicherlich sei die relative finanzielle Sicherheit ein Beweggrund gewesen, dort als Quereinsteigerin eine Dozentenstelle zu übernehmen. „Aber es ist auch schön, in einem Kollegium zu sein. Der Austausch ist sehr wertvoll“, verrät Pischel, welche Gründe sie zu diesem Schritt veranlasst haben. An der Musikschule unterrichtet sie seitdem in den Fächern Blockflöte und Geige und seit einiger Zeit zudem Keyboard. Sie betreut aber auch das kulturelle Bildungsprogramm „Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ (Jekits).

Nach neun Jahren betritt Isabelle Pischel nun noch einmal Neuland. Die Ausschreibung der Leitungsstelle an der Musikschule habe sie als Gelegenheit betrachtet, noch einmal etwas Neues zu beginnen, gibt sie zu verstehen. „Ich finde diese Aufgabe sehr reizvoll. Man hat als Leiterin mehr Gestaltungsmöglichkeit als man sie als Dozentin hätte“, begründet die 46-Jährige, warum sie sich um die Stelle beworben hat. Und ganz aufgeben müsse sie ihre Dozententätigkeit ja nicht. „An einem Tag pro Woche gebe ich noch Unterricht. Das ist mir auch wichtig, um die Bodenhaftung zu bewahren, aber ich unterrichte auch einfach gerne“, sagt Pischel.

Pandemie bleibt eine Herausforderung

Und wie ist das nun mit den Gestaltungsmöglichkeiten? Möchte die Neue die Musikschule, die sich ja seit neun Jahren von innen kennt, jetzt vollkommen umkrempeln, alles ändern, was sie bisher gestört hat? So wird es wohl nicht kommen. „Wir müssen jetzt erst mal gut durch die Pandemie kommen, das bleibt eine Herausforderung“, hat für die neue Musikschulleiterin die Bewältigung des ganz normalen Betriebes unter den außergewöhnlichen Rahmenbedingungen oberste Priorität. Für die Zeit danach hat sie allerdings schon recht konkrete Pläne. „Wir dürsten ja alle wieder nach Konzerten und Veranstaltungen, wir wollen wieder an verschiedenen Orten auftreten“, ergreift sie für ihr 28-köpfiges Dozentenkollegium ebenso das Wort wie für die rund 1000 Musikschüler zwischen Altena und Finnentrop.

Was die Weiterentwicklung der Musikschule angeht, hat sich Isabelle Pischel den Ausbau der Digitalisierung auf die Fahne geschrieben. „Ich möchte mehr digitale Elemente in den Musikunterricht einbauen“, erläutert sie. Konkret könne dies zum Beispiel bedeuten, mehr Videos einzusetzen, um Musikschülern neue Instrumente vorzustellen oder sie bei der Handhabung ihrer Instrumente zu unterstützen. „Das soll aber nicht den Präsenzunterricht ersetzen“, stellt Pischel klar.

Musikschule Lennetal „gut aufgestellt“

Ansonsten sieht Pischel die Musikschule Lennetal „gut aufgestellt“, wie sie sagt. „Unsere Kollegen sind im Lennetal bekannt und akzeptiert, wir unterrichten standortnah. Dadurch sind wir gut in den Orten verankert, das ist unser großer Pluspunkt. Und wir haben auch ein vielseitiges Angebot“, ist die neue Leiterin überzeugt, dass die Grundlagen stimmen. Auf dieser Basis möchte sie nun aufbauen, mit einem eingespielten Team, wie sie im Gespräch mehrfach betont. Überhaupt sieht sich die Neue eher als Dirigentin eines großen Orchesters denn als Solistin. „Ich bin eine Teamplayerin, ich würde nicht alleine entscheiden wollen“, betont Isabelle Pischel.

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