Musikalische Traumwanderung

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Hans-Martin Limberg begeisterte mit seinem virtuosen Spiel. ▪

WERDOHL ▪ Wenn auf der Königin aller Instrumente alle Register gezogen werden, dann gehört Hans-Martin Limberg aus Münster zum erlesenen Kreis derer, die dafür bewundert werden dürfen, der Orgel mehr Klangfülle zu entlocken, als es gemeinhin bei der Liedbegleitung während des Gottesdienstes in einer Kirche der Fall ist.

Der Orgel-Förderkreis der evangelischen Bezirksgemeinde Eveking hatte es möglich gemacht, dass Hans-Martin Limberg am Sonntagabend einer leider nur recht kleinen Zahl von Zuhörern in der Friedenskirche deutlich machen konnte, wie virtuos und spannend Orgelspiel sein kann.

„Maranata“ – das war der Titel dieses gut eineinhalb-stündigen Konzertabends mit acht Eigenkompositionen bzw. Improvisationen zu ebenso vielen Texten, die zuvor jeweils im Wechsel von Dr. Anne Hermes und Ute Zorn vorgetragen wurden.

Der Auftakt unter dem Motto „Maranata-Mantra“ kam eher mächtig daher, wurde aber nach den Textpassagen zum Thema „Stern der Sehnsucht“ durch leise, zaghafte, flüsternde und gefühlt zehrende Töne abgelöst.

Im „Danklied des Königs für Rettung und Sieg“ arbeitete Hans-Martin Limberg – wie auch bei anderen Beiträgen – sehr intensiv mit Jazz-Sequenzen und entfaltete musikalisch die ganze Spannung, die sich auf dem Weg zu Rettung und Sieg aufbauen kann, bevor die gefühlte, emotionale Klangfülle die Erleichterung zum Ausdruck bringt, die nach dem Kampf in die Ehre mündet.

Nach einer eher gedämpft angelegten Konzertpassage präsentierte der Organist unter dem Titel „Rhythm of Time“ eine Eigenkomposition, die in ausgesprochen rhythmischer Form musikalisch den „Puls der Zeit“ und die „Hektik des  Alltags“ formuliert und dabei in den Köpfen der Zuhörer – aus eigenem Blickwinkel – Bilder entstehen ließ, die sich aus diesem energiegeladenen Vortrag zwangsläufig ergeben.

Eine ähnliche Reaktion dürften die Musikfreunde – nur eben etwas anders ausgerichtet – beim Titel „Traumkathedrale“ gespürt haben. Hans-Martin Limberg beherrscht die Kunst, mit seinem Instrument zu dokumentieren, wie Träume durch das Unterbewusstsein wandern und dabei von der Tonlage durchaus auch bedrohliche oder dramatische Formen annehmen können. Mit einer Zugabe aus seiner CD „Spirit walk“ endete der Abend.

Rainer Kanbach

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