Musikalisch-literarische Matinee

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Max Erben und Karin Titz sind verantwortlich für Konzeption und Regie.

Werdohl - Was wäre gewesen, wenn Deutschland den 1. Weltkrieg gewonnen hätte? Eine Frage, der das Trio Liederschlag m Paul-Seuthe-Saal auf Einladung des Kleinen Kulturforums im Werdohler Bahnhof nachging – zumindest in ihrem ersten musikalischen Stück, das den Auftakt zur Matinee unter dem Titel „Im Westen viel Neues“ bildete.

Nun – die Kölner Karin Titz, Max Erben und Gerhard Lewandowski beantworteten diese Frage mit Musik und Gesang – sie sangen von einem Deutschland, das nicht zu retten gewesen wäre, das einem Irrenhaus gliche, in dem ein Kaiser regiere, dessen Untertanen einen Helm statt einen Kopf trügen, in dem auf Befehl geboren werde und das Blut der Soldaten dem Staat wie Himbeersaft schmecke.

Mit eindringlichen, nachdenklichen Texten erinnerte das Musik-Kabarett aber nicht nur an den Ausbruch des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren, sondern führte den etwa 30 Zuhörern auch einen anschauliches Bild der Kriegsereignisse vor Augen, wie beispielsweise in einem Musikbeitrag, der das Grauen im Schützengraben schonungslos widerspiegelte. „Wir wollen schreiend aus den Gräben steigen“, sang Karin Titz „und haben Dreck im Mund... Wir sterben ohne Zweck“. Kaum wahr zu sein scheinen angesichts dessen die Weihnachtsereignisse von 1914 an der 750 Kilometer langen Frontlinie, die als „der kleine Weihnachtsfrieden“ bekannt sind. Deutsche Soldaten sangen in ihren Schützengräben immer lauter werdend Weihnachtslieder – vom englischen Feind zur Fortsetzung ermuntert. „Good old Fritz“ und „Encore“-Rufe schallten übers Schlachtfeld und schufen für einen Augenblick eine Verbrüderung mit dem verhassten Feind. Fotomaterial, Zeugnisse dieser skurrilen Ereignisse, wurden im Nachhinein konfisziert.

Weiterer Schwerpunkt neben der Musik bildeten literarische Texte deutscher Künstler jener Zeit. So war für viele junge Männer der Krieg zunächst eine echte Alternative zur Schule. Auch die Kriegsbegeisterung mancher deutscher Künstler – die oft allerdings nur von kurzer Dauer war – fand dabei ebenso Erwähnung, wie später die allseits herrschende Kriegsangst. Auch die aufkeimenden pazifistische Aspekte hatte das Trio aufgearbeitet und fanden Gehör – von Liederschlag in abwechslungsreichen, fesselnden Dialogen präsentiert.

Von Susanne Riedl

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