Go Music: „Energiebündel“ und „Spätzelchen“ im Alt Werdohl

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Die Spanierin Sylvia Gonzales Bolivar bewies ihr Stimmrepertoire von gefühlvoll bis punkig.

Werdohl - Ganz gefühlvoll singt Sylvia Gonzales Bolivar „Black velvet“ von Alannah Myles. Die Gitarrenlicks von Stephan Bormann, bekannt nicht zuletzt aus der TV-Show „The Voice“, schmiegen sich an ihre Gesangsmelodie heran wie zerfließender, überbackener Käse an ein Steak. Die schon im Original klassische Ballade gewinnt so noch einmal an Tiefe. Es ist Zeit für die Go Music.

Bassist Martin Engelien hat in die Musikkneipe Alt Werdohl gebeten. Und gekommen sind sie alle. Pöngses Wohnzimmer ist zum Bersten gefüllt. Die Stimmung ist ausgelassen. Es wird mitgeklatscht, wild getanzt, gejohlt und gepfiffen sowie mitgesungen. Drummer Hans in’t Zandt bekommt etliche Male innerhalb der Songs Szenenapplaus.

Doch dann trommelt er, sonst auch in Diensten der Band Mother’s Finest, hart rockend und zugleich funky groovend. Was da so ungewohnt daherkommt, ist „Whole Lotta Rosie“ der aus-tralischen Kult-Rhythm-and-Blues-Band AC/DC. Diese Go-Music-Mannschaft beweist im Handumdrehen, dass diese Melodie nicht nur knallen, sondern auch eine gehörige Portion Swing versprühen kann.

Umgekehrt dann der Effekt bei „Hot Stuff“ von Donna Summer. Der Disco-Kracher bleibt in der Version dieses Abends rhythmisch herausragend, erhält aber einen metallischen Gitarren-Anstrich – nicht umsonst nennt Engelien die Jam-Sessions, welche diese Veranstaltungsreihe seit 18 Jahren hervorbringt, „unvorherhörbar“. Und so überrascht es dann auch nicht, als Drummer in’t Zandt beim Gitarrensolo des Kathrina-and-the-Waves-Überhits „Walking on Sunshine“ spontan mit tiefer, sonorer Stimme „Ring of Fire“ von Johnny Cash anstimmt.

Das macht nicht nur den Fans vor der Bühne Spaß, sondern sichtlich auch den Akteuren selbst. Selbst „The Edge of Glory“ von Lady Gaga klingt bei diesen Live-Musikern gleich nicht mehr ganz so beliebig und egal. Und glücklicherweise wird dem Stück sogleich eine gewaltige Portion Punk entgegengesetzt: „Rebel Yell“ von Billy Idol kommt aus der Kehle von Gonzales Bolivar nicht mehr ganz so rauh daher.

Doch Engelien hat Recht: Die Spanierin, die schon mit Rod Stewart und Phil Collins arbeitete, ist ein wahrer Sanges-Vulkan. Der Bassist nämlich erklärt dem staunenden Publikum, dass der spanische Name der Sängerin ins Deutsche übersetzt „Energiebündel“ heiße. Diese nennt den Go-Music-Gastgeber Engelien zärtlich „mein Spätzelchen“.

Und für alle seine drei Mitstreiter auf der Alt-Werdohl-Bühne spricht der Ex-Klaus-Lage-Bassist mit, als er verkündet: „Wir sind alle beseelt vom Geist des Rock ‘n’ Roll.“

Die nächste Go Music im Alt Werdohl findet am Freitag, 2. Mai, statt. Dann wieder mit dem Simple-Minds-Schlagzeuger Mel George Gaynor. - Von Michael Koll

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