Go Music-Konzertreihe feiert 18. Geburtstag

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Die 24-jährige Französin Yaelle Cinkey präsentierte auch zwei eigene Stücke, die sie selbst auf der Akustik-Gitarre begleitete.

Werdohl - Mitten in der Nacht machten sie sich auf den Weg aus Paris, Sardinien und London. Nachmittags in Werdohl haben sie sich erst kennengelernt. Am Abend rockten sie – auf wundersame Weise ausgeschlafen – zusammen mit Bassist Martin Engelien in seiner Go Music-Konzertreihe, die just am Freitagabend ihren 18. Geburtstag feierte.

In der Pause standen die Fans dichtgedrängt in der prall gefüllten Musikkneipe Alt Werdohl beieinander und wunderten sich, wie „genau“ die vier auf der Bühne da zusammen spielten: die wohl beste Band, die Engelien je mitgebracht hat.

Schon eine Stunde zuvor, beim Einstiegs-Instrumental, brachten die Musiker die Wände zum Wackeln. Und impulsiv ging es weiter. Mit „I love Rock ‘n’ Roll“ – im Orginal von der Band Arrows, bekannter allerdings von Joan Jett & the Blackhearts – machte die erst 24-jährige Französin Yaelle Cinkey alles klar. Ihre Stimme klang in einem Moment zerbrechlich, im nächsten, als könnte sie damit Stahl schneiden.

Der italienische Gitarrist Angelo Bachisio spielte sich schnell unter die Haut der Werdohler Zuhörer.

Der italienische Gitarrist Angelo Bachisio kombinierte auf unnachahmliche Art laut und leise und war doch bei jedem Wimpernschlag mit seinem Saiten-Spiel unter der Haut der Zuhörer. Und der britische Drummer Mel Gaynor, der hauptberuflich bei den Simple Minds trommelt und im Juni sein erstes Solo-Album vorlegen will, war schneidig in den zartesten Passagen und zelebrierte Fragilität noch im heftigsten Trommel-Gewitter.

Dann kam „Long Tall Sally“. Das Stück von Little Richard aus dem Jahr 1956 wirkte derart frisch, als hätte Cinkey es gerade erst am Nachmittag selbst verfasst. Die Sängerin seufzte, schrie, stöhnte und jauchzte – unsagbar gut. Und zu sagen, sie habe bei ihrer Interpretation des Liedes „Try“ von P!nk erotisch geklungen, wäre glatt untertrieben. Nach Ende des Liedes sang sie den Refrain einfach weiter – und mit ihr das gesamte Publikum. Die Band stand fassungslos daneben und klatschte mit.

Nach der Pause präsentierte die kleine Französin zwei eigene Stücke. Beim ersten zog sie sich zur eigenen Begleitung auf der Akustik-Gitarre förmlich vor den Fans aus, ohne dabei auch nur ein Kleidungsstück abzulegen. Der Intimität verlieh sie einen ganz neuen Klang. Beim zweiten Stück explodierte Cinkey ein weiteres Mal – sie liebt den Rock ‘n’ Roll. Und sie hat die Musik in sich.

„I’ve got the Music in me“ von Kiki Dee war dann auch der Moment, in dem wohl jeder dachte, dass der Jubel nicht mehr lauter werden konnte. Doch das schaffte Martin Engelien dann spielend. Er schlug Wirt Pöngse für das Bundesverdienstkreuz aufgrund seiner Verdienste um die Live-Musik vor. Und die Werdohler stimmten dem Bassisten lautstark zu, denn spätestens an diesem Abend wussten sie: Um grandiose Musik hautnah zu erleben, müssen sie nicht in die großen Konzerthallen nach Köln, Dortmund, Essen oder Oberhausen fahren – das gibt es viel besser direkt vor der Haustür. - Von Michael Koll

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