Großes Interesse an Geschichten aus dem alten Werdohl

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Pastor Rüdiger Schmale gewann auch mit seiner Art, Geschichten aus dem alten Werdohl zu erzählen.

Wwerdohl - Was geschah in Werdohl, als die Kreuzfahrer ins Heilige Land zogen? Und wie lässt sich aus dem komplexen Begriff „Schilddrüsenunterfunktion“ ein Refrain zaubern? Fragen wie diese bekamen die zahlreichen Besucher beim dritten Museumsabend im Kleinen Kulturforum beantwortet.

Groß war das Interesse: Bei den Auftritten von Liedermacher Daniel Scharf passten nicht alle Zuhörer in das Sälchen. Und auch im Museumsbereich standen die Besucher dicht gedrängt um die Erzähler und Geschichtsbummler Udo Böhme und Andreas Späinghaus, die Daten aus der „großen“ Geschichte zusammenbrachten mit lokalen Ereignissen in Werdohl. Andreas Späinghaus dankte allen Beteiligten für ihr ehrenamtliches Engagement, das diesen Abend unter der Schirmherrschaft des Heimat- und Geschichtsvereins möglich gemacht hatte.

Werdohl wurde 1101 gegründet, als die Kreuzfahrer mal wieder gen Jerusalem zogen – so begann der Bummel durch die Werdohler Geschichte auf dem Hintergrund großer Ereignisse: Klosterbrüder und andere Geistliche, der Kölner Erzbischof, Osemundschmiede, Bauern und ein gewisser Gerhard von Plettenberg, der 1355 das Bierbrauen erlaubte, gehörten zu den lokalen Akteuren im Mittelalter. Die dazugehörigen Gebäude zeugten von ihrer Geschichte: Vom Kloster Berentrop ging 1225 die Initiative zum Bau der Kilianskirche in Werdohl aus. 1388 wurde erstmals ein festes Haus in Pungelscheid erwähnt, das später als Burg Geschichte machte.

 Als Luther 1521 seine Lehre auf dem Reichstag zu Worms verteidigte, verwüstete ein Stadtbrand Werdohl. Bald darauf bekam die Stadt eine erste Steinbrücke über die Lenne. Als diese 1581 durch einen Schlagbaum und durch eine Doppeltoranlage gesichert wurde, befreiten sich die Niederländer von der spanischen Herrschaft. Keine Nachahmer soll der Hexenwahn vor Ort gefunden haben: „In Werdohl hatten wir keine Hexen“, erklärten die Geschichtsbummler. Natürlich ging auch der 30-jährige Krieg nicht spurlos an der Stadt vorbei, die Kilianskirche kriegte ihre Orgel, und nach 1822 war Schluss mit großen Stadtbränden.

Pastor Rüdiger Schmale ergänzte den Gang durch die Geschichte um Geschichten, die einer seiner Vorgänger gesammelt hatte: In der Amtszeit von Pastor Carl Heinrich Arnold Daniel (1866 bis 1885) wurde die Christuskirche erbaut, und als deren Pfarrer zeigte er großes Interesse an geheimnisvollen Legenden, die im Lennetal erzählt wurden. Später ging der Soester nach Aurich, was Pastor Schmale zu einem Wechsel vom Talar zum Fischgrätenhemd veranlasste.

Die musikalischen Blöcke des Abends gestaltete Sänger, Gitarrist und Songwriter Daniel Scharf. Der aus der Lüneburger Heide stammende Jugendreferent der evangelischen Kirchengemeinde Oberrahmede sang eigene Lieder mit anspruchsvollen Texten und schöne Versionen von „Delmenhorst“ (Element of Crime), Bob Dylans „Knockin’ on heaven’s door“ und Jupiter Jones’ „Und dann warten“.

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