Muffins und O-Saft gestohlen

WERDOHL  - Keine Veranlassung zur Einweisung eines 33-jährigen Angeklagten in die geschlossene Psychiatrie sah am Dienstag gestern die 9. Strafkammer des Landgerichts. Sie verurteilte den Mann relativ konventionell zu einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung wegen Diebstahls.

Von Thomas Krumm

Er hatte in der Nacht zum 23. Mai mit 1,5 Promille im Blut und einem aus der Verankerung gerissenen Straßenschild die gläserne Eingangstür zu den Geschäftsräumen einer Bäckerei und Fleischerei an der Freiheitsstraße eingeschlagen.

Schon die Details machten deutlich, dass es sich dabei um alles andere als eine sorgfältig geplante Tat handelte: „Weil er Hunger verspürte“, habe sich der Angeklagte Zutritt zu der Bäckerei verschafft, erklärte der Vorsitzende Richter Krause in seiner Urteilsbegründung die Tat.

Der Angeklagte nahm sich mehrere Muffins und verließ das Ladengeschäft wieder. Nun verspürte er Durst, worauf er zurückkehrte und zwei Fläschchen Orangensaft und einen Multivitaminsaft einsteckte. Auch die offen stehende Wechselgeldkasse fiel ihm nun auf, die er vermutlich um gut neun Euro erleichterte.

Noch einmal kehrte der Angeklagte zum Geschäft zurück, weil er etwas vergessen hatte: Das Straßenschild sollte wieder ordentlich in seiner Bodenhülse stecken. Die von er Polizei eingeleitete Sofortfahndung hatte Erfolg: An der Plettenberger Straße wurde der 33-Jährige mit Kuchenkrümeln an der Kleidung festgenommen, wie eine Polizeibeamtin im Zeugenstand berichtete. All dies war nach dem Geständnis des Angeklagten bis auf die Höhe des gefundenen Geldes unstrittig, weshalb das Gericht schon am ersten von zwei geplanten Verhandlungstagen ein Urteil sprach. Zwar gab es mehrere Gutachten, die dem Angeklagten eine psychische Erkrankung attestierten, doch für eine Einweisung in eine geschlossenen psychiatrische Anstalt sah das Gericht überhaupt keine Veranlassung. Nur weil diese Frage hatte geklärt werden müssen, wurde der Diebstahl vor dem Landgericht verhandelt. Die 9. Strafkammer setzte aber darauf, dass der 33-Jährige medikamentös so eingestellt wird, dass keine weiteren schweren Straftaten von ihm zu erwarten sind. Außerdem sei es dringend geboten, dass der Angeklagte nicht mehr exzessiv dem Alkohol zuspreche.

Alle Verfahrensbeteiligten stimmten dem Urteil zu, sodass dieses sofort rechtskräftig wurde.

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