Architekt erhebt Vorwürfe gegen die Stadt

Moschee-Umbau wird zum handfesten Skandal

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Die Ditib-Moschee an der Freiheitstraße wurde 2009 für die heutige Nutzung umgebaut. Das Gebäude ist mittlerweile zu klein, die Gemeinde möchte sich erheblich vergrößern. Der Bauantrag eines Kölner Architekten ist abgewiesen worden, seitdem passiert gar nichts mehr.

Werdohl – Wegen der geplanten Vergrößerung der Ditib-Moschee an der Freiheitstraße hat sich ein handfester Skandal entwickelt. Die Stadt hat den Bauantrag nach etwa einem Jahr Laufzeit zurückgeschickt.

Die örtliche Gemeinde unter der Leitung von Fahrettin Alptekin ist enttäuscht, der Kölner Architekt Ali Ishan Günes erhebt Vorwürfe gegen Bauabteilungsleiter Thomas Schroeder und Bürgermeisterin Silvia Voßloh (CDU).

 Die Vorgeschichte ist schnell erzählt: Die Ditib-Gemeinde kaufte vor gut zwölf Jahren das ehemalige Verlagsgebäude und baute das Haus an der Freiheitstraße im Jahr 2009 für ihre Zwecke um. Beteiligt an der Umplanung des Gebäudes war damals der Werdohler Architekt Frank Lamboy. Im Laufe der Zeit wurde das Gebäude zu klein für die Muslime. Zu den Freitagsgebeten platzt das Haus aus allen Nähten, die Gemeinde braucht viel mehr Platz, auch für die Jugendarbeit. 

Reizthema Minarett

Deshalb soll ein größerer Gebetsraum entstehen und zwei nach Geschlechtern getrennte, jeweils 100 Quadratmeter große Aufenthaltsräume mit Sitz- und Essgelegenheiten. 

Außerdem möchte die islamische Gemeinde nach außen als solche erkennbar werden – dazu wünschen sich die Werdohler Muslime vor allem ein sichtbares Minarett. Nun ist ein Minarett von jeher ein Reizthema in der deutschen Gesellschaft. Um diese Probleme zu umgehen, stellte die Gemeinde über den Kölner Architekten bereits 2017 eine Bauvoranfrage. Bürgermeisterin Voßloh bestätigte damals, dass diese Anfrage mit den Fraktionsvorsitzenden abgestimmt worden sei. Die Gemeinde bekam grünes Licht. 

Millionen-Projekte realisiert

Soweit ist auch Ali-Ihsan Günes im Bilde. Der Architekt und Bauplaner hat mit seiner IGA-Bauplanung in Köln schon mehr als zehn Moscheen in Nordrhein-Westfalen geplant und gebaut. Millionen-Projekte in Remscheid oder Aldenhoven hat er mit den örtlichen Gemeinden errichten können. Das sind meist stolze und prächtige Gebäude, viele auch mit ganz deutlich ausgeprägten Minaretten. Günes baut moderne Gebäude mit Glas und Stahl, die Minarette wirken dynamisch und elegant. 

In Aldenhoven hat Ali Günes mit seiner IGA-Bauplanung diese Moschee geplant, das Gebäude konnte aber bis heute nicht realisiert werden.

Günes ist deutscher Staatsbürger und spricht einen vernehmbaren kölschen Akzent. Er ist nicht erst seit gestern im Baugewerbe. Zusammen mit seinem Partner Gerald Klapczynski baut er Geschäftsgebäude, Läden und Mietwohnungen. Auch bei Sanierungen und Umnutzungen – wie die der ehemaligen Brauerei Creischer Bier in Pulheim-Stommeln – ist er erfolgreich tätig. 

Bauantrag im Herbst 2018 eingereicht

Zurück nach Werdohl. Weil die Bauvoranfrage von der Werdohler Lokalpolitik so positiv bewertet wurde, reichte Günes im Herbst 2018 einen Bauantrag ein. Mehrfach kam er aus Köln nach Werdohl, um vor Ort Dinge zu besprechen und über Anforderungen zu reden. Doch irgendwann kam das Projekt ins Stocken. Günes: „Auf einmal sollte alles anders gemacht werden.“ 

Die erste Hürde war das ursprünglich geplante Minarett. Das sei der Stadt wohl doch zu sichtbar gewesen. Bauvorschriften hätten die Größe nicht verboten, aber die islamische Gemeinde sei von der Bürgermeisterin gebeten worden, das Minarett etwas zu verkleinern. 

Minarett auf Bitte nach innen verlegt

Günes sagt heute dazu: „Kein Problem. Wir haben das Minarett nach innen gezogen und neue Entwürfe eingereicht.“ Die Bürgermeisterin habe sich dafür sogar bedankt. 

Doch dann seien die Schwierigkeiten immer größer geworden. Der Gemeinde seien immer neue Auflagen gemacht worden, vor allem im Bereich des Brandschutzes. Günes: „Da ist vieles total an den Haaren herbeigezogen. Der für den Brandschutz zuständige Architekt Jörg Makowka aus Düren hat schon durchgedreht.“ Günes habe sich bei der Stadt beschwert, ob in Werdohl ein anderes Baurecht gelten würde als im übrigen NRW. Er habe Erfahrung mit dem Bau von Moscheen und arbeite mit vielen Kommunen zusammen, auch mit CDU-geführten Städten. 

Schweinekopf in Moschee geworfen

„Ich habe volles Verständnis für Kommunalpolitiker, wenn sie wegen eines Minaretts Drohbriefe von den Rechten nach Hause bekommen, dann müssen wir in der Planung darauf reagieren“, so Günes. In solchen Fällen könne eben kein Minarett gebaut werden, die örtliche Gemeinde müsse sich diesen Wunsch verkneifen. In Troisdorf sei ein Schweinekopf in eine Moschee geworfen worden. „Der Kopf ist verrottet, die Moschee steht“, sagt Günes und betont die Ironie dabei. 

Seine Planung sei über Monate behindert worden, am Ende wurde der Bauantrag zurückgeschickt. Einbezogen worden ist auch der Werdohler Architekt Lamboy. Der erklärte auf Nachfrage, dass er lediglich für die Erklärung der Umnutzung eines früheren Abstellraums in eine kleine Küche zuständig sei. Angeblich, so wiederum Günes, mache die Stadt Werdohl ihre Ablehnung auch an dieser fehlenden Umnutzungserklärung fest. 

Klärendes Gespräch soll her

Günes schlägt jetzt als Lösung vor, erneut nach Werdohl zu kommen und sich mit allen Beteiligten für ein klärendes Gespräch an einen Tisch zu setzen – und das zu protokollieren: „Die Stadt soll doch einfach ganz genau sagen, was sie will, dann richten wir uns danach.“ 

In anderen Städten seien Bauanträge zu wesentlich größeren Moschee-Projekten in wenigen Monaten durchgezogen worden. Günes meint, dass die Bürgermeisterin nicht mit offenen Karten spiele. „Wenn sie Angst vor den Rechten hat, soll sie es sagen. Wir finden eine Lösung.“ 

Stadt hat nichts mehr vorliegen

Die Stadt hält sich auf Nachfrage bedeckt. Die Bürgermeisterin verwies auf Bauabteilungsleiter Thomas Schroeder. Der antwortete mit Verweis auf die Landesbauordnung ganz knapp: „Wir hatten dieses Jahr noch keinerlei Kontakt mit den Architekten oder mit dem Bauherren.“ Es lägen seit einiger Zeit keine offene Vorgänge mehr vor. 

Fahrettin Alptekin als Bauherr ist von Bürgermeisterin Silvia Voßloh enttäuscht: „Nett lächeln ist immer sehr schön, aber es nützt uns nichts.“ Alptekin möchte keinen Streit mit der Stadtverwaltung. Er suche das erneute Gespräch, um eine Lösung zu finden.

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