Möglicher Edeka-Neubau beschäftigt die Politik

WK-Chef Manfred Beiske hielt den Werdohler Politikern und dem Bürgermeister eine regelrechte Moralpredigt.

WERDOHL ▪ Da hat sich mancher Lokalpolitiker gewundert: Manfred Beiske hatte zum Empfang zur Präsentation des frisch renovierten Lebensmittel-Supermarktes ins WK eingeladen – und nutzte die Gelegenheit, den Fraktionsvertretern direkt ins Gewissen zu reden.

Beiske sprach erstmals öffentlich die Möglichkeit an, dass sein Konkurrent Edeka bei der Insel-Immobilie über Abriss und Neubau nachdenke. Werdohl habe extrem schlechte Kaufkraft und einen hohen Ausländeranteil. Die Bertelsmann-Studie sage voraus, dass Werdohl in 2030 nur noch 15 000 Einwohner habe. „Wie sollen zwei Großprojekte nebeneinander bestehen können?“ fragte er die vier Fraktionsvertreter und den Bürgermeister und mahnte sie: „Wer alles will, bekommt manchmal nichts.“ Fünf Betreiber seien bereits an dem Verbrauchermarkt gescheitert.

Beiske forderte die Politiker unverhohlen auf, einem eventuellen Neubau die Zustimmung zu verweigern. Ähnlich formulierte es auch Matthias Guhling, Prokurist bei Rewe: „Die Werdohler Politik sollte die Investition des WK in die Zukunft würdigen.“ Der Umbau sei nötig geworden, um sich noch besser in einem „erstarkenden Wettbewerbsumfeld“ behaupten zu können.

Bürgermeister Griebsch wich der direkten Konfrontation mit Beiske aus und sprach nur von „kontroversen Diskussionen in Rat und Verwaltung.“ Konkurrenz belebe das Geschäft, sagte das Stadtoberhaupt: „Und das soll so bleiben.“

CDU und WBG werden sich in der kommenden Woche treffen, um sich eine Meinung in Sachen Neubau zu bilden. Für die WBG war Ratsmitglied Gottfried Brinkmann ins WK gekommen. Die WBG-Fraktion habe bereits darüber diskutiert und es zeichne sich ab, dass die Fraktion keine geschlossene Meinung abgeben werde. Brinkmann sagte seine persönliche Meinung: „Wenn man den Nutzungsänderungen nicht zustimmt, hat man die Gefahr, dass da lebenslang eine Ruine steht.“ Seiner Meinung nach brauche die Stadt nicht noch einen Lebensmittelhändler. Schließlich habe sich der erste Investor damals auch verrechnet. Politisch sei die Verweigerung eines Neubaus ungünstig: „Als Verhinderer braucht man nicht nochmal zur Wahl antreten.“

Stefan Ohrmann (CDU), Cornelius Böttcher (SPD) und Friedhelm Hermes (FDP) hielten sich in ihren Bewertungen stark zurück. Alle drei sagten, dass im Augenblick kein Entscheidungsbedarf bestehe. Sachstand ist, dass der Investor lediglich die Genehmigung für eine Kernsanierung hat. Ohrmann bestätigte, dass in seiner Fraktion bereits darüber gesprochen worden sei. Die CDU erwarte in naher Zukunft eine Vorlage der Verwaltung. Wie die Christdemokraten entscheiden werden, sei nicht klar: „Ich weiß nicht, wohin die Reise geht.“

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Friedhelm Hermes „erwartet von einem ordentlichen Investor, dass er sein Konzept vorstellt.“ SPD-Sprecher Cornelius Böttcher rechnet ebenfalls damit, dass der Politik ein Konzept präsentiert werde. „Ich persönlich habe dazu noch keine Meinung.“ Die Fraktion bereite sich auf eine mögliche Entscheidung vor.

Von Volker Heyn

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