Ein Koloss in Miniaturausgabe

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Gerd Schlotmann nahm mit seinem historischen Möbelwagen an der Deutschland-Tour teil. ▪

WERDOHL ▪ Die alte blaue Fahrerkappe erinnert ein bisschen an eine Kapitänsmütze. „Ein bisschen bin ich das ja auch“, meint Gerd Schlotmann, „ein Kapitän auf der Landstraße“. Nicht zuletzt kommt auch das Lenkrad seines alten Möbelwagens, Baujahr ‘68 den Dimensionen eines Schiffssteuerrades ganz nahe. 18 Meter lang ist der Koloss samt Anhänger, mit dem die Schlotmanns jetzt an der Deutschland-Tour für historische Nutzfahrzeuge teilnahmen. Neuerdings gibt es das alte Fahrzeug aber auch in einer Miniaturausgabe.

Der Modellfahrzeughersteller Wiking, der zum Lüdenscheider Unternehmen Siku gehört, baute eine Modellausgabe des Möbelwagens vom Typ Mercedes Benz L 1313 (13 Tonnen Gesamtgewicht, 130 PS) nach, den es seit August ebenso wie den passende Möbelanhänger in Spielzeuggeschäften zu kaufen gibt. Unverkennbar dabei: die typische oliv-graue Firmenfarbe mit dem orange farbenen Balken. Beides hat Gerd Schlotmann, der das Unternehmen nunmehr in dritter Generation führt, von seinem Vater Anton übernommen.

Dass die Firma Wiking Interesse anmeldete und es das Fahrzeug, das ebenso wie eine Reihe weiterer historischer Modelle, entweder in voller Schönheit auf seinem Firmengelände im Gewerbegebiet Dresel steht oder eben auf der Straße unterwegs ist, nun auch in Kleinformat gibt, freut Anton Schlotmann natürlich ausgesprochen. Immerhin führte dies schon zu einer Reihe von interessanten Telefonaten. Denn: Auch die Firmennummer ist wie beim Original auf dem Mini-Laster abgedruckt. „Ob die Telefonnummer stimmt, wollten wohl einige testen“, schmunzelt Gerd Schlotmann. Anrufer aus Bayern und Berlin waren dann „ganz aus dem Häuschen“, als sich beim Anruf am anderen Ende der Leitung doch tatsächlich die Firma Schlotmann aus Werdohl meldete. Der Sammler aus Berlin wollte darauf hin auch das Kennzeichen wissen, um es aufmalen zu können, damit der Möbelwagen möglichst orginalgetreu in seiner Vitrine aufgestellt werden kann. „Ein Anrufer aus Sylt bat sogar um ein Foto mit Autogramm“, berichtet der Werdohler Lkw-Fahrer aus Leidenschaft. Beides hat Gerd Schlotmann verschickt. „Natürlich mit Fahrerkappe.“

Die blaue Mütze trug er auch, als er kürzlich mit seiner Frau Christel bei der Deutschland-Tour unterwegs war. 2500 Kilometer fuhren sie dabei begleitet von 55 weiteren Fahrzeugen in ihrem historischen Lastzug, der aber nicht nur bei Ausfahrten über die Straße rollt, sondern sogar noch im Fernverkehr unterwegs ist.

Der Mercedes-Möbelwagen ist übrigens nicht das erste Gefährt, das als Modell angefertigt wurde. Die Firma Roco baute vor etwa zwei Jahren für ihren Rungenwagen, der auf Modelleisenbahnschienen der Spur H0 fährt, einen Mercedes mit Schlotmann-Schriftzug nach. Er ist baugleich mit Schlotmanns Opel Blitz, Baujahr 1934, dem ältesten Gefährt des Unternehmens. Das Modell gab es allerdings nur in limitierter Ausgabe. Inzwischen ist es ausverkauft. - Simone Benninghaus

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