Neues Leben in früherer Hauptschule

Unternehmerin gründet private Pflegeschule im MK

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Kerstin Liebeskind steht in der ehemaligen Hauptschulmensa: Dort sollen Sitzecken entstehen, in denen die zukünftigen Pflegeschüler in Arbeitsgruppen Lösungen für Aufgabenstellungen erarbeiten sollen.

Werdohl -  Jetzt steht der Starttermin für die neue Pflegeschule im Gebäude der ehemaligen Erich-Kästner-Hauptschule am Riesei fest: Am 1. Oktober wird dort die private Liebeskind Care Academy ihren Betrieb aufnehmen. Die Umbau- und Renovierungsarbeiten werden schon bald beginnen.

Anfang April hatte Kerstin Liebeskind, die in Plettenberg einen Pflegedienst mit etwa 120 Mitarbeitern betreibt, mit der Stadt Werdohl, die ihrerseits auf der Suche nach einer neuen Nutzung für das 1996 eingeweihte Gebäude der im Sommer 2016 geschlossenen Hauptschule war, Einigkeit über einen Mietvertrag erzielt.

Mit dem Diplom-Pflegepädagogen (FH) Sylvio Wienbeck, der seit vielen Jahren als Gesamtleiter der Pflegeschule der Märkischen Seniorenzentren GmbH mit fast 500 Auszubildenden in Iserlohn und Lüdenscheid bekannt ist, hatte sie auch gleich einen anerkannten Fachmann als Schulleiter präsentieren können.

Konzept nimmt konkrete Form an

Jetzt nimmt das Konzept der privaten Pflegeschule und Fort- und Weiterbildungsakademie konkrete Formen an. Liebeskind wird zunächst 1300 Quadratmeter der früheren Hauptschule mieten. Das sind das komplette erste Obergeschoss und zwei Klassenräume im Erdgeschoss. „Die Stadt Werdohl ist einverstanden, dass wir in diese Schule hineinwachsen“, deutet Liebeskind an, dass sich ihre Akademie in den nächsten Jahren noch weiter ausbreiten könnte.

Vorerst wird die Liebeskind Care Academy aber nur sechs Klassenräume, das ehemalige Schulsekretariat, das früherer Lehrerzimmer, den Spiele- und den Fitnessraum, die Mensa und kleinere Büros und Sanitärräume beanspruchen.

Mehr Platzbedarf wegen Corona-Pandemie

Dass überhaupt schon zwei Klassenräume mehr angemietet werden als ursprünglich geplant, hat zwei Gründe: Erstens zeichnet sich nach Worten von Kerstin Liebeskind ein großes Interesse an einer Ausbildung in der Pflegeschule ab, und zweitens müssen die Klassen aufgrund der wohl auch weiterhin geltenden Corona-Einschränkungen geteilt werden.

Der Bereich um das ehemalige Schulsekretariat in der ersten Etage wird auch in der Pflegeschule ein zentraler Anlaufpunkt sein. Er wird mit Sitzgelegenheiten und einem Wandbild aus Moos aber etwas umgestaltet.

Liebeskind geht davon aus, dass die Schule am 1. Oktober mit drei Kursen à 25 Schülern ihren Betrieb aufnehmen kann. „Wir haben etliche Kooperationspartner gefunden – Krankenhäuser, Senioreneinrichtungen und Pflegeheime –, die ihre Auszubildenden zu uns schicken wollen“, berichtet die Unternehmerin.  Gleichzeitig sollten aber alle Kurse aufgrund der Bedrohung durch das Coronavirus in je zwei Lerngruppen aufgeteilt werden.

Unternehmerin investiert sechsstelligen Betrag

Die Klassenräume sollen in den nächsten Wochen nicht nur neue Anstriche erhalten und neu möbliert werden. Sie sollen anstelle der althergebrachten Kreidetafeln auch mit interaktiven Boards ausgestattet werden. Überhaupt schwärmt Kerstin Liebeskind von der digitalen Ausstattung, die sie für ihre Privatschule vorgesehen hat. „Jeder Schüler erhält bei Ausbildungsbeginn ein eigenes Tablet, über das er Zugriff auf Teile der Schulsoftware und auf eine E-Bibliothek haben wird“, nennt sie ein Beispiel.

Die ehemalige Mensa der Erich-Kästner-Hauptschule wird umgestaltet, damit dort Arbeit in Kleingruppen, aber auch das Zusammensitzen bei einer Tasse Kaffee möglich wird.

Alles in allem investiert Liebeskind nach eigenen Angaben rund 300.000 Euro in die Ausstattung der Schule. „Ich bin ja keine Pädagogin. Deshalb staune ich selbst ein bisschen darüber, was wir alles vorhaben“, bringt sie ihre Vorfreude auf ihr neues Projekt zum Ausdruck.

Prominenter Forscher begleitet Konzept

Mit freudiger Spannung denkt Liebeskind auch an das „moderne pädagogische Konzept“, mit dem bis zu 15 Lehrer und zusätzliche externe Dozenten den Absolventen „nicht nur eine Top-Ausbildung, sondern auch Werte und Wertschätzung vermittel werden sollen.“ In diesem Zusammenhang verweist Liebeskind gerne darauf, dass der pädagogische Ansatz der Schule von prominenter Seite begleitet werde: Gerald Hüther, einer der der führenden Hirn- und Lernforschern Deutschlands, werde persönlich verfolgen, wie die Ausbildung an der Liebeskind Care Academy gestaltet wird.

Hüther mahnt in seinem kürzlich erschienenen Buch „Education for Future – Bildung für ein gelingendes Leben“, dass sich die Schulausbildung an die veränderte Lebenswirklichkeit anpassen müsse. Der Neurologe, Gründer der „Akademie für Potentialentfaltung“, plädiert für ein neues Verständnis vom Lernen, für ein lebenslanges Lernen mit Freude.

Gruppenarbeit statt Frontalunterricht

„Die Schüler werden sich bei uns ganz viel selbst erarbeiten müssen“, erklärt Liebeskind weiter, dass sich die Gestaltung des Unterrichts deutlich von der althergebrachten Form des Frontalunterrichts unterscheiden wird. Gruppenarbeit werde ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung sein. 

Zu diesem Zweck wird auch die bisherige Mensa umgestaltet. Wo früher Hauptschüler ihr Mittagessen verspeist haben, sollen demnächst Pflegeschüler in gemütlichen Sitzecken gemeinsam Lösungen erarbeiten.

Die Ausbildung

Die Liebeskind Care Academy in der ehemaligen Werdohler Erich-Kästner-Hauptschule am Riesei will in erster Linie eine dreijährige generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann in Vollzeit anbieten. Auch eine berufsbegleitende Ausbildung ist vorgesehen. Darüber hinaus soll eine Qualifizierung zur Betreuungskraft/Alltagsbetreuer angeboten werden. Außerdem soll an der Schule eine Weiterbildung zur Praxisanleitung möglich sein, die die Teilnehmer in die Lage versetzt, in einer Pflegeinrichtung Auszubildende nach dem Pflegeberufegesetz auszubilden.

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