Modern aber eindringlich

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Das große Finale mit allen Darstellern des Singspiels „Bitte nicht stören“. ▪

WERDOHL ▪ Es war ein langer Weg von der Aufführung der Weihnachtsgeschichte in der Friedenskirche Eveking nach Dreisbach‘scher Prägung in den achtziger und neunziger Jahren bis hin zur aktuellen Inszenierung am Heiligabend 2010. Die einstige Kostüm-Vielfalt ist – bis auf kleine Ausnahmen – der Alltagskleidung der großen und kleinen Akteure gewichen; Texte und Lieder hatten einen modernen aber nicht übertriebenen Charakter, die Technik wurde zum willkommenen Helfer – sowohl für die Darsteller, als auch für die Besucher des Familiengottesdienstes am Freitagnachmittag.

Geblieben sind – seit es Aufführungen in der Friedenskirche gibt – die entscheidenden Inhalte und Aussagen der Weihnachtsgeschichte. Keine Spur von Ochs und Esel, nichts zu sehen von weiß gekleideten Engelchen mit goldenen Sternen in der Hand und doch kam sie musikalisch und textlich rüber – die alle Jahre wieder millionenfach zitierte Kernbotschaft von Weihnachten und seiner Bedeutung.

„Bitte nicht stören“ war der Titel des Singspiels, für das der Altarraum der Friedenskirche in eine Bühne umgewandelt worden war. Barbara Heni (Libretto), Albrecht Binetsch (Liedtexte) und Bernhard Wayne Sanders (Musik) hatten das von Pfarrer Dirk Grzegorek und Organistin Marion Jeßegus inszenierte Stück geschrieben, das auf eine ebenso simple, wie gute und originelle Lösung hinausläuft.

Im Kern ging es um eine moderne Herbergssuche, wobei die fünf Szenen des etwas mehr als halbstündigen Stückes jeweils durch eine Großmutter mit ihren Enkeln eröffnet wurden. Dieses Trio auf einer kleinen Couch vor der Kanzel war zuständig für die Brückenerzählung.

Josef und die hochschwangere Maria, so die Handlung, kommen zur weihnachtlichen Kinderchor-Probe, doch der Chorleiter schickt sie wütend raus. Seine Probe darf nicht gestört werden. Die beiden tauchen bei Tante Hildegard auf – aber auch sie schickt sie fort, denn ihre ganze Konzentration gilt der Weihnachtsplätzchen-Backerei.

Schließlich kommen Maria und Josef zum Pfarrer. Der gibt ihnen zwar etwas zu essen, aber auch er schickt sie weiter. Er müsse schließlich seine Weihnachtspredigt vorbereiten. Schließlich kommen beide in die Stadt – mitten in den großen Einkaufstrubel, bei dem alle nur mit den Geschenken beschäftigt sind, die sie gerade gekauft haben und nach Hause bringen wollen. Das alles geschieht unter der für Weihnachtsmärkte und Kaufhäuser üblichen Illumination – mal krass bunt, wie an der Kanzel, mal dezent in Weiß gehaltenen Lichtern, mal kitschig mit Weihnachtsmann-Figuren.

Maria und Josef treffen den Weihnachtsmann, und der fragt sie, ob sie noch ein Weihnachtsgeschenk suchen. Er lädt beide ein, sich mit ihm fotografieren zu lassen. Als sie dann jedoch gestehen, kein Geld zu haben, um das Foto zu bezahlen, zeigt er sich wütend.

Am Ende kommen Maria und Josef mit dem neu geborenen Kind vom Hauptportal aus in die voll besetzte Kirche, legen das Kleine in eine Krippe und setzen sich dazu, so als sei alles so gewollt und auf diesen Moment hingearbeitet worden – was ja letztlich auch stimmt. Der Moment der Stille ist da, bis zum Augenblick, als beide mit dem Jesuskind den Rückweg antreten.

Dann noch einmal Stille und schließlich begeisterter Applaus der Gottesdienstbesucher. Eineinhalb Monate Probenzeit und die Bemühung, über 20 Akteure in Einklang mit der Handlung und Botschaft des Stückes zu bringen, hatten sich ausgezahlt. Logisch, dass Pfarrer Grzegorek den Titel des Stückes auch in seiner Weihnachtspredigt verwendete, um auch dem letzten Besucher deutlich zu machen, welchen Sinn der Titel hat.

-ka

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