Mobbing in WhatsApp-Gruppe an Werdohler Grundschule

+
Dieses Foto zeigt einen fiktiven Chatverlauf beim Messenger WhatsApp, in dem ein Mädchen beleidigt wird. An einer Werdohler Grundschule gab es einen ähnlichen Fall.

Werdohl - „Das Mobbing in WhatsApp-Gruppen ist mittlerweile auch an den Grundschulen ein Thema“, stellt Schulsozialarbeiterin Mandy David fest. Sie berichtet von einem aktuellen Fall an einer Werdohler Grundschule.

Dort hätten Schüler ein übergewichtiges Kind in einer WhatsApp-Gruppe aufs Korn genommen. „Sie haben sich über das Kind lustig gemacht“, berichtet David. Sogar Fotos des Mobbing-Opfers seien ohne dessen Wissen in der Gruppe veröffentlicht worden. „Darunter hat das Kind sehr gelitten“, stellt die Schulsozialarbeiterin fest. 

Durch Zufall – dank des aufmerksamen Schulpersonals – sei das Problem erkannt worden. „Die Schul-Leitung hat mir den Vorfall mitgeteilt“, berichtet Mandy David. Fotos des Mobbing-Opfers und dazugehörende Nachrichten seien gelöscht worden. „Die Eltern der beteiligten Kinder wurden informiert. Außerdem sollte der Vorfall in der Klasse thematisiert werden“, erzählt sie. 

WhatsApp-Gruppen schon in der Grundschule hochaktuell

WhatsApp-Gruppen seien auch in der Grundschule schon hochaktuell – auch, wenn dort längst noch nicht alle Kinder im Besitz eines Smartphones seien. „Was ich im Übrigen auch gut so finde“, stellt Mandy David fest. 

Die Gruppen würden meistens im Klassenraum gebildet. Grundsätzlich sei daran nichts auszusetzen. „Kritisch wird es natürlich, wenn es darum geht, andere Kinder auszuschließen, zu beleidigen oder lächerlich zu machen“, stellt David fest. 

Ob ein Kind gemobbt wird, könne man an seinem Verhalten in der Gruppe erkennen. „Es wirkt verschlossen, nervös und zieht sich zurück. Oft folgt auch ein schulischer Leistungsabfall“, hat die Schulsozialarbeiterin beobachtet. Aus Scham – oder auch aus Angst vor einem Handy-Verbot – würden sich Opfer von Cyber-Mobbing oftmals niemanden anvertrauen. „Deshalb ist es besonders wichtig, dass Lehrer und andere Erwachsene an den Schulen aufmerksam sind“, unterstreicht Mandy David. 

Attacken sollten dokumentiert werden

Sobald das Problem erkannt sei, gelte es, die Mobbing-Attacken zu dokumentieren. „Beispielsweise durch Screenshots von Bildmaterial oder Speichern von Tonmaterial. Nur dann kann das Opfer letztlich beweisen, was vorgefallen ist“, erklärt die Schulsozialarbeiterin. 

Allerdings nimmt sie die Kinder, die sich per Handy über andere lustig machen, ein Stück weit in Schutz: „Meistens haben diese Kinder gar nicht die Absicht andere Kinder in WhatsApp-Gruppen zu mobben. Es geht ihnen hauptsächlich darum, sich selbst mutiger und stärker zu fühlen, weil der direkte Kontakt zwischen Täter und Opfer fehlt. Dadurch sinkt bei den Kindern die Hemmschwelle.“ Über die Tragweite ihres Handels und die manchmal katastrophalen Auswirkungen auf das Opfer seien sie sich meistens nicht im Klaren. 

„Leider bleibt in der Schule oft wenig Zeit, Kindern Kompetenzen zu vermitteln, die sie in solchen Fällen vor unkontrollierten Reaktionen zu schützen. Es entsteht ein Teufelskreis. Je länger Mobbing durch WhatsApp-Gruppen anhält, je unkontrollierter werden die Reaktionen des Opfers. Dadurch kann bei Unbeteiligten der Eindruck entstehen, dass das Opfer nicht in der Lage ist, situationsgerecht zu reagieren.“ 

Wichtig: Täter sollen Schuld anerkennen

Um Abhilfe zu schaffen, sei es wichtig, zunächst mit allen Beteiligen zu sprechen, um gemeinsam eine Lösung für das zukünftige Miteinander finden. „Ob es eine Wiedergutmachung braucht, muss dann der Betroffene entscheiden. Oft ist es wichtiger, dass der oder die Täter ihre Schuld anerkennen,“ hat Mandy David festgestellt. In jedem Fall sollten aber die Eltern der betroffenen Kinder eingebunden werden. In besonders schwerwiegenden Fällen sei es ratsam Anzeige zu erstatten: „Dann ist es ganz besonders wichtig, alle Daten zu sichern.“ 

Die Schulsozialarbeiterin glaubt, dass viele Eltern sich noch nicht mit dem Thema Cybermobbing beschäftigt haben: „Deshalb können sie mit ihren Kindern nicht darüber reden – und ihnen klar machen, welche Folgen das für Opfer und Täter haben kann.“ Bei Bedarf organisiert Mandy David, Tel. 01 51/64 91 67 96, gerne Info-Abende für interessierte Eltern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare