Mobbing Thema an Grundschulen

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Die Schulleiterinnen Christel Kringe, Britta Schwarze und Sibille Böddecker haben mit Schulsozialarbeiterin Hannah Wirth (von links) die Themenmonate vorbereitet.

Werdohl - Wo hört ein normaler Streit auf und wo fängt Mobbing an? Und wie sollen Schüler und Eltern am besten darauf reagieren? Diese Fragen wollen Schulsozialarbeiterin Hannah Wirth, die Werdohler Grundschulen und die Jugendpflege im Rahmen von Mobbing-Themenmonaten im Februar und März beantworten.

„Das ist immer Thema“, sagt Britta Schwarze, Leiterin der evangelischen Martin-Luther-Grundschule. „Auch Eltern sprechen oft von Mobbing. Meistens meinen sie aber: Mein Kind wurde geärgert.“ Die Grenzen zwischen solchen einmaligen Konflikten und echtem Mobbing zu verdeutlichen, sei ein Ziel der Themenmonate. Kinder, die tatsächlich gemobbt werden, sollten verstehen, dass es nicht ihre Schuld sei. „Mobbing-Opfer müssen wissen, dass sie das Recht auf Hilfe haben“, nennt Schwarze ein weiteres Ziel.

Und auch die Eltern sollten lernen, wie sie sich verhalten sollen. „Sie können die Situation auch verschlimmern“, sagt Britta Schwarze. Von einem solchen Fall weiß ihre Schulleiter-Kollegin Christel Kringe von der St. Michael-Grundschule zu berichten. „Die Mutter eines Kindes, das angeblich gemobbt wurde, hat über WhatsApp Nachrichten über ein zweites Kind verbreitet, das gemobbt haben soll“, erzählt sie. Das sei der falsche Weg. Auch auf dem Schulhof sollten Eltern betroffener Mädchen und Jungen andere Kinder nicht ansprechen und zur Rede stellen, sondern solche Gespräche der Schule überlassen.

Ein Grund dafür, dass manche Kinder andere hänseln oder beschimpfen, ist laut Britta Schwarze fehlende Empathie. „Das Bewusstsein dafür, was sie den anderen antun, ist nicht da.“ Diese Schüler müssten lernen, sich in andere hineinzuversetzen.

„Lerne zu sehen“ ist deshalb auch der Untertitel des Theaterstücks „Todesengel“, das am Freitag, 20. März, im Festsaal Riesei aufgeführt wird und sich unter anderem mit dem Thema Mobbing befasst. Mittags wird es eine geschlossene Vorstellung für die Oberstufenschüler der AEG geben, abends eine offene Vorstellung, zu der auch Erwachsene eingeladen sind.

Denn genau hinschauen sollten auch die Mütter und Väter, sagt Michael Tauscher. „Die Eltern haben die Kinder mit einem Aggressionspotenzial ausgestattet“, erläutert der Stadtjugendpfleger. Deshalb sollten sie sich auch selbst mit dem Thema auseinandersetzen und die Verantwortung nicht nur bei den Schulen suchen.

Für die Eltern der Grundschüler wird es daher in den kommenden Wochen Info-Abende geben. Die Martin-Luther-Grundschule plant außerdem eine Projektwoche Lesen, während Bücher zum Thema Mobbing wie zum Beispiel „Sonst bist du dran“ gelesen werden sollen. Die Gemeinschaftsgrundschule bietet neben einer Fortbildung für Lehrer zum gewaltfreien Lernen auch zwei Wochenstunden für jede Klasse an. Die St. Michael-Grundschule verschiebt wegen des Jubiläums die Info-Veranstaltungen für Eltern in das vierte Quartal.

Schulsozialarbeiterin Hannah Wirth kündigt außerdem an, dass es für alle dritten Klassen in den kommenden Wochen eine Überraschung geben wird.

Von Constanze Raidt

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