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Mobbing-Prävention in der Kita

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Von: Carla Witt

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Training von Konfliktsituationen in der Kita
„Stressica“ will den Löwen nicht zurückgeben: Simone Kraushaar-Schmitz trainiert mit den Budenzauber-Vorschulkindern unter anderem im Rahmen von Rollenspielen das richtige Verhalten in Konfliktsituationen. © Witt

Die Vorschulkinder der Kita Budenzauber wissen jetzt, wie sie Streit vermeiden.

„Nein, ich gebe Deinen Löwen nicht mehr zurück!“ Trotzig drückt „Stressica“, in deren Rolle Simone Kraushaar-Schmitz gerade geschlüpft ist, das Stofftier an sich. Doch die Vorschulkinder der Kita Budenzauber haben von der Selbstbehauptungs- und Resilienztrainerin aus Hemer unter anderem gelernt, in solchen Situationen nicht aufzugeben und gewaltfrei auf dem eigenen Recht zu bestehen.

Kooperation über vier Jahre

Kita-Leiterin Karina Wionsek ist froh, sich vor zwei Jahren für einen Kursus mit den damaligen Vorschulkindern entschieden zu haben. „Es hat uns so gut gefallen, dass wir eine Kooperation mit Simone Kraushaar-Schmitz über vier Jahre abgeschlossen haben.“ Finanziert wird das Angebot, das die Kita-Leiterin auch nach 2024 gerne fortsetzen würde, aus Mitteln, die dem Familienzentrum Budenzauber zur Verfügung stehen.

Eltern und Erzieherinnen sind mit im Boot

Jeweils im Herbst und im Frühjahr zur Auffrischung und Vertiefung des Erlernten kommt die Trainerin einige Vormittage in die Einrichtung, um mit den Kindern zu üben. „Aber das Ganze kann nur funktionieren, wenn die Bezugspersonen eingebunden werden und sich die erlernten Verhaltensweisen bei den Kindern durch deren Hilfe festigen können“, unterstreicht Wionsek. Deshalb gebe es einen Konzeptionstag für die Erzieherinnen und ein Elterntraining im Herbst.

Dynamik eines Streits unterbrechen

„Die Kinder können lernen, mit Konflikten eigenverantwortlich umzugehen“, erklärt Simone Kraushaar-Schmitz, die ihre Ausbildung beim Tüv-zertifizierten Bildungsträger „Stark auch ohne Muckis“ absolviert hat. In Rollenspielen und mit Hilfe der Stofftiere, denen sie ihre Stimme leiht, könnten die Kinder erleben, wie man die Dynamik eines Streits unterbrechen kann – aber auch, wie man sich Hilfe holen kann. „Und dass das nichts mit Petzen zu tun hat.“

Jugendamtsleiter ist begeistert

Bei Jugendamtsleiter Michael Thomas-Lienkämper kommen die Kursinhalte gut an. Er könnte sich dieses Angebot auch in anderen Kitas gut vorstellen: „Die Kinder erweitern ihre Sozialkompetenz in dieser Ellenbogen-Gesellschaft. Sie lernen, sich gegenseitig gewaltfrei zu helfen.“ Karina Wionsek ergänzt: „Man kann nicht früh genug damit anfangen, bestimmte Verhaltensweisen zu üben und andere abzulegen. Die Kinder erarbeiten sich so Strategien, die ihnen auf ihrem Lebensweg weiterhelfen.“ Dabei hatten die 18 Vorschulkinder sichtlich Spaß.

Viele Mobbing-Opfer schon in der Grundschule

Wie wichtig Prävention ist, verdeutlichte die Trainerin aus Hemer anhand von Daten einer Bertelsmann-Studie aus dem Jahr 2019 – also bevor Corona das Leben veränderte: „Jedes dritte Kind wird in den ersten vier Schuljahren Opfer von Mobbing oder leidet unter üblen Konflikten.“ Die Pandemie habe die Situation noch verschärft.

Und: Nicht alle Eltern wüssten, was sie ihrem Kind raten sollten, wenn es von einem Konflikt berichtet. „Einige sagen: ,Das darfst du dir nicht gefallen lassen.‘ Aber das ist nicht gut, denn damit schicken sie ihr Kind in den Konflikt zurück.“

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