Corona-Pandemie

Mitten in der Stadt: Werdohl bekommt zweites Testzentrum

Apotheker Kenan Karakas und Mitarbeiterin Aga Dulisch demonstrieren das Corona-Schnelltestzelt, das ab Montag in der Innenstadt aufgebaut wird. Die testwillige Person steht vor dem Zelt, wenn der Abstrich genommen wird.
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Apotheker Kenan Karakas und Mitarbeiterin Aga Dulisch demonstrieren das Corona-Schnelltestzelt, das ab Montag in der Innenstadt aufgebaut wird. Die testwillige Person steht vor dem Zelt, wenn der Abstrich genommen wird.

Am Montag, 10. Mai, wird mitten in der Werdohler Innenstadt eine Schnellteststelle eingerichtet, in der sich jeder und jede kostenlos auf das Coronavirus testen lassen kann.

Kenan Karakas und sein Team von der Neuen Apotheke bieten in den ersten Wochen 22 Öffnungsstunden an, ab Juni sollen es 30 werden. Die Terminvergabe erfolgt über eine App oder per Telefon.

Am Anfang war Karakas skeptisch, als Gesundheitsminister Spahn per Erlass vom 8. März jedem Bürger und jeder Bürgerin kostenlose Schnelltests garantierte. Dass der Aufwand enorm und die Hürden groß waren, weiß er jetzt, etwa zwei Monate später. „Ich war ins Wasser gesprungen und nass geworden, aber ich wusste nicht, wie tief das Wasser war“, umschreibt er sein Engagement um eine Zulassung als Testzentrum recht anschaulich.

Alternative zum städtischen Testzentrum

Karakas wollte eine Alternative schaffen zum städtischen Testzentrum auf dem Riesei. Das ist in erster Linie für die Durchfahrt mit Pkw konzipiert, zu Fuß oder mit dem Bus ist es schon recht umständlich. Seine Apotheke liegt an der Bahnhofstraße im Stadtzentrum und ist bestens fußläufig zu erreichen. Wer einen Test für den Friseur oder zum Einkaufen braucht, wird ihn hier zukünftig kostenlos, schnell und einfach bekommen.

Der 44-jährige Apotheker aus Hemer-Deilinghofen wandte sich zunächst an Bürgermeister Späinghaus und fand dessen Unterstützung für den Betrieb einer Teststelle in der Stadt. „Damit hatte ich das Ufer erreicht“, bleibt Karakas in seinem Bild. Der eigentliche bürokratische und organisatorische Aufwand ging damit aber erst so richtig los.

Eigenständiges Qualitätsmanagementsystem

Für den Betrieb der Teststelle musste er ein eigenständiges Qualitätsmanagementsystem erstellen. Die Coronaschutzverordnung mache da ganz eindeutige Vorschriften, und davon auch eine Menge. Obwohl er als Apotheker unter anderem Analytik studiert hat, musste er noch den Nachweis für eine Sachkundeprüfung ablegen. Dafür war eine Schulung nötig. Die Abstrichentnahme gehört zur Diagnostik und ist eigentlich nur für Ärzte vorgesehen.

Wer trotzdem jemandem anderes im öffentlichen Auftrag ein Teststäbchen in die Nase stecken will, braucht eine besondere Befähigung. Mittels dieses Nachweises durfte Karakas auch seine Mitarbeiterinnen unterweisen, die dann ebenfalls testen dürfen. Karakas hat dafür Verständnis: „Man kann nicht einfach das Stäbchen in die Nase rammen“, schmunzelt der Apotheker. Außerdem müsse der Abstrich so entnommen werden, dass er für die Testung auch geeignet ist. Damit sei die Testung auf jeden Fall aussagekräftiger als ein eventuell nachlässig gemachter Selbsttest.

Keine Warteschlange dank App

Damit niemand draußen vor der Apotheke lange warten muss, verwendet Karakas die App „NoQ“, eine Terminapp, die übersetzt „keine Warteschlange“ bedeutet. Die Apothekenverbände arbeiten mit dem App-Anbieter zusammen. Die Testperson sucht sich über die Homepage der Apotheke einen Termin aus, gibt die Personalien ein und füllt zum Beispiel Fragen zum Datenschutz vorher aus. Das alles spart Zeit, wenn die eigentliche Testung stattfindet.

Apotheker Kenan Karakas und Mitarbeiterin Aga Dulisch demonstrieren das Corona-Schnelltestzelt, das ab Montag in der Innenstadt aufgebaut wird. Die testwillige Person steht vor dem Zelt, wenn der Abstrich genommen wird.

Wer über die Internet-Seite der Apotheke nicht klarkommt, kann auch ganz klassisch anrufen und einen Termin vereinbaren. Die ersten Termine sind vergeben, das zukünftige Angebot spricht sich herum in der Stadt.

Abstriche werden draußen genommen

Die Abstriche werden draußen vor der Apotheke genommen. In einem Zelt werden weitere Anmeldeangelegenheiten besprochen, dann geht es zum eigentlichen Testzelt. Die testwillige Person tritt vor das Zelt, von innen schieben Karakas oder eine seiner Mitarbeiterinnen die Arme durch Tunnel und entnehmen den Abstrich.

Alle 15 Minuten werden fünf Testwillige bestellt, mit diesem Tempo soll erst einmal gestartet werden. Geöffnet ist werktags von 10 bis 13 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr. Das sind 22 Stunden Öffnungszeit. Wenn sich das Verfahren etabliert und mehr Personal zur Verfügung steht, soll ab Juni auch bis zu 30 Wochenstunden geöffnet werden.

Das Testergebnis kommt per E-Mail

Die Information über das Testergebnis erfolgt per E-Mail, dazu gibt es QR-Codes. Wer sich nicht über die App anmeldet, kann die Bescheinigung auch ausgedruckt bekommen. Karakas hofft, dass durch die Unterstützung der App Anmeldeverfahren und Dateneingabe zügig verlaufen. In den ersten Tagen will er ausschließlich selber testen, um die Abläufe kennenzulernen und den Betrieb zu optimieren. Vieles ist digitalisiert, für alle Fälle steht aber auch ein Drucker bereit.

Der Weg vom ersten Sprung ins Wasser bis zum Start am Montag hielt noch allerhand Untiefen bereit: „Die Kommunikation mit dem Kreis-Gesundheitsamt lief anfangs überhaupt nicht.“ Zu Beginn habe er nur automatisierte E-Mails bekommen: „Das war schon demotivierend.“ Jetzt sind Karakas und sein Team voll motiviert, ihren Beitrag zur Rückkehr zur Normalität Aller beizutragen. „Wir wollen die Inzidenzzahlen abbilden, damit alle ihre Freiheiten zurückbekommen“, sagt Karakas.

Anmeldung und Termine

Testen lassen kann man sich montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr. Termine sind einfach über www.neue-apotheke-werdohl.de zu vereinbaren. Dort läuft die App „NoQ“. Die Apotheke ist unter Tel. 02392/1518 erreichbar.

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