Mittel für „Singende Grundschulen“ laufen aus

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Da steckt Bewegung drin: Die Mädchen und Jungen der St.-Michael-Schule singen nicht nur begeistert mit, sondern untermalen die Lieder auch durch Gesten.

Werdohl - Als es um 12.30 Uhr zum Ende der fünften Stunde schellt, gehen die Klassentüren auf und die Mädchen und Jungen der Grundschule St. Michael stürmen hinaus. Aber nicht alle laufen zur Bushaltestelle oder nach Hause: Rund 50 Schüler bleiben noch eine Stunde zur Chorprobe.

Die Kinder stellen sich auf einer großen Treppe auf. Einige rufen und reden durcheinander, andere beißen noch schnell in ihr Butterbrot. Aber als Marion Jeßegus die ersten Takte auf dem Keyboard spielt, fangen sie an zu singen: „I woke up this morning with the sun in my heart“. Passend zum Text reiben sie sich die Augen, räkeln sich, schnipsen und klatschen. Keine Frage: Die Mädchen und Jungen haben Spaß an ihrer „Singenden Grundschule“.

Seit drei Jahren besteht diese Kooperation zwischen der Musikschule Lennetal, der St.-Michael-Schule und der Martin-Luther-Grundschule. Für Musiklehrerin Marion Jeßegus ist das Projekt mehr als ein Schulchor. „Das Singen ist an den beteiligten Grundschulen Teil des Schulprofils geworden“, sagt sie. Denn die Chorproben, die jede Woche je eine Schulstunde lang in den beiden Grundschulen angeboten werden, sind nur ein Teil des Projekts. Regelmäßig trifft sich die Musiklehrerin mit den Grundschullehrerinnen und erarbeitet mit ihnen ein Liedrepertoire. So soll der Gesang wieder einen festen Platz im Schulalltag bekommen. Das verbinde, stärke das Selbstbewusstsein und sei nebenbei auch noch eine besondere Form der Sprachförderung, sagt Marion Jeßegus.

Aber anders, als viele Eltern glauben, gibt es das alles nicht kostenlos – obwohl die Chorproben in der Schule stattfinden. Denn Marion Jeßegus wird von der Musikschule abgeordnet, deshalb kosten die Chorstunden und die Lehrerfortbildungen Geld. „Wir brauchen 5000 Euro pro Jahr“, sagt Musikschulleiter Martin Theile. Bisher sei diese Summe aus verschiedenen Quellen zusammengekommen: Durch Spenden, Fördermittel und aus einem Fortbildungsbudget der Schulen; auch die Fördervereine der Grundschulen beteiligten sich. Außerdem steuerte die Musikschule eigene Mittel bei – das ist angesichts der aktuellen Haushaltslage nicht mehr möglich.

Bis zu den Sommerferien kann das Projekt noch laufen, danach fehlt das nötige Geld. Theile und Jeßegus hoffen deshalb, dass viele Werdohler das Projekt durch Spenden unterstützen, damit es weiterlaufen kann. Schließlich sei es nicht nur eine Investition in die musikalische Bildung der Grundschüler, sondern auch ein Beitrag zum kulturellen Leben der Stadt. Mehrmals im Jahr treten beide Schulchöre zusammen öffentlich auf, so zum Beispiel beim Weihnachtssingen.

Die Chorprobe an der St.-Michael-Schule endet mit einem Lied über einen richtig blöden Tag, an dem einfach alles schiefgeht. Gute Laune gibt’s trotzdem: Sie wird einfach herbeigesungen.

Wer die „Singenden Grundschulen“ unterstützen möchte, kann eine Spende auf das Konto des Fördervereins der Musikschule überweisen: IBAN DE71 4585 1020 0070 1032 62, Stichwort „Singende Grundschulen“. - Von Constanze Raidt

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