WBG diskutiert über ihr politisches Selbstverständnis

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Der Vorstand der Werdohler Bürgergemeinschaft nach den Wahlen (von links): Klaus-Dieter Frick, Ulrich Hüsmert, Heike Mertens, Zorica Rothstein, Thorsten Liebermann, Peter Jung und Christian Klepatz.

Werdohl - Christian Klepatz bleibt Vorsitzender der Werdohler Bürgergemeinschaft (WBG). Er wurde am Montagabend im Rahmen der Jahreshauptversammlung von 18 Anwesenden einstimmig im Amt bestätigt.

Zunächst trug Klepatz seinen Jahresbericht vor, den er mit den Worten „Die WBG lebt“ einleitete. Er führte weiter aus: „Wir nehmen die Anliegen der Bürger ernst.“ So hätten drei Werdohler „trotz persönlicher Anfeindungen“ das Bürgerbegehren gegen den Westpark „durchgezogen“. Das sei letztlich „ein großer Erfolg“ gewesen. Nach Auffassung des WBG-Vorsitzenden „hat der Bürger damit ein deutliches Zeichen gesetzt“. Das zeige: „Die WBG ist unverzichtbar.“

Größte Herausforderung für die WBG sei nun, „junge Menschen für die Mitarbeit zu gewinnen“, blickte Klepatz in die nähere Zukunft. Deshalb wolle die Bürgergemeinschaft in Kürze ein Facebook-Profil einrichten.

Fraktionssprecher Volker Oßenberg ging in seinem Bericht nochmals auf das Bürgerbegehren gegen den Westpark ein. Für ihn sei das Abstimmungsverhalten von CDU, SPD und FDP „enttäuschend“ gewesen. Schließlich habe der Landrat geschrieben: „Zur Zulässigkeit des Bürgerbegehrens bestehen zwar unterschiedliche Rechtsauffassungen, jede dieser Rechtsauffassungen ist aber in sich schlüssig und vertretbar.“ Oßenberg stellte die offene Frage, ob das Abstimmungsverhalten der politischen Parteien in einem Wahljahr vielleicht anders gewesen wäre.

„Außenbezirke veröden und sterben“

Zentrales Thema der WBG bleibe weiterhin „das Veröden und Sterben der Außenbezirke, im Besonderen des Versetals“. Die WBG befürworte deshalb den Umbau der Turnhalle Eveking zu einer Begegnungsstätte. Für die Außenbezirke gelte es zudem, das System der Straßen- und Stadtreinigung in Werdohl zu ändern, denn der größte Teil der Bevölkerung lebe nicht in der Stadtmitte oder an der Lennepromenade.

Weiterhin wolle die WBG sowohl die Realschule als auch die Gesamtschule „dauerhaft erhalten“. Zudem hoffe die Bürgergemeinschaft, dass der Märkische Kreis Werdohl als Förderschulstandort auswähle.

Gründungsmitglieder geehrt

Kassiererin Zorica Rothstein bilanzierte ein ordentliches Plus, welches die WBG in den zurückliegenden zwölf Monaten erwirtschaftet habe. Der Vorstand wurde einstimmig entlastet. Neben dem Vorsitzenden Klepatz wurden auch Schatzmeisterin Rothstein und Schriftführer Klaus-Dieter Frick auf ihren Positionen bestätigt. Zu Beisitzern wurden Peter Jung, Thorsten Liebermann und Ulrich Hüsmert gewählt.

Wurden für zwölf beziehungsweise zehn Jahre Mitgliedschaft geehrt (von links): Heike Mertens, Bernd Winzer, Gottfried Brinkmann, Friedrich-Wilhelm Middendorf und Willibald Mertens.

Zwölf Jahre nach Gründung der WBG wurden erstmals Mitglieder der politischen Vereinigung für ihre Treue geehrt. Klepatz gratulierte Heike Mertens, Ulla Lamboy, Gottfried Brinkmann, Friedrich-Wilhelm Middendorf und Bernd Winzer für zwölfjährige sowie Willibald Mertens für zehnjährige Mitgliedschaft.

Hinterzimmer-Politik und „Glaubenskriege“

Die vier WBG-Mitglieder und teilweise ehemalige Ratsherren – Gottfried Brinkmann, Willibald Mertens, Friedrich-Wilhelm Middendorf und Bernd Winzer – führten eine lange Diskussion über die ihrer Meinung nach fehlende Transparenz bei der Stadt. Beispielsweise zu den Themen Lennecafé, Radweg Lenneroute und Schulpolitik hätten von der Verwaltung Bürgerversammlungen durchgeführt werden müssen. Zudem werde nun ein städtisches „Filetstück“, welches einst für den Bau eines Seniorenzentrums reserviert worden sei, für die Feuerwehr verwendet. Und außerdem führten die vier Zweifel an, dass das Hallenbad wirklich sanierungsbedürftig sei. „Auch die WBG macht längst Hinterzimmer-Politik“, monierte der frühere Fraktionsvorsitzende Willibald Mertens.

„Nicht jeden Bürger befragen“

Die beiden Fraktionssprecher Oßenberg und Thorsten Hänel konterten: „Ihr seid doch nie bei den Ratssitzungen im Rathaus. Da wurde das alles besprochen.“ Sie wiesen die Kritik „entschieden zurück“. Oßenberg führte weiter aus: „Es gibt Themen, über die dürfen Bürger nicht entscheiden, weil sie so sensibel sind, dass sonst Glaubenskriege entfacht würden.“ WBG-Mitglied Dieter Benninghaus pflichtete ihm bei: „Ich gehe davon aus, dass in der Verwaltung Experten sitzen. Die brauchen doch nicht jeden einzelnen Bürger zu allen Themen befragen.“

Auf Antrag von Heike Mertens wurde beschlossen, diese Diskussion nicht im Beisein der Presse fortzuführen.

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