Karl Mertens hat zwei Gesellschaften

Mit 82 Jahren aus Werdohl in die Insolvenz

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Karl Mertens im Besprechungsraum seiner Beratungsgesellschaft in Altena. Der 82-jährige Werdohler ist mit einer seiner beiden Gesellschaften in die Insolvenz geraten.

Werdohl - Im Alter von 82 Jahren ist der Werdohler Geschäftsmann Karl Mertens mit einer seiner beiden Gesellschaften in die Insolvenz geraten. Mertens betreibt im benachbarten Altena im Post-Gebäude zwei Unternehmen, die in eine Steuerberatungsgesellschaft und eine Buchprüfungsgesellschaft aufgeteilt sind.

Die Mertens und Partner GmbH könne einen Forderungsverlust von 100 000 Euro nicht ausgleichen, sagte Mertens im Gespräch mit unserer Redaktion. Die neben ihm als Geschäftsführer tätigen fünf Mitarbeiter würden allesamt in seine Buchprüfungsgesellschaft Märkische Treuhand übernommen, erklärte er. Er wolle die Gesellschaft noch zwei oder drei Jahre weiterführen, bis die meisten Mitarbeiter das Rentenalter erreicht hätten. Das Insolvenzverfahren gegen Mertens wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung wurde am 9. Oktober eröffnet. Gläubigeranträge gegen Mertens datieren von Februar, März und April. Zum Insolvenzverwalter wurde der Hagener Rechtsanwalt Dr. Dirk Andres ernannt.

Karl Mertens ist in Werdohl kein Unbekannter. Sein Name ist eng mit der Werdohler Stadtklinik verbunden, Mertens ist mit einer kurzen Unterbrechung seit 35 Jahren Vorsitzender des Fördervereins der Stadtklinik und des Seniorenzentrums. Unter seiner Führung hat der Förderverein über die Jahre Spenden in Höhe von mehreren hunderttausend Euro ermöglicht.

Sein Engagement für die Märkischen Kliniken entspringt persönlichen Erfahrungen und beruflicher Neigung. Mertens stammt aus Bonn, er arbeitete zunächst in einer Steuerberatungsgesellschaft in Rheydt bei Mönchengladbach. Fast ein Jahr hatte er als junger Mann in einer Bonner Klinik gelegen, die aus einem Militärstandort heraus entwickelt worden war. Daraus schöpfte er seine Energie, zusammen mit dem früheren Kreiskämmerer Heiner Schwalm als Altena die Krankenhäuser Hellersen in die kreiseigene Gesellschaft der Märkischen Kliniken zu überführen. Auch bei der Gründung der Widi, der Wirtschaftsdienste Hellersen, hatte Mertens größten Anteil. Für den Unternehmer Arnold Menshen habe er auch viel gearbeitet, viele Auslands-Niederlassungen der Stauff-Gruppe seien auf seine Initiative hin entstanden.

Doch der Reihe nach: Mertens kam 1961 von Rheydt nach Altena. Der 82-Jährige erinnert sich noch ganz genau: „Mittags hatte ich meine Führerscheinprüfung abgelegt, am Nachmittag bin ich mit meinem Auto nach Altena gefahren.“ Im Jahre 1961 legte er seine Steuerbevollmächtigten-Prüfung ab, machte den Führerschein, zog nach Altena um und heiratete seine Frau Hildegard.

Zunächst führte Mertens eine Beratungsgesellschaft in Altena weiter, der eigentliche Grund seines Wechsels vom heute noch geliebten Rheinland an die Lenne. Privat wohnte er nur kurze Zeit mit seiner Frau in Altena, seit Jahrzehnten hat die Familie ein Haus am Krähenacker in Werdohl. Hildegard Mertens ist verstorben, Sohn und Enkel leben in Dortmund.

Mertens legte damals großen Ehrgeiz an den Tag, er gründete mit einem Partner die Märkische Revision. Nach Differenzen trennte sich Mertens 1987 von diesem Partner und gründete seine heutigen Unternehmen. Damals sei es noch nötig gewesen, Buchprüfung und Steuerberatung in verschiedene Gesellschaften zu trennen. Das sei schon lange nicht mehr vorgeschrieben. Von daher sei es auch kein Problem, wegen der Insolvenz die Mitarbeiter von der einen in die andere Gesellschaft zu verschieben.

Einen Rat hat der bald 83-Jährige für die Jüngeren: „Wer die körperliche und geistige Konstitution dafür hat, sollte weiter arbeiten und sich nicht mit 65 in den Sessel setzen.“

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