Werdohler Stadtmitarbeiter klagt gegen Versetzung

Werdohl - Die Fronten zwischen einem Mitarbeiter der Werdohler Stadtverwaltung und seinem Arbeitgeber sind so verhärtet, dass nun ein Güterichter versuchen soll, den Konflikt zu lösen. Vor dem Arbeitsgericht Iserlohn, wo der Mitarbeiter gegen eine Versetzung auf einen anderen Arbeitsplatz geklagt hatte, kam es jedenfalls zu keiner Entscheidung.

Die Ursache für die Auseinandersetzung scheint tiefer und schon einige Zeit zurück zu liegen. Der Mitarbeiter hatte die Arbeitszeiten einer hochrangigen Mitarbeiterin der Stadtverwaltung kontrolliert und – als er seinen Verdacht des Arbeitszeitbetrugs erhärtet sah – bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet.

Die hatte das Verfahren eingestellt, aber danach interessierten sich die Vorgesetzten des Anzeigen-Erstatters für dessen Vorgehen. Weil er seine Nachforschungen während der Arbeitszeit betrieben haben soll, gab es eine Abmahnung, gegen die sich der Mitarbeiter schon im vergangenen Jahr vor dem Arbeitsgericht Iserlohn wehrte: Die Abmahnung könne der erste Schritt hin zu einer Versetzung auf einen anderen Arbeitsplatz sein, befürchtete er.

Befürchtung wurde Wirklichkeit

Es kam zu einer gütlichen Einigung, die Abmahnung musste zum Jahresende aus der Personalakte des Mitarbeiters entfernt werden. Der Streit schien beigelegt.

Doch wenig später trat ein, was der Mitarbeiter befürchtet hatte: die Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz. Die war nun Gegenstand eines neuen Verfahrens vor dem Arbeitsgericht. Die Bürgermeisterin hatte – angeblich aus finanziellen Erwägungen – die Organisation der Stadtverwaltung dahingehend geändert, dass der Arbeitsbereich des Mitarbeiters nun in den Verantwortungsbereich der Mitarbeiterin fiel, die er bei der Staatsanwaltschaft angezeigt hatte.

Nach 20 Jahren eine neue Aufgabe

Weil deshalb eine Zusammenarbeit der beiden unmöglich erschien, wurde der Mitarbeiter versetzt. Doch anstatt froh darüber zu sein, der ungeliebten Vorgesetzten nicht ständig über den Weg laufen zu müssen, klagte der Mitarbeiter gegen die Versetzung. Er empfinde die Entscheidung als Strafe, sagte er am Arbeitsgericht mehrfach. Er sei aus seinem Spezialgebiet, dass er seit 20 Jahren bearbeite, abgezogen und in einen für ihn sachfremden Bereich der Stadtverwaltung versetzt worden. „Das bringt mich in die Lage, Fehler zu machen oder vielleicht sogar ganz zu scheitern“, begründete der Mitarbeiter, warum er sich gegen die Versetzung wehrt.

War Umorganisation notwendig?

Dass die Neuorganisation der Verwaltung überhaupt oder zumindest in dieser Form notwendig war, bezweifelt der Mitarbeiter. Aus seiner Sicht hätte sein Arbeitsgebiet auch – wie andernorts üblich – einem anderen Fachbereich zugeordnet werden, wo er keine Berührungspunkte mit der durch ihn angezeigten Kollegin hätte.

Christian Bülow vom Kommunalen Arbeitgeberverband NRW, der die Stadt Werdohl vor dem Arbeitsgericht vertrat, konnte die emotionale Betroffenheit des Mitarbeiters zwar verstehen, gab aber zu bedenken, dass ein Verwaltungsmitarbeiter „alles können“ müsse. „Das ist nun einmal so im öffentlichen Dienst“, sagt er und schob hinterher, dass Arbeitnehmer deshalb auch stets mit einer Versetzung rechnen müssten. Und eine Organisationsentscheidung der Verwaltungsführung sei nun einmal rechtens, wenn sie sachlich begründet sei.

Doch genau daran schieden sich die Geister. War die Organisationsentscheidung sachlich begründet, oder wollte die Verwaltungsspitze einem unbequemen Mitarbeiter eins auswischen, ihn möglicherweise sogar zur Aufgabe zwingen?

Güterichter soll vermitteln

Das interessierte auch Richter Timo Mohr, der die Frage in den Raum stellte, ob es keine Möglichkeit gegeben hätte, die Umorganisation der Verwaltung anders durchzuführen. Darauf gab es vor dem Arbeitsgericht keine Antwort. Und weil beide Seiten auf ihren Standpunkten beharrten, folglich also mindestens ein Beteiligter als Verlierer vom Feld gegangen wäre, schlug Richter Mohr schließlich ein Güterichterverfahren vor.

Diese Konfliktlösungsmethode ermöglicht es den Parteien, mit Hilfe eines speziell in Vermittlungstechniken geschulten Güterichters, gemeinsam zu einer dauerhaften und selbstbestimmten Problembereinigung zu gelangen.

Während der Vertreter der Stadt diesem Vorschlag direkt zustimmte, erklärte sich der Mitarbeiter erst nach einigem Zögern zu diesem Versuch der Konfliktlösung bereit.

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