WK: Der letzte Tag der Lebensmittelabteilung

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Der allerletzte Rest an Käse und Wurst wurde am Samstag verkauft, die haltbaren Reste sollen heute und morgen unter die Leute gebracht werden. Der erste Vorhang in der langen WK-Geschichte ist gefallen.

Werdohl – Ein paar leere Kartons der Rewe-Eigenmarke „Ja“ stehen einsam und verlassen im Kühlregal an diesem Samstagnachmittag. Den Platz mit irgendwelchen Waren in der WK-Lebensmittelabteilung müssen sie sich nicht mehr teilen. Lebensmittel gibt es dort keine mehr. Der Laden sieht aus wie geplündert. Marodierende Unruhestifter sind allerdings nicht auszumachen. Nur wenige Kunden suchen die Gänge noch ab. Dieser Samstag ist der letzte offizielle Öffnungstag des Rewe-Marktes in der oberen WK-Etage.

„Am Dienstag und Mittwoch verkaufen wir noch die Reste ab“, erklärt Peter Ebener, Geschäftsführer des Werdohler Kaufhauses (WK), welches Ende Juni geschlossen werden soll. Einige Alkoholika werden wohl noch auf Abnehmer warten an diesen beiden Tagen. Diese wird Ebener mit seinem Team in den Eingangsbereich des Rewe-Marktes stellen, der dann schon Geschichte sein wird.

Auch das benachbarte Schuh-Geschäft Quick wird bald Vergangenheit sein. Ein Nachmieter stehe bereits fest, erklärt Ebener, ohne diesen konkret zu benennen. Für das WK-Gebäude gibt es nichts Neues zu berichten. „Es gibt wohl zwei Interessenten“, wiederholt der Noch-Geschäftsführer das bereits Bekannte. „Mit dem Werdohler Immobilienhändler Harun Cici haben aber noch keine Gespräche stattgefunden, soweit ich weiß.“

Ebener schaut durch die tristen Gänge und auf die verwaisten Regale im Supermarkt. „Das ist schon sehr traurig“, sagt er und schüttelt resigniert seinen Kopf. Sogleich aber hellt sich sein Gesicht hinter dem Mundschutz deutlich sichtbar auf. „Ich muss aber meinen Mitarbeiterinnen einen großen Dank aussprechen, dass sie es bis zum Schluss ausgehalten haben in diesem Chaos.“

Eben diese Mitarbeiterinnen mussten in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder Kunden trösten, vorwiegend die älteren. Ebener erläutert: „Für Senioren waren wir – glaube ich – im Umkreis die einzigen, die Lebensmittel auch ausgefahren haben. Wir haben bis nach Lüdenscheid geliefert.“ Für diese nicht mehr ganz so mobilen Menschen bräche gerade eine Welt zusammen. Für seine Angestellten seien derartige Gespräche nicht immer leicht.

Waren, die auch an den ersten zwei Öffnungstagen nach Pfingsten nicht aberverkauft werden könnten, „geben wir wohl an die Werdohler Tafel“, schätzt Ebener. Fest stehe nur: Nichts wird an ein Rewe-Lager oder gar an die Hersteller der Lebensmittel und Haushaltswaren zurückgeschickt. Auch keines der beiden Geschäfte der rot-weißen Supermarkt-Kette in Neuenrade werde die Überbleibsel übernehmen.

Die WK-Beschäftigten indes suchen ein neues berufliches Zuhause. Ebener gibt einen Überblick: „Von den ursprünglich knapp 90 Leuten sind 35 bereits weg. Die anderen – gerade die aus dem Lebensmittel-Bereich – haben teilweise schon Anschlussverträge.“ Er selbst werde noch bis Ende September für das WK zur Verfügung stehen, Waren ausräumen und letzte Buchhaltungsarbeiten erledigen, Abschlussrechnungen begleichen und schließlich das Gebäude abschließen.

Nach dem Aus für den Supermarkt wird wohl auch nach und nach der Rest der Waren aus der 1. Etage ins Erdgeschoss ziehen. Das obere Geschoss wird bald geschlossen werden. Dass das WK aber schon vor Ende Juni die Schotten komplett dicht mache, sei nicht zu erwarten, prognostiziert Ebener.

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