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Missbrauchsprozess: Opfer müssen wohl aussagen

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Von: Thomas Krumm

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580 Taten werden einem Werdohler zur Last gelegt, der sich wegen sexuellen Missbrauchs derzeit vor dem Landgericht in Hagen verantworten muss.
580 Taten werden einem Werdohler zur Last gelegt, der sich wegen sexuellen Missbrauchs derzeit vor dem Landgericht in Hagen verantworten muss. © Patrick Pleul

Nur mühsam kommt im Landgericht Hagen der Missbrauchsprozess gegen einen 55-jährigen Werdohler in Gang, der die 1998 geborene Tochter seiner Lebensgefährtin und später deren kleinere Schwester sexuell jahrelang missbraucht haben soll.

Tatort war laut Anklage eine Wohnung in Werdohl, in der der geschiedene Angeklagte mit seiner neuen Partnerin und deren beiden Töchtern zusammenlebte. Die Übergriffe sollen Anfang 2007 begonnen haben und erst durch die Inhaftierung des Angeklagten im August 2021 beendet worden sein. Als die ältere Tochter 2014 auszog, soll der Angeklagte begonnen haben, deren 2008 geborene kleine Schwester sexuell zu missbrauchen.

Die Anklage geht auf der Grundlage von Hochrechnungen von 580 Taten aus. Mittlerweile liegt dem Angeklagten die ins Russische übersetzte Anklage vor, die seine Anwälte zum Prozessauftakt eingefordert hatten. Ihr Mandant sei der deutschen Sprache in Wort und Schrift nicht hinreichend mächtig, um den komplexen Sachverhalt ohne Übersetzung zu verstehen, hieß es damals als Erklärung. Deshalb hatte sich der 55-Jährige zunächst nicht zu Vorwürfen geäußert. Aber auch nach dem Empfang der Anklage und der möglichen Lektüre zeigte sich der Werdohler allerdings alles andere als gesprächig: „Er wird heute keine Angaben machen“, erklärte einer seiner beiden Anwälte. Damit war auch der dritte Verhandlungstag zügig beendet, denn bei Verfahren nach Sexualstrafdelikten bemühen sich alle Beteiligten, den Opfern eine Vernehmung vor Gericht zu ersparen.

Hauptbelastungszeuginnen werden geladen

Vor dem nächsten Schritt einer gerichtlichen Ladung der beiden Hauptbelastungszeuginnen aus Werdohl musste aber klar sein, dass der Angeklagte kein Geständnis ablegt. Nun soll die ältere Belastungszeugin für den 21. März geladen und voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen werden. Ob auch ihre Schwester bereits am vierten Verhandlungstag befragt wird, ist noch nicht entschieden. Weitere Zeugen sind Vernehmungsbeamte aus den Reihen der Polizei.

Die Probleme rund um die erbetene Übersetzung der Anklageschrift haben den Terminplan des Prozesses strapaziert: Ursprünglich sollte bereits am 21. März das Urteil gesprochen werden. Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz gab in dieser Woche jedoch drei neue Verhandlungstermine bekannt. Ein zusätzlicher Sprungtermin mit Minimalprogramm soll sicherstellen, dass die zulässigen Fristen für die Durchführung der Hauptverhandlung nicht überschritten werden.

Termin: Der Prozess wird am 21. März ab 9.30 Uhr im Landgericht fortgesetzt.

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