Millionenprojekt: Das kosten die zwei neuen Gerätehäuser für Werdohl

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Das Drehleiterfahrzeug der Feuerwehr auf dem Parkplatz Grasacker symbolisiert die Misere: Auf dem Behelfs-Parkplatz soll für 5,8 Millionen Euro das neue Gerätehaus des Löschzugs Stadtmitte entstehen. Die Drehleiter ist so alt, dass sie 2023 für rund 700 000 Euro ersetzt werden muss.

Werdohl – Die Stadt rechnet jetzt mit 8,8 Millionen Euro Kosten für den Bau von zwei neuen Feuerwehrgerätehäusern am Grasacker und auf der Königsburg.

Weitere 1,4 Millionen Euro werden allein im nächsten Jahr an laufenden Investitionen für die Feuerwehr fällig. Ab 2021 werden diese Summen nicht mehr ohne die Aufnahme neuer Kredite im Haushalt darstellbar sein. Der jahrelange Investitionsstau rächt sich in den nächsten Jahren bitter, für die Feuerwehr müssen neue Schulden gemacht werden. 

Kämmerin Vanessa Kunze-Haarmann, noch ganz neu in diesem Amt, muss diese gewaltigen Kosten in den Haushalt 2021 einbauen. Es sei „sehr schwierig, diese hohe Gesamtsumme im Haushalt darzustellen“, sagte sie mit der typischen Zurückhaltung städtischer Finanzverwalter. 

Ausstattung wird zu einem Politikum

Die Feuerwehrausstattung wird so zu einem Politikum: Einige Jahre brauchte die Stadt keine Investitionskredite aufzunehmen, es konnte sogar Schuldenabbau betrieben werden. Die enormen Kosten für den Brandschutz können bald nicht mehr aus Bordmitteln dargestellt werden. Ab 2021 müsse die Stadt eine „hohe Kreditaufnahme“ tätigen, so Kunze-Haarmann. Für den Neubau am Grasacker sind 800 000 Euro Planungs- und fünf Millionen Euro Baukosten eingeplant, für das Gebäude auf der Königsburg rechnet die Stadt mit 500 000 Euro Planungskosten und 2,5 Millionen für den Bau. 

Das Feuerwehrgerätehaus der Löschgruppe Brüninghaus auf der Königsburg wirkt aus dieser Perspektive eher wie ein putziges Gebäude für die Modelleisenbahn

Über die Notwendigkeit des Baus neuer Feuerwehrgerätehäuser, der Anschaffung von moderner Ausrüstung und das Leasing von aktuellen Fahrzeugen muss nicht diskutiert werden. Der Brandschutzbedarfsplan legt das fest. Bezahlen muss die Stadt, das Land gibt nur eine jährliche Feuerschutzpauschale von 35 000 Euro. Könnte die Stadt die Ausstattung mit Gebäuden und Material nicht verpflichtend sicherstellen, müsste eine hauptamtliche Feuerwehr bestellt werden. 

Investitionen: Lange Liste

Die Liste der zwingend nötigen Investitionen ist enorm: Ganz oben auf der Liste steht der Ersatz der beiden absolut unzulänglichen Gerätehäuser Stadtmitte und Königsburg. Ursprünglich war gedacht, mit einem gemeinsamen Gebäude am Grasacker für den Löschzug Stadtmitte und die Löschgruppe Brüninghaus auszukommen. Doch die Kameraden von der Königsburg konnten die gesetzlichen Hilfsfristen zum Grasacker nicht darstellen. Nach Gesprächen in diesem Sommer ist klar, dass auch für die Löschgruppe Brüninghaus ein Neubau her muss. Deren jetzige Unterkunft erfüllt genauso wenig aktuelle Anforderungen wie das Gerätehaus an der Neustadtstraße. Die Zustände im Gerätehaus auf der Königsburg sind wohl so problematisch, dass die Feuerwehrführung keinen Einblick ins Haus geben wollte. 

Löschauto „Hans“ steht noch gut im Lack, gehört aber eher in Sammlerhände als zur aktiven Feuerwehr.

Der Anblick des heruntergekommenen Hauses spricht Bände. Mit den beiden Neubauten für knapp 9 Millionen Euro und den jährlichen Investitionen von 1,4 Millionen Euro ist der Bedarf in naher Zukunft immer noch nicht gedeckt. Das Gerätehaus Kleinhammer muss ebenso ersetzt werden wie Fahrzeuge im Wert von 2,8 Millionen Euro. Allein die Drehleiter wird rund 700 000 Euro kosten, sie soll 2023 gekauft werden.

Das Haus ist ziemlich heruntergekommen.

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