Milliardär hat Vossloh umstrukturiert

Bei Vossloh endet die Ära Heinz Hermann Thiele

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Bei der Hauptversammlung der Vossloh-Aktionäre in Düsseldorf im Jahre 2013 übernahm Heinz Hermann Thiele die Kontrolle. Im Bild der kurz danach abgelöste Vorstand Werner Andreé.

Werdohl/München - Der 28. Mai 2013 löste beim Werdohler Vossloh-Konzern die Wende aus: Vor vier Jahren übernahm bei der Hauptversammlung der Aktionäre der Münchner Heinz Herrmann Thiele (76) den Aufsichtsrat. Am 24. Mai 2017 will er sich von der Spitze des Konzerns zurückziehen.

Sein vor vier Jahren gegenüber der Versammlung öffentlich erklärtes Ziel war damals lediglich: Er sei in der Lage, bei der schwächelnden Vossloh AG Mehrwert zu generieren. Nötig hatte es Thiele nie: Er gilt als einer der reichsten Männer Deutschlands, seine Familie ist im Besitz von schätzungsweise zehn Milliarden Euro.

Die Generation von Mehrwert hat anscheinend geklappt. Thiele hat Vossloh jedenfalls wieder profitabel gemacht.  Innerhalb von vier Jahren hat der Münchner den Schienenkonzern im Sauerland umgekrempelt. Erste Gespräche zwischen den früheren Vossloh-Inhabern und Thiele gab es 2011. Die Familie mit ihrem Sprecher Peter Langenbach und der knüppelharte Selfmade-Milliardär Thiele konnten sich nicht einigen. Bei der legendären Hauptversammlung 2013 griff Thiele die Inhaberfamilie um Vossloh-Nachfahrin Anne Traub direkt an. Die Familie konnte ihre eigenen Kandidaten für den Aufsichtsrat nicht durchsetzen. Die damaligen Aufsichtsratsmitglieder wurden mit miserablen Ergebnissen entlastet, Thiele mit knappem Ergebnis gewählt. Der frühere Vorstand Werner Andreé musste erklären, dass die Dividende von 2,50 Euro auf zwei Euro pro Aktie gesenkt werden würde. Das war seit zwanzig Jahren nicht nötig gewesen.

Einige Zeit später wurde Andreé und sein Vorstands-Kollege Schiedeck abgelöst. Heinz Herrmann Thiele installierte einen komplett neuen Vorstand mit dem Vorsitzenden Dr. h.c. Hans Martin Schabert, Volker Schenk und Oliver Schuster. Erstmal ging es bergab: Die Dividende wurde auf 50 Cent abgesenkt. Im Juni 2014 schockte Vossloh die Anleger mit einer Gewinnwarnung. Danach ging es wieder bergauf: Der Vorstand kündigte für das Jahresende 2014 eine komplette Restrukturierung des Konzerns an. Die Geschäftsbereiche wurden gestrafft, die Lokomotiven-Fabrik verkauft. Übrigens bewahrheitete sich nie das Gerücht, dass Thiele seinen Ursprungs-Konzern, die Knorr Bremse AG, mit dem Werdohler Konzern zusammenlegen würde. Ende 2016 kamen beide Unternehmen direkt miteinander ins Geschäft: Die Vossloh AG hatte ihr Geschäftsfeld Electrical Systems an die Münchner Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH verkauft.

Die Knorr-Bremse AG wurde noch bis März 2016 von Heinz Hermann Thiele kontrolliert. Mit Sohn Henrik gab es bei Differenzen, der designierte Knorr-Chef stieg im Sommer 2015 aus. Dem geschäftlichen Erfolg scheint der Mann aus München nahezu alles unterzuordnen. Thiele hat offensichtlich für die Vossloh AG zwei Männer gefunden, die sein Vertrauen haben. Zum 1. April wurde der bisherige Vertriebs- und Marketingvorstand der Bahntochter DB Cargo, Andreas Busemann, zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Vorgänger Hans Schabert hatte aus persönlichen Gründen darum gebeten, ihn nicht über seine Vertragsdauer hinaus weiter zu beschäftigen. Außerdem soll am 24. Mai in Düsseldorf mit Dr. Volker Kefer ein weiterer ehemaliger Spitzenmanager der Bahn zum Aufsichtsratsvorsitzenden von Vossloh werden und Thiele ablösen.

Damit zieht sich der Münchner Milliardär operativ vom Werdohler Vossloh-Konzern zurück. Das heißt nicht unbedingt, dass er keinen direkten Einfluss mehr nehmen wird. Das Manager-Magazin zitierte ihn in einem ausführlichen Interview vor zwei Jahren so: „Ich genieße den Erfolg, aber ich kann mich nicht einfach hinsetzen und aufs Wasser schauen. Immer wenn etwas gut gelaufen ist, frage ich mich: Was machst du als Nächstes?“

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