Kirche in Eveking könnte 2030 geschlossen werden

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Kirchenvorstandsmitglied Dieter Gierse erklärte, dass das Pfarrhaus in Neuenrade vermietet oder verkauft werden solle.

Werdohl - Nicht hitzig, aber voller Angst und Sorge diskutierten die Mitglieder der katholischen Gemeinde St. Michael Werdohl-Neuenrade am Montagabend das Pastoral- sowie das Finanzkonzept für die Pfarrei, die in den vergangenen zwei Jahren erarbeitet wurden. Jetzt wurden die Ergebnisse präsentiert.

100 Minuten dauerte die Auseinandersetzung der Gläubigen mit den Entwürfen für die Zukunft ihrer Gemeinde, die sich über zwei Städte erstreckt.

Teile Neuenrades gehören aber schon zum Bistum Paderborn, während die Gemeinde St. Michael zum Bistum Essen zählt. St. Michael gehören noch circa 5500 Katholiken als Mitglieder an. Seelsorgerisch versorgt werden diese derzeit von drei Geistlichen. Zunächst wurde am Montag das Pastoralkonzept skizziert. Es solle die Frage „Was soll erhalten bleiben, damit wir eine glaubwürdige, christliche Gemeinde vor Ort sind?“ beantworten, erläuterte Pater Irenäus während der Begrüßung der Gemeinde-Mitglieder im voll besetzten Großen Pfarrsaal.

Viele Gemeindemitglieder warenin den Großen Pfarrsaal gekommen, um sich über das neue Pastoral- und Finanzkonzept zu informieren.

Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Hans-Jürgen Stracke leitete diesen ersten Teil der Veranstaltung. „Was uns in der Zukunft herausfordert ist, dass der Glaube nur noch wenig mit dem Alltag der Menschen zu tun hat“, stellte er gleich zu Beginn klar. Er sagte aber auch: „Das ist nun kein Konzept für die Ewigkeit, wahrscheinlich nicht einmal für zehn Jahre, sondern ein Prozess, der lebendig bleiben wird.“

Das nun erarbeitete Pastoralkonzept sieht folgende Eckpunkte vor: eine frische Willkommenskultur für neue Gemeindemitglieder – etwa mit Hilfe der Internetseite, eine ansprechende Gestaltung der Sakramente wie der Firmung oder einer Tauffeier, eine spezielle Jugend-Ansprache zum Beispiel mit eigenen Gottesdiensten, die Einbindung von immer mehr Gemeindemitgliedern bei der Gestaltung der sonntäglichen Gottesdienste und schließlich die Vernetzung der Caritas mit der Pfarrei. Nachdem Stracke seinen Vortrag geschlossen hatte, kam sogleich ein Einwurf aus dem Saal: „Das ist ja alles Theorie – und es sind schon zwei Jahre vergangen. Wann passiert endlich was, dass man auch mal was davon merkt?“ Der Referent entgegnete, dass die Umsetzung „in den kommenden Wochen und Monaten“ anlaufe.

Gottesdienste im Neri-Haus feiern

Den zweiten Teil der Pfarrversammlung gestaltete Dieter Gierse, 1. stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes. Er hielt das Referat zum Finanzkonzept. Zunächst erläuterte er die Aufgabenstellung: Es gehe darum, auf Basis der Zahlen aus dem Jahr 2015, bis 2020 die Kosten um 20 Prozent und bis 2030 um sogar 50 Prozent zu reduzieren. Zu allererst gebe es Einsparungen im Personalbereich aufgrund von Verrentungen, „was hier aber heute Abend nicht diskutiert werden soll“, stellte er voran. Dann ging er auf die Kirchen der Pfarrei ein: Das Evekinger Gotteshaus St. Petrus Canisius werde ab 2020 als „nicht unbedingt notwendig“ eingestuft.

Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Hans-Jürgen Stracke stellte die Eckpunkte des neuen Pastoralkonzeptes vor.

Das heiße, Instandhaltungsmaßnahmen würden „nur noch in geringem Umfange“ durchgeführt. Ab 2030 werde eine Aufgabe der Kirche in Betracht gezogen. Bis 2030 könnten in Eveking aber sicher noch Gottesdienste gefeiert werden. Manfred Buchta vom Finanzausschuss des Kirchenvorstandes konkretisierte: „Sobald wir in Eveking eine Großbaustelle haben, wird es eng.“ Gierse ging dann auf die Neuenrader Kirche St.-Mariä-Heimsuchung ein. Dort gelte es „die Notwendigkeit eines Erhaltes mittelfristig zu überprüfen“. Er spitzte zu: „Wir können in Neuenrade ja im Saal des Philipp-Neri-Hauses eine Messe feiern.

Da brauchen wir in 15 Jahren vielleicht keine Kirche mehr. Ich weiß es nicht.“ Als zweites sprach das Kirchenvorstands-Mitglied das Thema „Pfarrheime“ an. Zunächst stellte er klar: „Der Erhalt des Großen Pfarrsaals in Werdohl ist für die Gemeinde nicht notwendig.“ Es gebe genügend andere Räume, in denen „die Handvoll Großveranstaltungen im Jahr“ stattfinden könnten. Als mögliche Ausweich-Adressen nannte er den Saal des Neuenrader Neri-Hauses, die Gaststätte Haus Werdohl sowie den Festsaal Riesei in Werdohl. Der Große Pfarrsaal sei bereits der benachbarten Kindertagesstätte angeboten worden, die unter großer Platznot leide.

Großer Pfarrsaal soll aufgegeben werden

Der Pfarrsaal von St. Petrus Canisius in Eveking sei untrennbar mit dem dortigen Gotteshaus verbunden. Auch für ihn gelte, dass er möglicherweise ab 2030 aufgegeben werden solle. Dritter und letzter Punkt der Ausführungen von Gierse waren die Pfarrhäuser. Jenes in Werdohl gehöre dem Minoriten-Orden und dafür fielen demnach für die Gemeinde keine Kosten an. Das in Neuenrade werde nicht mehr von der Pfarrei genutzt. Es solle künftig vermietet oder sogar verkauft werden. Gierse hob hervor: „Unser Finanzplan ist mit diesem Konzept zu 2030 nicht ganz ausgeglichen. Aber wir wollen es erst einmal dem Bistum vorlegen – unter Berücksichtigung der besonderen sauerländer Gegebenheiten.

Unsere Kirchen liegen ja nicht fußläufig erreichbar nebeneinander.“ Es seien also nach 2030 noch Zuschüsse des Bistums Essen vonnöten. Es gebe aus Essen aber Signale, dass diese gewährt werden könnten. Ein Gemeinde-Mitglied warf die Frage in den Raum: „Wo ist denn die Solidarität, wenn es keinen Finanzausgleich mit den Bistümern gibt, denen es besser oder gut geht?“ Das weitere Vorgehen: Am 11. Oktober werden die Konzepte vom Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand verabschiedet – unter Berücksichtigung der Anregungen aus der Gemeinde. Zum Abschluss rief ein Gemeinde-Mitglied zur Geschlossenheit auf: „Wir müssen uns bewegen, sonst haben unsere Kinder später keine Kirche mehr.“ Dafür erhielt er – wenn auch nicht von allen Anwesenden – großen Beifall.

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