VDM Metals

Größter Arbeitgeber in Werdohl nach Spanien verkauft 

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Das VDM-Werksgelände in Werdohl.

Werdohl - Der Werdohler Konzern VDM Metals wird für mehr als eine halbe Milliarde Euro nach Spanien verkauft. 

Nachdem im vergangenen Jahr eine Übernahme des Herstellers von Speziallegierungen durch ein luxemburger Unternehmen an Bedenken der EU-Kommission gescheitert war, wurde jetzt ein Kaufvertrag im Wert von 532 Millionen Euro mit Acerinox abgeschlossen. Allerdings müssen die Kartellbehörden auch diesem Deal noch zustimmen.

Acerinox SA, weltweit führender Hersteller von rostfreiem Stahl mit Sitz in Spanien, erwirbt von der amerikanischen Investmentfirma Lindsay Goldberg Vogel den VDM-Metals-Konzern. Diese Nachricht wurde am Freitag bekannt. Die Spanier und Lindsay Goldberg Vogel einigten sich über einen Kaufvertrag mit einem Volumen von 532 Millionen Euro. Acerinox wird 310 Millionen Euro zahlen und Schulden in Höhe von 57 Millionen Euro sowie Pensionspläne und sonstige Verbindlichkeiten über 165 Millionen Euro übernehmen. Acerinox nutzt die vorhandenen Finanzierungslinien für diese Akquisition. 

Eine "großartige Gelegenheit" zu expandieren

„VDM Metals ist für Acerinox eine großartige Gelegenheit, in neue Märkte und wachsende Sektoren wie Luft- und Raumfahrt, chemische Industrie, medizinische Industrie, Öl und Gas sowie erneuerbare Energien, Wasseraufbereitung und Emissionskontrolle zu expandieren“, heißt es in der Pressemitteilung des spanischen Unternehmens. 

Mit dem Geschäft hofft Acerinox „wertvolle Synergieeffekte“ erzielen zu können und möchte den Umsatz um bis zu 20 Prozent steigern. Ob zu diesen Synergieeffekten auch der Wegfall von Arbeitsplätzen beim VDM-Konzern mit seinen rund 1900 Mitarbeitern zählen könnte, blieb zunächst offen. 

"Wachstumsplattform mit soliden Margen"

„VDM Metals ist die perfekte Wachstumsplattform für Acerinox mit soliden Margen und ergänzenden Produkten und Dienstleistungen“, sagte Acerinox-Geschäftsführer Bernardo Velazquez. 

Niclas Müller, Vorstand des weltweit operierenden VDM-Konzerns, der in Werdohl der größte Arbeitgeber ist, kommentierte den Deal ebenfalls positiv. „Wir freuen uns, Teil der Acerinox-Gruppe zu werden, die die Gelegenheit bietet, unser Geschäft zu stärken und auszubauen.“ 

Verkauf soll nächster Entwicklungsschritt werden

Lindsay Goldberg Vogel kommentierte den Verkauf mit den Worten, dass Acerinox VDM den nächsten Entwicklungsschritt ermöglichen und den Prozess der Internationalisierung voranbringen werde. 

Ein Blink in die neue Blankglühanlage.

Der Vertragsabschluss steht allerdings unter dem Vorbehalt der Zustimmung der europäischen und US-amerikanischen Kartellbehörden und wird voraussichtlich Ende des ersten Quartals 2020 erfolgen. Bis zum endgültigen Abschluss werden Acerinox und VDM Metals als unabhängige Unternehmen operieren. Die genauen Planungen, wie es mit VDM weitergeht, sollen den Mitarbeitern in Kürze vorgestellt werden. 

Deal mit Aperam war Ende 2018 geplatzt

Ende vergangenen Jahres war die geplante Übernahme des VDM-Konzerns durch das Luxemburger Unternehmen Aperam geplatzt, weil die Europäische Kommission überraschend Bedenken angemeldet hatte. Eventuell würde der Wettbewerb auf dem Markt für Nickellegierungen durch den Zusammenschluss eingeschränkt, hieß es von der Kommission. Der Unternehmenswert war damals auf 596 Millionen Euro taxiert worden. 

Nachdem die als absolut unerschrocken geltende Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erklärt hatte, persönlich „eine eingehende Prüfung“ vornehmen zu wollen, machte Aperam einen Rückzieher. Damit musste durch die Kommission die Prüfung, die bis April 2019 dauern sollte, nicht mehr weiter verfolgt werden. 

21 Millionen Euro in Werdohler Werk investiert

VDM stellt Nickel und Nickellegierungen, Kobalt, Zirkonium und Spezial-Edelstahl sowie Halbfertigerzeugnisse aus Aluminium und Kupfer her. Unter Federführung von Lindsay Goldberg investierte VDM in Werdohl zuletzt rund 21 Millionen Euro in eine neue und in dieser Form weltweit einzigartige Blankglühanlage, die nach einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren im Sommer in Betrieb genommen wurde. 

Die neue Glühlinie soll dem Konzern vielfältige neue Möglichkeiten eröffnen, das Produktportfolio kann erweitert werden. In der Endlosbandproduktion werden extrem korrosions- und hitzebeständige Werkstoffe für die Weiterverarbeitung in der Elektroindustrie gefertigt, beispielsweise für die Herstellung von Cerankochfeldern. Abnehmer hat VDM aber auch in der chemischen und petrochemischen Industrie oder in der Automobilindustrie.

Acerinox SA ist ein weltweit führender Hersteller von rostfreiem Stahl mit Sitz in Spanien und einer Schmelzleistung von 3,5 Millionen Tonnen. Das Produktionsnetzwerk besteht aus sechs Fabrikenin Europa, Amerika, Afrika und Asien. Die Produktverkäufe mit mehr als 11 000 möglichen Kombinationen werden über ein weitreichendes Vertriebsnetz mit Verkäufen in 86 Länder abgewickelt. Acerinox ist an der spanischen Börse notiert und Mitglied des Ibex 35 mit einer Marktkapitalisierung von etwa 2,1 Milliarden Euro. Der VDM-Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2018/19 ein Umsatzvolumen von gut 1,1 Milliarden Euro und verkaufte 43 000 Tonnen an Halbfertigerzeugnissen und Metallen.

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