Kurzer Warnstreik bei VDM Metals in Werdohl

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Gewerkschaftssekretärin Dinah Trompeter ist seit vergangenem Sommer wieder zurück bei der IG Metall. Sie ist Betriebsbetreuerin für VDM Metals und sprach gestern zu den Beschäftigten im Warnstreik.

Werdohl -  Eine wirklich machtvolle Demonstration sieht schon etwas anders aus, das musste sich auch VDM-Betriebsratsvorsitzender Volkmar Schmidt eingestehen. 500 Flyer seien verteilt worden, und vielleicht 100 oder 120 Mitarbeiter der Frühschicht waren am Mittwochmorgen im Rahmen der Pause für einen etwa 20-minütigen Warnstreik auf den Werkshof an der Plettenberger Straße gekommen.

„Bück Dich hoch“ von Deichkind und „Tage wie diese“ von den Toten Hosen sollten die Stimmung anheben an diesem Morgen, der mit Kälte und Nieselregen nicht so sehr streikfreundlich daher kam. Von den von der Gewerkschaft angekündigten Verkehrsbeeinträchtigungen auf der Bundesstraße war nichts zu bemerken, die beiden Polizisten konnten in dieser Hinsicht die Hände in den Taschen lassen.

Zur Pausenzeit tröpfelte dann die Frühschicht auf den Platz, die Mehrzahl Männer in orange-blauer Arbeitskleidung. Gewerkschaftssekretäre rüsteten die Warnstreikenden mit Fahnen, Weckern, Trillerpfeifen und Schildern aus.

Regelmäßige Streiks bei VDM

Bei VDM werde regelmäßig gestreikt, so Sekretär Torsten Kasubke auf Nachfrage. Der Organisationsgrad sei sehr hoch, das Werk habe viele Mitarbeiter und sei zentral gelegen. Die Mitbestimmungskultur bei VDM sei sehr ausgeprägt, die Streikbereitschaft gut. Außerdem haben VDM großen Einfluss im Arbeitgeberverband, dorthin wolle die Gewerkschaft Signale senden.

Die VDM-Beschäftigten forderten sechs Prozent mehr Lohn und bessere Arbeitszeitbedingungen.

Bei Georg Fischer in Werdohl dürfe man nicht streiken, das Unternehmen sei nicht in der Tarifbindung. Die Vossloh AG könne theoretisch bestreikt werden und sei auch tarifgebunden, aber es gebe juristische Gründe dagegen. Uniwheels in Dresel könnte vielleicht das nächste Ziel eines Warnstreiks in Werdohl werden.

Enttäuschter Betriebsrat

Zur Begrüßung sprach Betriebsratsvorsitzender Volkmar Schmidt. Er war enttäuscht über die Zahl derer, die vor ihm standen: „Das hätten mehr sein können.“ Wie immer stünden die Mitarbeiter der Verwaltung im Warmen hinter den Fenstern. Den Unternehmen gehe es gut, so Schmidt: „Wir wollen auch etwas vom Kuchen.“

Torsten Kasubke kommt deutlich aggressiver daher: Das Angebot von zwei Prozent der Arbeitgeber sei „echt ätzend“. Kasubke animiert die VDM-Beschäftigten zum „Buuh“- und „Pfui“-Rufen. „Die wollen unsere Zuschläge für die Schichten streichen, das wollen sie uns wegnehmen, das lassen wir uns nicht gefallen.“ Die IG Metall fordere sechs Prozent mehr Lohn. Kasubke brüllt ins Mikrofon: „Der Reichelt, Euer Personalmensch, der soll bei den Arbeitgebern anrufen und sagen, dass es nicht reicht.“

Wichtige Arbeitszeitverkürzung

„Mensch sein, mehr Zeit für uns“ ist das zweite Warnstreik-Thema. Gewerkschaftssekretärin und Betriebsbetreuerin Dinah Trompeter setzte weniger auf Kraftmeierei denn auf Argumente. Die Metall- und Elektroindustrie mache sich sehr attraktiv, wenn die von der Gewerkschaft geforderte Arbeitszeitregelung angenommen würde. „Fachkräftemangel ist da kein Grund“, so Trompeter. Gerade als Frau halte sie die geforderte Arbeitszeitverkürzung für zwei Jahre auf 28 Stunden bei teilweisem Lohnausgleich für besonders wichtig.

Nach ein paar Sprechchören „Mein Leben, meine Zeit, wir sind bereit“ kehrten die Warnstreiker wieder in den Betrieb zurück.

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