Heinrichs kommt gut an

Kathrin Heinrichs wechselte zwischen Lesung und Kabarett.

Werdohl - Wirklich erstaunlich, was man im Sauerland entdecken kann, wenn man seinem Umfeld mit offenen Augen und Ohren begegnet. Kathrin Heinrichs, erfolgreiche Autorin und Kabarettistin, ist so ein Mensch, der Dinge aufschnappt, die anderen als alltäglich und belanglos vorkommen. Aber genau das sind die Dinge, die den Sauerländer ausmachen und über die er sich so herrlich amüsieren kann, wenn man ihm den Spiegel vorhält.

Restlos ausverkauft, seit Wochen – die Lesung mit der in Menden lebenden und in Langenholthausen aufgewachsenen Kathrin Heinrichs sprach nicht nur eingefleischte Fans an. Auf ihre Frage zu Beginn des Programms, wie viele sie zum ersten Mal live sehen würden, gingen doch etliche Hände in die Höhe. „Wo waren sie die ganze Zeit“, warf sie den Aufzeigenden entgegen und stieg übergangslos ins Programm ein.

Mal etwas Allgemeines zum Beginn: Warum stehen Bücher zu Frauenthemen direkt neben denen des Horror-Genres? „Alles rein alphabetisch sortiert“, erklärte die Bücherei-Leiterin Klaudia Zubkowski und erntete dafür die ersten Lacher der 100 glücklichen Besucher, die im Vorverkauf eine Karte ergattert hatten. Die Suche nach ihren eigenen Werken habe sich in der Werdohler Stadtbücherei als schwierig erwiesen. „Die werden wohl alle ausgeliehen sein“, witzelte Heinrichs, gab aber zu, dass sie doch noch Exemplare in den untersten Regalreihen gefunden habe – mag wohl an ihren „tief“ im Sauerland verwurzelten Genen liegen.

Kaum hatte sie das Eis gebrochen, las sie ein paar Kostproben aus ihren Werken – zum Beispiel aus „Heimat-rausch“ oder „Um die Ecke gebracht“. Der Sauerländer kennt sich in seiner Region aus so wie das Publikum in der Stadtbücherei. Sanssouci sei nicht französisch und habe auch nichts mit der weltberühmten Schlossanlage in Potsdam zu tun, klärte Heinrichs in ihrem Buch auf. Das Sanssouci im schönen Hönnetal spreche der Sauerländer auch eher wie Sankt Susi aus, trug Heinrichs vor und berichtete dann, was eine illustre Senioren-WG in dem bekannten Fachwerk-Gebäude an der unfallträchtigen Kurve so alles erlebt.

Zwischen ihren Leseproben schlüpfte die Schriftstellerin in ihre Rolle als Kabarettistin und klärte unter anderem auf, wie der Sauerländer zum Skifahren steht, wie es ist, in einer Großfamilie in Langenholthausen aufzuwachsen und was kaltes Wasser mit Kinderreichtum zu tun hat. Als Heinrichs begann von Zugbindungen zu berichten, die auf bemalt wirkenden Dachlatten montiert waren, da fühlte sich offensichtlich der eine oder andere im Publikum an seine ersten Wintersport-Gehversuche erinnert. Gut, Heinrichs gab an, mangels adäquaten Skischuh-Materials auf Gummistiefeln die ersten Erfahrungen auf „Brettern“ gemacht zu haben.

Eine Anekdote, die nur schwer zu toppen ist. Aber Heinrichs machte weiter und sorgte für einen ebenso amüsanten wie kurzweiligen Abend – mit reichlich Lokalkolorit.

Von Markus Jentzsch

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