Meinung machen auf den Märkten

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Die Werdohler Metall-Senioren führten gestern ihren nagelneuen roten Infobus auf dem Wochenmarkt vor. ▪

WERDOHL ▪ Knallrot steht er da auf dem Markt, mit großen Aufklebern der IG Metall Märkischer Kreis und mit Frankfurter Kennzeichen „F-IG 160“ – der flammneue Infobus der Metall-Senioren auf der Lenneschiene.

In Lüdenscheid und Iserlohn unterhält die Industriegewerkschaft Metall eigene Büros, in die Städte an der Lenne und nach Menden kommt der rote Infobus.

Gesteuert und begleitet wird er von rüstigen Rentnern, die mit viel Engagement ihre Sache auf die Straße bringen. Gerade in Werdohl sind die „IG-Metall-Senioren auf der Lenneschiene“ – so nennen sie sich – besonders stark vertreten. Hier gab es früher jede Menge Industriearbeitsplätze bei großen Konzernen, und heute eben jede Menge Rentner. Die jetzt bei der IG Metall Aktiven waren früher Betriebsratsmitglieder oder Vertrauensmänner, mittlerweile setzen sie sich für ihre gewerkschaftlichen Anliegen auf den Wochenmärkten ein.

Der alte Bus, ein Ford, wurde vor zwölf Jahren noch unter der Ägide des mittlerweile verstorbenen Gewerkschaftssekretärs Peter Kürschner aus Altena angeschafft. Der neue Wagen, ein Opel Vivano, ist wieder aus Mitgliedsbeiträgen der Gewerkschafter finanziert worden. Der Sitz der IGM liegt in Frankfurt, deshalb ist das Fahrzeug dort angemeldet.

Der erste Bevollmächtigte Bernd Schildknecht aus Lüdenscheid war gestern auf den Werdohler Wochenmarkt gekommen, um bei der Premiere des Fahrzeugs dabei zu sein. Die Senioren auf der Lenneschiene leisteten „außerbetriebliche Gewerkschaftsarbeit“, so Schildknecht. Auf der Straße, auf den Märkten, da werde geschimpft und debattiert über die Politik, deshalb müssten auch die Gewerkschafter bei den Menschen sein. „Wir müssen informieren“, meint auch Wolfgang Becker, früher Betriebsrat bei Brüninghaus. „Um Demokratie muss man sich kümmern“, sagt Bernd Schildknecht, und, ganz alliterarisch: „Meinung machen auf den Märkten!“

Nächste Woche wird beschlossen, die beiden Verwaltungsstellen der IG Metall Werdohl/Lüdenscheid und Iserlohn zu fusionieren. Ab dem kommenden Jahr wird die IG Metall im ganzen Märkischen Kreis eine Einheit sein, deshalb ist das Infomobil jetzt schon mit dem zukünftigen Namen geschmückt. Die IG Metall hat 23 000 Mitglieder im Märkischen Kreis und betreut 270 Betriebe. Es gibt 1800 Betriebsratsmitglieder, davon seien etwa 80 bis 85 Prozent in der Gewerkschaft organisiert.

Nach der Fusion, so Schildknecht, gehöre die neue Verwaltungsstelle MK zu den sechs größten in Nordrhein-Westfalen. Beide Büros sollen bestehen bleiben, Sitz der Gewerkschaft wird Lüdenscheid –  in der Fläche tatkräftig unterstützt von den nach wie vor kampfbereiten Senior-Metallern auf der Lenneschiene.

Volker Heyn

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