Feuerwehr zufrieden

Mit mehr als zwei Jahren Verspätung: Brandschutzbedarfsplan endlich fertig

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Vor dem Feuerwehrgerätehaus der Löschgruppe Brüninghaus parkt Löschfahrzeug „Hans“, ein Oldtimer von 1984 für Schulungszwecke der Jugendfeuerwehr. Der Brandschutzbedarfsplan sieht den Bau eines neuen Gerätehauses auf der Königsburg ebenso vor wie zahlreiche Neuanschaffungen im Fuhrpark.

Werdohl – Zwei Jahre und drei Monate ist er überfällig gewesen: Kommenden Montag verabschiedet der Rat den Brandschutzbedarfsplan für die nächsten fünf Jahre.

Im Kern bedeutet diese Planung eine erneute Ausnahme von der Pflicht, eine Berufsfeuerwehr samt Wache in Werdohl zu betreiben. Wehrleiter Kai Tebrün, der für die Stadt eng in die Entwicklung dieses Plans eingebunden war, ist damit stellvertretend für alle Freiwilligen zufrieden. Alle Wünsche und Anforderungen hinsichtlich des Brandschutzes seien erfüllt worden. 

Die Verabschiedung der Bedarfsplanung am Montag ist der Startschuss für den Bau von gleich drei neuen Feuerwehrgerätehäusern. Die Gebäude der Einheiten in der Stadtmitte, auf der Königsburg und in Kleinhammer entsprechen in keiner Weise mehr den Anforderungen an eine moderne Feuerwehr. 

Der Brandschutzbedarfsplan wurde von Wehrleiter Tebrün nur begleitet, aufgestellt hatte ihn sein Vorgänger Manfred Theile. Er bekam für seine Arbeit im Ruhestand eine Aufwandsentschädigung. Theile habe die entsprechende Fachkompetenz, hieß es im Rathaus. 

Neubau Grasacker 

Der Neubau des Gerätehauses am Grasacker soll die Probleme lösen, die sich derzeit an dem bisherigen Gerätehausstandort des Löschzugs 1 an der Neustadtstraße ergeben. Die Erreichbarkeit für die Mitglieder des Löschzugs Stadtmitte stelle sich positiv dar, das neue Gerätehaus befände sich an zentrale Stelle im Stadtgebiet; der Wachbezirk werde innerhalb der Hilfsfristen erreicht. 

Bis Mitte vergangenen Jahres gingen Politik und Verwaltung davon aus, am Grasacker für die Löschgruppe Brüninghaus und für den Löschzug Stadtmitte eine gemeinsame neue Bleibe zu schaffen. Nach immerhin schon eineinhalb Jahren Planung war diese Idee von der Feuerwehr über den Haufen geworfen worden. Hilfsfristen seien nicht einzuhalten, weil die Freiwilligen erst durch die halbe Stadt bis zum Grasacker zu ihrem Einsatzfahrzeug fahren müssten, um dann wieder zu einem Einsatz in Wohnortnähe mit dem Feuerwehrauto auszurücken. 

Außerdem sei das Grundstück am Grasacker begrenzt. Wehrleiter Tebrün: „Ich bin kein Fachplaner. Aber ich gehe davon aus, dass am Grasacker räumlich nur Platz für eine Einheit ist.“ Schließlich brauche man auch Parkplätze für die Autos der Freiwilligen. 

Fünf Millionen Euro 

Das Planverfahren für den Neubau Grasacker beginnt im nächsten Jahr, Baubeginn soll 2021 sein. Hierfür sind 800 000 Euro für Planungsleistungen einschließlich Baugrunduntersuchungen in den Haushalt 2020 eingestellt. Für den Bau sind fünf Millionen Euro veranschlagt. 

Altes Hallenbad 

Im Brandschutzbedarfsplan sind zwei Optionen für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses auf der Königsburg dargestellt: Am Wendehammer der Brüninghausstraße hat die Stadt ein Grundstück, die andere Möglichkeit ist das Grundstück des alten Hallenbades an der Carl-Diem-Straße. Für beide Standorte sind Verfügbarkeitszeiten dargestellt. Auch hier gibt es einen Zeit- und Kostenplan: Das Planverfahren soll in 2021 beginnen. Hierfür sind 500 000 Euro für Planungsleistungen inklusive Baugrunduntersuchungen in 2021 und 2,5 Millionen Euro für die Bauausführung in 2022 veranschlagt. 

Kleinhammer 

Für die neue Unterbringung der Kameraden in Kleinhammer gibt es nicht viel konkretes. Das Planverfahren für den Löschzug Kleinhammer soll in 2022 beginnen. Kosten sind nicht kalkuliert, auch auf den möglichen Standort gibt es keine Hinweise. 

Kritischer Tiefpunkt 

Der Personalbestand habe einen „kritischen Tiefpunkt“ erreicht, schreibt Wehrleiter Tebrün. In den kommenden fünf Jahren seien zusätzliche Rekrutierungsmaßnahmen in den Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr zwingend notwendig. Der Jugendfeuerwehr komme eine zentrale Bedeutung bei der Nachwuchsgewinnung zu. Die Belange der Jugendfeuerwehr sollten daher bei allen Entscheidungsträgern eine sehr hohe Priorität besitzen. 

Kinderfeuerwehr 

Die Gründung einer Kinderfeuerwehr wird angestrebt. Die Kindergruppe sollte als eine eigenständige Abteilung in der Feuerwehr außerhalb der Jugendfeuerwehr gebildet werden. Die verantwortliche Leitung sollte möglichst nicht durch den Jugendfeuerwehrwart übernommen werden, damit eine Überbelastung von vornherein ausgeschlossen wird. 

Hilfsfristen 

Bei zeitkritischen Einsätzen, wie zum Beispiel einem Wohnungsbrand im ersten Obergeschoss, soll die erste Einheit mit einer Stärke von neun Einsatzkräften tagsüber werktags innerhalb von acht Minuten nach der Alarmierung durch die Leitstelle am Einsatzort eintreffen. Dieses Ziel soll in 90 Prozent der Fälle erreicht werden. Eine weitere Einheit mit einer Einsatzstärke von sieben Einsatzkräften soll innerhalb der folgenden fünf Minuten, also 13 Minuten nach der Alarmierung, eintreffen. Dieses Ziel soll in mindestens 90 Prozent der Fälle erreicht werden. Diese Zeiten werden nur in Dresel, Elverlingsen, teilweise Kettling, teilweise Pungelscheid und bei den Bauernschaften am Höhenweg nicht erreicht. 

Bei der Betrachtung des tatsächlichen Erreichungsgrades – insbesondere werktags tagsüber – zeigen sich für den Bereich des ersten Abmarsches von neun Einsatzkräfte in acht Minuten Defizite. Eine wirksame Maßnahme sei die Beibehaltung einer hauptamtlich beschäftigten Einsatzkraft für die Leitung der Freiwilligen Feuerwehr, früher Manfred Theile und heute Kai Tebrün. Für den Bereich des zweiten Abmarsches gelte diese Feststellung nicht. Der Erreichungsgrad wird hier mit zufriedenstellend bezeichnet. 

104 aktive Kräfte 

Für die Feuerwehr wird eine personelle Mindestausstattung einschließlich der notwendigen Qualifikation festgeschrieben. Die Mindesteinsatzstärke von 34 Einsatzkräften zuzüglich einer 200-prozentigen Personalreserve ergibt eine Personalausstattung von insgesamt mindestens 102 aktiven Einsatzkräften. Laut der Zahlen aus dem Brandschutzbedarfsplan hat die Wehr einschließlich Wehrleiter 104 aktive Mitglieder und vier so genannte Gastlöscher anderer Wehren. Diese Gastlöscher stehen während ihrer beruflichen Tätigkeit in Werdohl für Einsätze zur Verfügung. 

Fahrzeugflotte 

Mit der Ausstattung der Feuerwehr-Flotte ist Tebrün zufrieden: Die Bereitstellung eines zeitgemäßen und schlagkräftigen Fuhrparks durch die Stadt sei nach der Erstellung des ersten Brandschutzbedarfsplanes bis zum heutigen Tage stets erfüllt worden und sei „positiv zu bewerten“. Die Liste der Neuanschaffungen ist lang und teuer: Autos im Wert von 2,8 Millionen Euro sollen in den fünf Jahren angeschafft werden. Allein die Drehleiter wird 700 000 Euro kosten, sie soll in 2023 beschafft werden. Alle Fahrzeuge sollen durch Leasing finanziert werden.

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