Kögel zeigt Pandemie-Kunst

Werdohl – Mehr als 50 Teilnehmer kamen am Samstag zur „Pandemie“-Vernissage der Werdohler Künstlerin Annette Kögel.

Die enorme Resonanz verdeutlicht, dass etwas Besonderes stattgefunden hat. Nur wenige Ausstellungseröffnungen werden wohl in Form eines Stadtrundganges angelegt sein. Und Bilderschauen orientieren sich vermutlich auch selten so dicht an der Lebenswirklichkeit der Besucher. 

Von Mitte März bis Mitte Mai habe sie ein Pandemie-Tagebuch geführt, berichtete Kögel den Gästen. Dabei habe es sich um ein altes Buch mit den Werken von Wilhelm Busch gehandelt, welche sie übermalt habe. „Ich habe den Busch mundtot gemacht“, sagte die Künstlerin. Nachrichten aus der Zeitung, Gespräche, Ängste, Sorgen und Textnachrichten habe sie so tagesaktuell für sich verarbeitet – noch ohne zu wissen, dass sich daraus einmal eine gesonderte Ausstellung entwickeln würde. Dann aber reifte in ihr die Idee, die Corona-Zeit – komprimiert in den 24 Stunden eines Tages – darzustellen. 

So entstanden 23 Gemälde, die größtenteils selbsterklärend sind; etwa wenn ein Meer zu sehen ist – ohne Land in Sicht – und der Titel „Urlaub in weiter Ferne“ lautet. Andere Werke hat Kögel „Nachricht für mich“ oder „Nicht schwarzsehen“ benannt. Jede der bemalten Planen hat die Abmessung 1,20 Meter mal 90 Zentimeter und ist auf der Rückseite zweisprachig beschriftet. Dafür habe Kögel Hilfe in Anspruch genommen. „Für den chinesischen Text bin ich einfach ins Restaurant Jade gegangen und habe mir das übersetzen lassen. Das Tschechische kommt beispielsweise von Eva Oßenberg“, erläuterte die Künstlerin. 

Zwar begleitet jedes Motiv dieser Ausstellung eine digitale Uhrzeit, doch chronologisch entstanden seien sie keineswegs. Derweil kam die kleine Wandergruppe zu einem weiteren Ausstellungsteil. Zu sehen war ein Bild von Zäunen, die aus einem strahlend blauen Nebel ragen. „’Geschützt und eingesperrt’ heißt das hier“, erklärte Kögel, „denn man kann ja alle Dinge von zwei Seiten aus betrachten.“ Eine Besucherin der Ausstellungseröffnung schilderte ihren Eindruck, dass der Zaun nicht im Nebel, sondern in einem Gewässer versinke. 

Bürgermeisterin Silvia Voßloh lobte passend dazu, „dass die Betrachter der Bilder ganz unterschiedliche Interpretationen finden“. Eine Besucherin der Vernissage hingegen staunte derweil über „die tollen Farben“. In Kombination mit den bereits vorhandenen Kunstwerken sei die Lennepromenade nun „eine künstlerische Meile“, urteilte Voßloh. Sie lobte „die Tiefe der Bilder“ und betonte, dass die Werke täglich um 17 Uhr abgenommen würden, „denn wir leben ja nicht in Zeiten, in denen wir sagen könne, wir lassen das jetzt mal ein paar Wochen unbeobachtet so hängen“.

Wer sich eine Führung entlang der Kunstwerke wünscht, kann sich telefonisch mit Annette Kögel in Verbindung setzen:
01 72 / 5 64 99 54 

Rubriklistenbild: © Koll

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare