„So eine große Gruppe hatten wir noch nie“

Traditionell führte die erste Station auf den Hof „Fischers Verse“ der Familie Klusemann. Dort gab es für alle Sänger nach dem absolvierten Auftritt erstmal einen Schnaps.

Werdohl - „So eine große Gruppe hatten wir noch nie“: Manfred Kehr staunte nicht schlecht, als sich die Neujahrssänger am letzten Tag des Jahres auf dem Schießstand der 4. Kompanie des Versetaler Schützenvereins in Bärenstein einfanden; mehr als 30 Teilnehmer waren gekommen, um die Tradition im 137. Jahr weiterzuführen.

„Ich bin sehr stolz, dass viel mehr Teilnehmer gekommen sind, als im vergangenen Jahr. Unser Aufruf hat etwas gebracht und auch jüngere Leute dazu motiviert, sich an der Pflege unseres Brauchtums zu beteiligen“, so Manfred Kehr. Die Geschichte der mehr als 100-jährigen Tradition hat Hans Friedrich Graumann zusammengetragen, der an der 137. Auflage des Neujahrssingens aber nicht teilnehmen konnte. Dass den Bewohnern in Rotenhohl, Bärenstein und in der Borbecke ein Ständchen gesungen wird, geht auf eine Tradition zurück, die an vielen Orten des Sauerlands praktiziert wird. Zunächst blieb es den Junggesellen vorbehalten, auf das neue Jahr mit einem Lied einzustimmen. Später durften dann auch die verheirateten Männer mitmachen.

Im Versetal stand die Fortführung des Brauchtums für eine kurze Zeit auf der Kippe. Manfred Kehr berichtete, dass sich in der Silvesternacht des Jahres 1963 nur noch Udo Grewe als weiterer Teilnehmer zum Neujahrssingen eingefunden habe. Um das drohende Ende der Tradition abzuwenden, habe der damalige Betreiber der Gaststätte Bärenstein, der zudem auch Sänger im ehemaligen Gesangsverein „Westfalia Bärenstein 1896“ war, die Mitglieder des Chores dazu aufgerufen, das Neujahrssingen nachzuholen. Seit dieser Zeit findet der Termin immer am Nachmittag statt, „so dass auch alle Teilnehmer pünktlich zu Hause sind und selbst an einer Feier teilnehmen können“, berichtete Manfred Kehr. Die erste Station führte die Sänger auf den Hof der Familie Klusemann. In der Tenne diente der mehr als vier Meter hohe Weihnachtsbaum der Familie als eindrucksvoller Hintergrund für die Neujahrssänger. Im nächsten Jahr wird das historische Fachwerkhaus 250 Jahre alt. Ein Grund mehr, um wiederzukommen.

Von Jari Wieschmann

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