Maßnahmen sollen schnell beginnen

Mehr Leben in die Innenstadt: Mit diesen Förder-Werkzeugen will Werdohl ansetzen

Ein pulsierende Innenstadt sieht anders aus. Damit auf der Freiheitstraße wieder mehr Leben herrscht, will die Stadt Werdohl die Möglichkeiten von drei Förderprogrammen nutzen.
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Ein pulsierende Innenstadt sieht anders aus. Damit auf der Freiheitstraße wieder mehr Leben herrscht, will die Stadt Werdohl die Möglichkeiten von drei Förderprogrammen nutzen.

Wer derzeit den Blick über den Brüninghaus-Platz und die Freiheitstraße schweifen lässt, sieht eine weitgehend ausgestorbene Innenstadt. Natürlich, wegen der Einschränkungen in der Corona-Pandemie darf ja auch kaum ein Einzelhandelsgeschäft öffnen.

Aber auch unabhängig vom Virus-Lockdown wäre es maßlos übertrieben, von einer quirligen Werdohler Innenstadt zu sprechen. Das soll sich ändern.

Mit drei „Werkzeugen“ will die Stadt Werdohl für eine Revitalisierung der Innenstadt sorgen, die nicht zuletzt durch die Schließung des WK Warenhauses vor fast einem Jahr und durch die daran anschließende Aufgabe weiterer Geschäfte gelitten hat. In der Sitzung des Rates haben Fachbereichsleiter Thomas Schroeder und Wirtschaftsförderer Andreas Haubrichs am Montagabend skizziert, von welchen Maßnahmen und Projekten sie sich Erfolg versprechen.

„Masterplan 2040“: Werdohl wappnet sich für die nächsten Jahre

Da ist zum einen der „Masterplan 2040“, in dem definiert werden soll, wie sich die Stadt an Lenne und Verse für die nächsten 20 Jahre – also bis etwa zum Jahr 2040 – wappnen soll. In vielen Gesprächen und Umfragen hat ein Kölner Stadtplanungsbüro seit nunmehr gut einem Jahr versucht, herauszufinden, wo die Stärken und die Schwächen Werdohls liegen, was sich Bevölkerung und Wirtschaft für die Stadt wünschen. Außerdem wurden die Ansätze früherer Konzepte zusammengeführt. Daraus sollen nun eine Leitlinie und ein Handlungsrahmen entstehen, nach denen die Stadt – und auch die Innenstadt – weiterentwickelt werden soll.

Die Entwicklung dieses Masterplans, der eine Basis für zukünftige Projekte, aber auch für die Erlangung von Fördermitteln bilden soll, ist nach Worten des zuständigen Fachbereichsleiters Thomas Schroeder vor dem Abschluss. Bis zur Sitzung des Ausschusses für Umwelt- und Stadtentwicklung im Mai solle das Konzept fertig sein, sagte er am Montag. Für eine vertiefende Planung und Umsetzung von Maßnahmenvorschlägen stehen für dieses Jahr bereits 50 000 Euro im Haushaltsplan der Stadt.

Hoffnungen ruhen auf Cirylab Südwestfalen

Einiges verspricht sich die Stadt Werdohl auch vom Citylab Südwestfalen, dessen Ziel es ist, die Attraktivität und die Aufenthaltsqualität für Einwohner, Besucher, Touristen und zuzugswillige Fachkräfte in den Innenstädten der Region zu steigern. Auch im Rahmen dieses von der EU geförderten Projektes der Industrie- und Handelskammer Arnsberg Hellweg-Sauerland wurden die Stärken und Schwächen Werdohls analysiert. Das ebenso ernüchternde wie herausfordernde Ergebnis einer im Mai 2020 durchgeführten Umfrage zu 22 Schlüsselfaktoren: Hinsichtlich seiner Gesamtattraktivität liegt Werdohl in der Auswertung von 25 kleinen Städten auf dem 22. Rang.

Nun hat sich Werdohl darum beworben, eine von zwei Modellkommunen des Citylabs zu werden. Werdohl möchte das Projekt „Digital-automatisierte Pop-up-Räume“ umsetzen. Wirtschaftsförderer Haubrichs erläuterte dem Rat, worum es dabei geht: „Durch die Nutzung digitaler Technologien soll es ermöglicht werden, dass die leerstehende Räume möglichst flexibel kurzfristig von verschiedenen Personen genutzt und vermietet werden – und dies möglichst automatisiert und kontaktlos.“ Ein Konzept für solche Zwischenlösungen für vakante Räume solle mit zukünftigen Nutzern, vor allem jungen Erwachsenen, ausgearbeitet werden.

Entscheidung soll bis Ende März fallen

Die Entscheidung, ob Werdohl Modellkommune wird, falle bis Ende März, berichtete Haubrichs. Umgesetzt werden soll das auf 18 Monate angelegte Projekt dann möglichst bereits ab April.

Und dann gibt es da noch das Sofortprogramm Innenstadt des NRW-Heimatministeriums, aus dem Werdohl rund 570 000 Euro erhalten wird. Mit diesem Geld steht nach Darstellung von Fachbereichsleiter Schroeder und Wirtschaftsförderer Haubrichs ein Fonds zur Verfügung, aus dem leerstehende Ladenlokale angemietet werden können, um sie dann zu sehr günstigen Konditionen an Dritte weiterzuvermieten. Dahinter steckt die Idee, Selbstständigen die Eröffnung eines Ladenlokals in der Innenstadt – genauer: im Bereich der Freiheitstraße, der Neustadtstraße und des Bahnhofsviertels – schmackhaft zu machen.

„Kümmerer“ soll ein Netzwerk schaffen

Außerdem soll mit den Mitteln aus dem Förderprogramm ein Zentrenmanagement aufgebaut werden. Darunter ist die Schaffung eines Netzwerks zwischen Stadt, Eigentümern und Mietern zu verstehen, in dem ein zentraler Ansprechpartner – Thomas Schroeder spricht gerne von einem „Kümmerer“ – die Maßnahmen aus dem Anmietungsfonds und Marketingmaßnahmen umsetzt.

Die Anwendung dieser drei „Werkzeuge“ möcht die Stadt nicht mehr auf die lange Bank schieben. „Das Geld soll so schnell wie möglich unters Volk gebracht werden“, sagte Thomas Schroeder beispielsweise über die Mittel aus dem Sofortprogramm Innenstadt. Die Stelle des Zentrenmanagers, für die für einen Zeitraum von drei Jahren 100 000 Euro zur verfügung stehen, solle deshalb „so schnell wie möglich“ besetzt werden. Auch die leerstehenden Ladenlokale in der Innenstadt sollten schnellstens angemietet werden.

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