Mehr als Hosen, T-Shirts, Pullover und Schuhe

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Die beiden Mitarbeiterinnen der Kleiderkammer von Caritas und Maltesern Monika Sandt und Jaen Rützler sind über Kleiderspenden immer dankbar. ▪

WERDOHL ▪ Monika Sandt stopft das Kopfkissen in die Tüte vom Discounter. Eine Tafel Schokolade verstaut sie noch in der Tasche. „Ist ja bald Weihnachten“, sagt sie zu ihrer Kundin, die vor der Theke in der gemeinsamen Kleiderkammer von Maltesern und Caritas in der Schnurrestraße die Ware in Empfang nimmt. Dann wendet sich Monika Sandt der kleinen Evin zu. Sie hält ein weißes Spielzeughandy mit großen schwarzen Tasten in der Hand. „Was kostet das?“, will das Mädchen wissen. „Das schenke ich Dir“, antwortet Sandt. Die Siebenjährige strahlt über das ganze Gesicht. Ihre großen dunklen Augen glänzen, als sie ihrer Mutter stolz das neue Plastiktelefon zeigt.

Die Siebenjährige ist oft mit ihrer Familie zu Gast bei Monika Sand und ihrem achtköpfigen Team. Zwischen 30 und 40 Kunden besuchen die Kleiderkammer an einem der beiden Öffnungstage im Schnitt. Decken sich für einen kleinen Obolus mit Schuhen, Hosen, Pullis und Jacken ein – und werden die kleinen und großen Sorgen des Alltags los: „Manche Leute sind wirklich froh, wenn sie mal jemanden zum Reden haben. Bei einigen Problemen helfen wir gern weiter“, so Sandt, die die Kleiderkammer seit nunmehr 15 Jahren betreut.

Margret Ormeloh von der Kleiderkammer der Arbeiterwohlfahrt in der Grundschule Kleinhammer weiß ähnliches zu berichten. „Man kommt sich hier manchmal ein wenig so vor wie Mutter Theresa“, sagt die 74-Jährige. „Viele unserer Kunden laden ihre Sorgen und Nöte bei uns ab. Wenn es möglich ist, vermitteln wir gern weitere Ansprechpartner. Manchmal reicht es aber auch einfach, nur zuzuhören“, sagt Ormeloh. Der Wunsch zu helfen und Mitleid mit denen, die es im Leben nicht so gut getroffen haben, treiben Ormeloh und ihr Team an. Außerdem sei es Aufgabe der Awo, für die da zu sein, die Hilfe dringend brauchen.

Vor allem Familien und Alleinstehende, bei denen das Geld knapp sei, kämen fast wöchentlich. „Seit einigen Jahren beobachten wir, dass vermehrt Deutsche unsere Dienste in Anspruch nehmen“, sagt die 74-Jährige. Früher seien es vor allem Migranten gewesen, die regelmäßig kamen. Jeder sei in Kleinhammer willkommen und könne sich bei der Awo von Kopf bis Fuß für etwa zehn Euro einkleiden. Einen Berechtigungsschein müsse niemand vorlegen. Die Einnahmen fließen in die Kasse des Awo-Ortsvereins und kommen wohltätigen Projekten vor Ort zu Gute.

Vor Margret Ormeloh auf dem Tisch türmen sich verschiedenste Kleidungstücke, die nun die strenge Qualitätskontrolle der 74-Jährigen passieren müssen. „Manchmal, wenn wir die Ware während der Öffnungszeiten auf dem Tisch ausbreiten, reißen uns die Kunden die Sachen schon aus der Hand. Doch das haben Ormeloh und ihre Mitarbeiterinnen nicht gern. Denn nur gut erhaltene und saubere Sachen sollen sortiert nach Größen auf den verschiedenen Kleiderständern und Stangen Platz finden. Ormeloh ist dankbar für die vielen Kleiderspenden. Doch manchmal sei sie auch ein wenig verärgert, wenn sie zerschlissene oder fleckige T-Shirts aus den Säcken hervorhole. Manche Leute hätten den Sinn der Kleiderkammer einfach noch nicht verstanden. Davon wissen auch die Mitarbeiterinnen bei der Caritas und den Maltesern zu berichten.

Jetzt vor Weihnachten sei der Andrang besonders groß gewesen. Viele Kunden hätten warme Kleidung und Spielzeug gekauft, um es dann ihren Liebsten unter den Tannenbaum zu legen oder einfach für sich selbst, berichtet Ormeloh. „Eigentlich können wir alles gebrauchen, vor allem Kindersachen. Auch Haushaltsgegenstände und Spielzeug seien bei der Kundschaft aus Werdohl, Plettenberg, Schalksmühle und Altena begehrt.

Das Team in der Schnurrestraße benötigt vor allem warme Jacken. „Tüten können wir ebenfalls gebrauchen“, sagt Sandt.

Dann wendet sie sich Evins Mutter zu. Diese hat in dem Korb auf der Theke noch ein Paar schwarze Wollhandschuhe gefunden, die sie gleich anprobiert. So richtig passen sie der Frau nicht. Aber sie will sie trotzdem haben. Sandt reicht sie Evins Mutter. „Die schenke ich Ihnen“, sagt Sandt, als diese das Portemonnaie zückt. Dankbar nimmt die Mutter des kleinen Mädchens die Fingerhandschuhe entgegen.

Wer wirklich nichts hat, bekommt bei uns auch schon mal was umsonst“, berichtet die Mitarbeiterin der Malteser und reicht auch der kleinen Evin noch eine Tafel Schokolade aus der Schublade über die Theke. „Bis zum nächsten Mal“, verabschiedet sie sich von Mutter und Tochter. - Ute Heinze

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