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Mehr als 10 Millionen Euro Schaden an Werdohler Infrastruktur

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Von: Volker Griese

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Tiefbauamtschef Martin Hempel wirft einen Blick auf die beschädigte Stützmauer an der Verse im Ehrenfeld. Auch sie soll neu errichtet werden.
Tiefbauamtschef Martin Hempel wirft einen Blick auf die beschädigte Stützmauer an der Verse im Ehrenfeld. Auch sie soll neu errichtet werden. © Volker Griese

Vor genau einem Jahr, am 14. Juli 2021, kam die Jahrhundertflut über Werdohl. Vor allem in Dresel und im Versetal richtete der sintflutartige Regen große Schäden an. Ein Blick auf die Folgen nach einem Jahr zeigt: Die Spuren sind noch längst nicht beseitigt. Wahrscheinlich wird es noch Jahre dauern, bis alle Reparaturen erledigt sind.

Werdohl ‒ Die Flut, wie sie das eigentlich hochwassererprobte Werdohl in dieser Form noch nicht erlebt hatte, richtete am 14. und 15. Juli 2021 Zerstörung an privatem Eigentum und in Unternehmen an. Aber auch die kommunale Infrastruktur hat enormen Schaden genommen: Straßen und Wege wurden unterspült, von den Wassermassen mitgerissene Äste und Steine verstopften die Kanalisation, Abwasserrohre wurden abgerissen, städtische Gebäude überflutet. Martin Hempel, Leiter der Abteilung Tiefbau und Bauhof im Rathaus, hat zusammengerechnet: Die Schäden allein an städtischem Eigentum summieren sich auf rund 10,3 Millionen Euro.

Den größten Anteil an dieser Summe machen tatsächlich Schäden an der Infrastruktur aus. Was die Flut an und in städtischen Gebäuden beschädigt hat, hielt sich in Grenzen: Auf 80.000 Euro bezifferte die Stadtverwaltung diese Schäden. Der größte Einzelschaden ist in der Turnhalle Eveking entstanden, wo die Heizung beschädigt wurde und für rund 36.000 Euro ersetzt werden musste. Auch die Heizungsanlage im Gebäude des benachbarten Sportplatzes Altenmühle musste erneuert werden – Kostenpunkt: 32.000 Euro. Was die Schadensregulierung angeht, ist es der Stadt so ergangen, wie wahrscheinlich vielen Geschädigten: Eine Elementarschadenversicherung, die hätte einspringen können, gab es nicht.

Schaden blieb lange unbemerkt

Repariert hat die Stadt auch einen kapitalen Schaden im Versetal: Dort hatte das Hochwasser eine Rohrbrücke, durch die das Abwasser jahrzehntelang über die Verse geleitet worden war, zerstört. Der Schaden war wochenlang unbemerkt geblieben, weil sich die Stelle an einem schlecht einsehbaren Ort befindet. Erst ein Anwohner hatte den Geruch wahrgenommen, der sich aus der Kloake verbreitete, und die Stadt Werdohl informiert. Es dauerte bis Ende 2021, ehe der Schaden, der beim Sondervermögen Abwasser der Stadt Werdohl mit etwa 250.000 Euro zu Buche schlug, behoben war.

Insgesamt, rechnet Martin Hempel zusammen, hat die Stadt bisher rund 500 000 Euro investiert, um Bachverrohrungen und Bachläufe freizuräumen, Kanäle zu spülen oder Wald- und Verbindungswege sowie Straßen wieder nutzbar zu machen. Das sind nicht einmal 5 Prozent der gesamten Schadenssumme, aber der hohe bürokratische Aufwand habe eine schnellere Schadensregulierung verhindert, sagt Hempel und räumt auch ein, dass manche Schäden – beispielsweise an Straßen und Wegen – erst einmal nur provisorisch behoben worden seien.

Fast ein Jahr hat es gedauert, einen Wiederaufbauplan zu erstellen, in dem alle Schäden aufgelistet sind, etwa 70 an der Zahl. „Das war so aufwändig, weil immer wieder neue Schäden hinzukamen und wir den Plan auch noch mehrfach an gestiegene Baukosten anpassen mussten“, erklärt Hempel. Jetzt endlich habe die Bezirksregierung den Plan vorgeprüft und freigegeben, im August könne der Stadtrat das Papier beschließen, das dann zur finalen Genehmigung wieder an die Bezirksregiertung geschickt werden müsse. Am Ende soll die Übernahme sämtlicher Kosten für die Reparatur der städtischen Infratruktur durch das Land stehen

Mit diesem Prozedere erklärt Hempel, dass viele Schäden bisher noch nicht behoben werden konnten. Nur dringend notwendige Reparaturen, solche, wo Gefahr im Verzug war, hätten vorgenommen werden dürfen. „Mit den großen Maßnahmen mussten wir warten, bis das positive Signal aus Arnsberg da war.“

Feuerwehrmann stirbt im Einsatz

Die Hochwasserkatastrophe forderte auch in Werdohl ein Menschenleben: Beim Einsatz in Elverlingsen starb am 14. Juli der 52-jährige Feuerwehrmann Edo Höft. Er war während der kräftezehrenden Arbeiten kollabiert, die Reanimationsmaßnahmen seiner Kameraden blieben erfolglos.

Eine dieser großen Maßnahmen ist die Erneuerung einer Stützmauer am Verseufer. Vor der Firma Keim in Versevörde hat die Flut daran großen Schaden angerichtet. „Die Mauer muss komplett erneuert werden, wir rechnen mit Kosten von ungefähr 500.000 Euro“, sagt Hempel. Er geht davon aus, „dass wir Maßnahmen wie diese jetzt dank des Wiederaufplans nachhaltiger und besser durchführen können“ als es unter normalen Umständen möglich gewesen wäre. „Wir haben die Hoffnung, dass wir es in drei Jahren geschafft haben können“, sagt Hempel. Richtig festlegen möchte er sich aber nicht.

Starkregen-Check und Wiederaufbauhilfe

Denn es gibt noch ein weiteres Problem, das eine schnelle Schadensbehebung schwierig macht: Im Rathaus fehle es an Personal, gibt Hempel zu bedenken. „Uns fehlen Ingenieure“, wird Hempel konkret. Aktuell ist die Stelle eines Bauingenieurs ausgeschrieben, der sich unter anderem um die Abwicklung von Sanierungsarbeiten kümmern soll.

Letztlich geht es auch um die Frage, wie man sich für zukünftige Unwetter wappnen kann. Hempel hat dabei vor allem die vielen Bäche im Blick, durch die vor einem Jahr die Wassermassen in die Täler geschossen sind. Dort gelte es Geröllfänge einzubauen oder viele kleine Bereiche zu schaffen, in denen das Wasser vorübergehend angestaut werden und dann versickern kann.

Auch das Land will helfen, damit sich solche Katastrophen wie die vom 14./15. Juli 2021 nicht wiederholen: Es soll ein „Starkregen-Check“ für alle Städte und Gemeinden entwickelt und angeboten werden, um Schwachstellen im Hinblick auf Starkregenereignisse zu identifizieren und abzustellen, teilte das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung mit. Finanziell habe das Land Werdohl bereits geholfen: Es seien Hilfen in Höhe von insgesamt rund 655.000 Euro ausgezahlt worden.

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