Mehr als 1100 Arbeitslose in Werdohl

Arbeitsmarkt fast auf Niveau des Krisenjahres 2009

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Die Zahl der Arbeitslosen steigt in Werdohl auch im Juli weiter. Die Agentur für Arbeit meldet erstmals wieder mehr als 1100 Personen, die einen Job suchen.

Werdohl - Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind am Arbeitsmarkt immer stärker zu spüren. In Werdohl kletterte die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit langer Zeit wieder über die Grenze von 1100, zudem sind viele Menschen in Kurzarbeit und der Stellenmarkt kommt nur ganz langsam wieder in Schwung.

Auf 1118 Personen erhöhte sich in Werdohl die Zahl der Arbeitslosen im Juli. Wie die Agentur für Arbeit am Donnerstag bekannt gab, sind das noch einmal 22 Personen mehr (+2,0 Prozent) als im Juni. Schaut man auf den Jahresvergleich, fällt auf, wie dramatisch die Entwicklung ist. Denn im Juli 2019 waren nur 844 Werdohler ohne Job. Binnen eines Jahres sind also 274 Personen hinzugekommen, was einen satten Anstieg von 32,5 Prozent bedeutet. Damit steigt auch die Arbeitslosenquote für den Agenturbezirk Werdohl, der auch Neuenrade umfasst, von 7,1 Prozent im Juli 2019 auf jetzt 9,6 Prozent. 

Kreisweit sind derzeit 18 919 Personen arbeitslos gemeldet, 520 mehr (+2,8 Prozent) als im Juni. Dies ist die zweithöchste Zahl in der jüngeren Vergangenheit. Einzig 2009, dem Jahr der Weltwirtschaftskrise, gab es mit 20 513 noch etwas mehr Arbeitslose im Kreisgebiet. Binnen eines Jahres erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen um knapp 4600 (31,9 Prozent), so dass die Arbeitslosenquote für das Kreisgebiet mittlerweile bei 8,3 Prozent (Juli 2019: 6,3 Prozent) angekommen ist. 

Erste Hochrechnungen zur Kurzarbeit

Zudem zeigen erste aktuelle Hochrechnungen, dass im März rund 1500 Betriebe mit 16 000 Personen im Märkischen Kreis in Kurzarbeit waren. Auch hier gibt es Parallelen zum März des Krisenjahres 2009 (675 Betriebe mit 20 971 Personen in Kurzarbeit). „Es handelt sich um eine enorm hohe Anzahl betroffener Betriebe und Personen. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld ist hoch und hilft vielen Unternehmen aktuell, ihre Beschäftigten zu halten“, sagt Sandra Pawlas, Chefin der Agentur für Arbeit. Die Zahl der Betriebe mit angemeldeter Kurzarbeit ist deutlich höher als 2009, weil von den Auswirkungen der Pandemie laut Pawlas nahezu jede Branche betroffen sei. 

Vereinzelt gingen auch jetzt noch neue Anzeigen auf Kurzarbeit ein. „Im Juli wurden kreisweit noch rund 120 neue Anzeigen mit rund 1200 betroffenen Personen gestellt“, so die Agentur-Chefin. Wie viele Personen derzeit im Bezug von Kurzarbeitergeld sind, kann die Agentur für Arbeit nicht sagen. Grund für den Zeitverzug ist die flexible Ausgestaltung des Instruments Kurzarbeitergeld. Betriebe müssen Kurzarbeit immer vorsorglich bei der Agentur für Arbeit anzeigen. Wird tatsächlich kurzgearbeitet, kann der Betrieb innerhalb von drei Monaten die erforderliche Abrechnungsliste einreichen. Erst danach liegen endgültige Daten vor. 

Stellenmarkt kommt langsam wieder in Bewegung

Zumindest der Stellenmarkt kommt mit 625 gemeldeten Stellen (44 mehr als im Juni) ganz langsam wieder in Schwung. Der Bestand der offenen Stellen liegt mit 2376 allerdings um rund 900 unter dem Vorjahreswert. 

Sandra Pawlas befürchtet, dass die Auswirkungen der Pandemie noch lange zu spüren sein werden: „Wir gehen davon aus, dass wir uns auch in den kommenden Monaten auf ähnlichem Niveau bewegen werden. Erste positive Zeichen sind zwar erkennbar – siehe Stellenmarkt – aber es wird nur in sehr kleinen Schritten vorangehen.“ Die hohe Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld bescheinige den Agentur-Verantwortlichen weiterhin eine hohe Bereitschaft der heimischen Betriebe, ihre Beschäftigten zu halten. „Viele Unternehmen haben für längere Zeit Kurzarbeit angemeldet. Dies bietet die Chance, ihre Beschäftigten in dieser Zeit zu qualifizieren“, so Pawlas abschließend.

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