Lehrstelle für jungen Afghanen

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Ali Hoseinzadeb ist vor einiger Zeit 21 Jahre alt geworden. Der afghanische Flüchtling macht bei Uwe Nodes eine Einstiegsqualifizierung, im August beginnt er eine Ausbildung als Mechatroniker. Hier arbeitet er gerade an einem Pumpenprüfstand.

Werdohl - Ali Hoseinzadeb ist 21 Jahre alt und beginnt im August eine Ausbildung zum Mechatroniker im Betrieb von Uwe Nodes im oberen Versetal. Dass der Asylantrag des jungen Mannes aus Afghanistan abgelehnt wurde und er in Deutschland nur geduldet ist, macht die Sache außergewöhnlich. Weil sich Hoseinzadeb die deutsche Sprache quasi selbst beigebracht hat, er überaus motiviert ist und als Lehrling bei Nodes auch noch eine Lücke schließt, macht diesen Lebensweg zu einer absoluten Ausnahme.

Auf diese Umstände wies Armin Dzaverovic vom Arbeitgeberservice des Jobcenters der Agentur für Arbeit hin. Betriebe wie der von Uwe Nodes finden kaum qualifizierte Bewerber für ihre Ausbildungsplätze. Nodes hat sich 2011 selbstständig gemacht, er entwickelt, konstruiert, baut und wartet Pumpen- und Filteranlagen für die Industrie. Mit dem Chef arbeiten neun Menschen im Sondermaschinenbau am Carl-Borbeck-Weg 2.

Bei einer Wanderung mit seinem Freund Michael Tauscher, dem Flüchtlingskoordinator der Stadt Werdohl, kam die Rede auf den jungen Afghanen. Nodes sucht einen Lehrling, Tauscher hatte einen. Ali Hoseinzadeb war 2015 als Flüchtling zunächst nach Neuss gekommen. Seit Oktober 2015 lebt er in Werdohl. Zuerst in der Funkenburg, dann in der Osmecke. Auf Vermittlung von Tauscher besuchte Hoseinzadeb ein dreiwöchiges Praktikum bei Nodes. Der junge Afghane und der deutsche Mittelständler verstanden sich auf Anhieb. In dem Familienbetrieb stimmten alle Voraussetzungen, dass Hoseinzadeb dort weiter beschäftigt werden konnte.

Afghanistan gilt als sicheres Herkunftsland, deshalb hatte Ali Hoseinzadeb kein Anrecht auf den Besuch eines offiziellen Sprachkurses. Zwei Stunden die Woche lernte er Deutsch bei der Flüchtlingshilfe und per App auf dem Handy. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, in seinen Papieren hat er nur die Duldung. Im Prinzip droht ihm die Abschiebung. Doch Ali Hoseinzadeb ist motiviert, zuversichtlich und fleißig. Um die Lehre beginnen zu können, war eine so genannte Einstiegsqualifizierung nötig. Die wird von der Arbeitsagentur mitfinanziert und entspricht in etwa den Inhalten des ersten Ausbildungsjahres.

Ali Hoseinzadeb spricht mittlerweile einigermaßen gut Deutsch, ist sehr verständig und aufgeschlossen. Weil er in der Sammelunterkunft in der Osmecke keine Möglichkeit hat, eine ruhige Ecke zum Lernen zu finden, ist er in einer sehr kleine Wohnung an der Goethestraße umgezogen. Ein Kollege nimmt ihn jeden Tag mit zu seinem Arbeitsplatz. Nodes ist froh über seinen neuen Auszubildenden: „Auf dem Ausbildungsmarkt und dem Arbeitsmarkt ist fast nichts zu bekommen.“

Weil es in Deutschland kein Einwanderungsgesetz gibt, hängt über Ali Hoseinzadeb immer noch das Damoklesschwert der Ausweisung. Die Einstiegsqualifizierung hat ihm ein halbes Jahr Bleiberecht gebracht. Mit der Ausbildung wird er ein fünfjähriges Bleiberecht bekommen: drei Jahre für die Ausbildung und zwei weitere Jahre, wenn er die Prüfung besteht. Mit 940 Euro Ausbildungsvergütung wird er finanziell für sich selbst sorgen können. Bis vor kurzer Zeit wäre das alles so nicht möglich gewesen, beschreibt Armin Dzaferovic: „Die eingeschränkten Möglichkeiten für die Unterstützung von Menschen aus Afghanistan sind erweitert worden.“

Dass ein Flüchtling so erfolgreich in die Ausbildungs- und Facharbeiterlücke in Deutschland passt, ist ein Fall mit Seltenheitswert.

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