Konzept ist nach 14 Monaten fertig

„Masterplan Werdohl 2040“: Das ist der Leitfaden für die nächsten 20 Jahre

Der Masterplan 2040 legt die wesentlichen Strategien und Ziele der Werdohler Stadtentwicklung für die nächsten 20 Jahre fest und soll Politik und Verwaltung als Leitfaden und Impulsgeber dienen.
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Der Masterplan 2040 legt die wesentlichen Strategien und Ziele der Werdohler Stadtentwicklung für die nächsten 20 Jahre fest und soll Politik und Verwaltung als Leitfaden und Impulsgeber dienen.

Mit der Präsentation des fertiggestellten Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes „Masterplan Werdohl 2040“ endet am Dienstag, 4. Mai, ein rund 14 Monate langer Prozess.

In einer Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung (Ustea) werden Experten des Kölner Büros Jung Stadtkonzepte ab 15 Uhr im Festsaal Riesei Werdohls Grundlage für die Stadtentwicklung in den nächsten rund 20 Jahre der Öffentlichkeit präsentieren.

Der Masterplan 2040 legt die wesentlichen Strategien und Ziele der Stadtentwicklung fest und dient als Leitfaden und Impulsgeber zur Steuerung der Entwicklung Werdohls. Wir haben einen Blick in das 160 umfassende Werk geworfen und beantworten nachstehend einige der wichtigsten Fragen.

Was bedeutet die Altersstruktur für die Entwicklung Werdohls?

Werdohl verliert seit Jahren Einwohner. Aktuell leben noch rund 17 500 Menschen in der Stadt an Lenne und Verse. Bis 2040 wird ein weiterer Bevölkerungsrückgang um etwa 14,9 Prozent (2100 Einwohner) prognostiziert. Vor allem 19- bis 25-Jährige wollen der Prognose zufolge Werdohl verlassen, während der Anteil der 65- bis 80-Jährigen bis 2040 um rund 14 Prozent wachsen wird. Das bedeutet, dass Werdohl erst einmal keine neuen Siedlungsflächen bereitstellen muss, weil durch die Zunahme der Älteren kontinuierlich Häuser und Wohnungen auf den Markt kommen. Das Überangebot an Wohnbauflächen sollte abgebaut werden. Um auf kurzfristige Nachfrage reagieren zu können, empfiehlt der Masterplan aber flexible Lösungen, mit denen Flächen revitalisiert werden können.

Was sollte in der Innenstadt passieren?

„Die Attraktivität der sehr stark auf Einzelhandel ausgelegten Innenstadt ist in den letzten Jahren vor allem durch zahlreiche Schließungen inhabergeführter Geschäfte gesunken. Hierdurch verringerte sich der Branchenmix und das Warenangebot im innerstädtischen Einzelhandel“, stellt der Masterplan fest. Die Innenstadt solle zu einem attraktiven mischgenutzten Quartier werden und mehr sein als ein Ort des Einzelhandels. Zudem fehle es in der Innenstadt an gepflegten Grünflächen und Freiräumen. Solche Flächen gelte es innerhalb der Siedlungsflächen qualitätvoll zu entwickeln, um die Lebensqualität und das Stadtbild zu verbessern.

Was wird aus den Stadtteilen und dem Versetal?

Zentral für die Entwicklung Werdohls sei es neben dem Ziel die Innenstadt zu beleben, auch die Stadtteilzentren zu stärken, ist im Masterplan nachzulesen. Gemeint sind damit die Siedlungen Bärenstein, Eveking, Kleinhammer, Teile Pungelscheids, die Königsburg, Kettling, Osmecke. Für das Versetal schlägt das Konzept die kurzfristige Durchführung einer Stadtteilkonferenz vor. Sie diene auch als Vorbereitung zur anzustrebenden Aufstellung eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts zur Stärkung des Versetals. Das Konzept solle das dörfliche Siedlungsband an der Verse aufwerten, Aufenthalts- und Nutzungsqualitäten schaffen, das Potenzial als Erholungs- oder Freizeitraum heben und den Verlauf eines sicheren Radwegs in die Innenstadt vorschlagen. Und in Eveking, wo Bedarf an einem Kulturstandort bestehe, könne die alte Turnhalle zu einem Bürgerzentrum, einer Begegnungsstätte und zum Kulturort werden. Auch ein Museum zur Industriegeschichte der Stadt Werdohl sei im Versetal denkbar.

Masterplan-Vorstellung: Anmeldung, Live-Stream und Corona-Schnelltest

Das Büro Jung Stadtkonzepte, das den Masterplan für Werdohl entwickelt hat, wird das Ergebnis seiner Arbeit am Dienstag, 4. Mai, im Festsaal Riesei vorstellen. Wer daran teilnehmen möchte, muss sich über ein Online-Formular auf der Internetseite der Stadt Werdohl (www.werdohl.de) bis zum 2. Mai anmelden. Wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen ist die Zahl der Teilnehmer begrenzt. Deshalb ist ein Live-Streaming der Veranstaltung auf www.werdohl.de geplant. Alle, die an der Präsentation vor Ort teilnehmen möchten, erklären mit ihrer Anmeldung ihr Einverständnis, dass die Stadt Werdohl möglicherweise Audio-, Foto- und Videoaufnahmen von ihnen anfertigen wird. Außerdem werden die Teilnehmer dringend darum gebeten, möglichst zeitnah zur Präsentation einen Corona-Schnelltest bei sich durchführen zu lassen. Zu Beginn und am Ende der Sitzung sind Fragen von Besuchern möglich.

Wie sehen die Werdohler sich und ihre Stadt?

Das Image und Selbstbild der Werdohler sei häufig negativ geprägt, stellt der Masterplan fest. Das liege unter anderem am durchschnittlich geringen Einkommen der Einwohner und am hohen Ausländeranteil. Außerdem minderten die wenigen Perspektiven, Freizeitmöglichkeiten und fehlenden Events insbesondere für Jugendliche die Attraktivität der Stadt. Mangelnde Pflege und Sauberkeit des öffentlichen Raums sowie leer stehende Einzelhandelsflächen würden ebenfalls als negative Faktoren wahrgenommen. Immerhin schätzten viele Werdohler die ruhige und naturnahe Wohnlage. Die Werdohler lieben die Lenne und das Lenneufer, fordern für diese Orte aber auch Instandhaltungs- und Aufwertungsmaßnahmen. „Das Fehlen einer eigenen Identität der Gesamtstadt“, macht der Masterplan als einen zentralen Schwachpunkt für die Entwicklung Werdohls aus. Stärken könne Werdohl seine Identität durch ein Leitbild, beispielsweise als „Grüne Kleinstadt an Lenne und Verse: familienfreundlich und aktiv“. Damit lasse sich auch ein positives Image schaffen.

Wie steht es um den Wirtschaftsstandort Werdohl?

Als historisch gewachsene Industriestadt dominiere in Werdohl auch heute noch die stahl- und metallverarbeitende Industrie, heißt es in dem Masterplan. Die Knappheit an neuen Industrie- und Gewerbeflächen in der Stadt sowie der Fachkräftemangel seien aber die wesentlichen Gründe für ein gehemmtes Wachstum der Wirtschaft. Zwar gebe es auf brachgefallenen Industrieflächen Optionen auf Wachstum, die Eingriffsmöglichkeiten der Stadt seien allerdings meistens beschränkt.

Wie ist es um die Mobilität bestellt?

Der motorisierte Individualverkehr ist laut Masterplan über die Bundesstraßen 229 und 236 gut an das überörtliche Straßennetz angeschlossen. Das Busnetz der MVG biete gute Verbindungen in die Region, während die schlechter versorgten Siedlungsbereiche durch den Bürgerbus an die Talachsen angebunden würden. Mit der Ruhr-Sieg-Strecke bestehe eine Anbindung an das regionale Schienennetz. Die Reaktivierung der IC-Strecke voraussichtlich ab Dezember 2021 stelle eine große Chance für Werdohl und das Lennetal dar. Als Problem wird im Masterplan der Radverkehr wahrgenommen. „Die Fertigstellung des Radwegs Lenneroute wäre ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der überregionalen Anbindung“, heißt es. Daran müsse kontinuierlich gearbeitet werden.

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