Bürger können Vorschläge machen

Masterkonzept 2040: Zum großen Wurf fehlt in Werdohl noch viel

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So sieht es auf der Seite „Masterplanung Werdohl 2040“: Die meisten der online angegebenen Vorschläge befinden sich im engeren Stadtgebiet, es gibt auch ein paar Ideen für die etwas außerhalb gelegenen Stadtteile. Im unteren Teil der Seite sind die Beiträge zu lesen.

Werdohl – Die Entwicklung eines Masterplans für Werdohl, der der städtebaulichen Entwicklung eine Leitlinie und einen Handlungsrahmen bis 2040 geben soll, ist in die zweite Runde gegangen: Ein Stadtplan mit Kommentarfunktion ist freigeschaltet worden.

Nach einer ersten Auswertung vorhandener Pläne und einer Potenzialanalyse durch das Kölner Büro von „Jung Stadtkonzepte“ sollte jetzt eigentlich eine echte Bürgerbefragung folgen. Wegen der Corona-Krise ist das nicht möglich, deshalb hatten die Kölner in Absprache mit der Werdohler Stadtplanerin Kathrin Hartwig eine Online-Plattform aufgesetzt. 

Auf „www.masterplanungwerdohl2040.de“ ist eine so genannte „Ideenkarte“ eingerichtet worden. Auf diesem Stadtplan im Internet können Orte markiert und kommentiert oder ganze Bereiche mit Linien eingegrenzt werden. Auch Fotos können hinzugefügt werden, diese Mühe machte sich allerdings kaum jemand. Jeder Beitrag muss einem Themenfeld zugeordnet werden: Mobilität, Wohnen/Stadtstruktur, Freiraum/Klima, Sport/Freizeit, Kultur/Soziales, Wirtschaft oder Sonstiges. 

Bislang 62 Ideen

Genau 62 Ideen und Vorschläge sind seit dem 17. April auf dieser Internetseite eingetragen worden, einige Autoren haben gleich mehrere Beiträge geschrieben. Manch einer hat unter dem richtigen Namen geschrieben, bei einigen Namen („Ludwig Lebertran“) sind Pseudonyme zu vermuten, ein paar schreiben absichtlich anonym unter „Ich“ oder „Eine Mama“. 

Ohne den bisherigen Ideengebern nahe treten zu wollen: So richtig zündende Vorschläge sind nicht dabei, wirklich Neues ist niemandem eingefallen. Jemand wünscht sich eine Toilette am Kletterfelsen, der Ausbau des Radwegs an der Lenne wird gleich mehrfach gefordert, mehr Bäume im Innenstadtbereich stehen auf der Liste. 

Forderungen von Interessengruppe

Manch einer äußert hingegen generelle Kritik oder stellt grundsätzliche Überlegungen an. Jemand möchte alle Wettbüros und Spielhallen schließen, die Jugend solle doch bitte etwas vernünftiger leben. 

Die Interessengemeinschaft Zeppelinstadt nutzt die Plattform für ihre Ideen und wünscht sich ein „identitätstiftendes Museum zur Vor- und Frühgeschichte der Aluminiumindustrie in Südwestfalen“. Jemand anderes will die Unterführung „Trog“ überbauen lassen, damit beim Hochwasser keine zusätzlichen Kosten entstehen. Ein anonymer Schreiber möchte die „Scheiß-Brücke“ endlich fertiggebaut sehen, gemeint ist sicher die Lennebrücke.

Sozialpolitische Forderungen

 Dem Themenfeld „Sonstige“ zugeordnet ist dieser Beitrag: „Es wäre schön, wenn für alle Kinder von berufstätigen Eltern ein Platz im Ferienspaß gesichert wäre.“ Eine Bürgerin hat sich mit ihrem Klarnamen eingetragen und insgesamt gleich neun, eher sozialpolitische Forderungen aufgeschrieben, zum Beispiel zur Gesamtschule, zur Schließung des WK und zur Quartiersarbeit in den Stadtteilen. Sie stört sich nach wie vor an der Ruine des zusammengestürzten Hauses in der Borbecke und sähe gerne die Parkgebühren abgeschafft. 

Offensichtlich von einer älteren Person ist folgender Wunsch ins Portal eingetragen worden: „Ich wünsche mir seniorengerechte, bezahlbare, stadtzentrale Wohnungen, ohne Wohnberechtigungsschein und Pflegestufe.“ Vermutlich jemand Jüngeres schlägt vor: „Toll wäre eine Art Bikepark hinter dem Bolzplatz an der Goethestraße.“ 

Befragungen in der Innenstadt

Immerhin hält jemand „die Ideenkarte“ für „eine gute Idee“, derjenige bleibt bei seinen Wünschen auf Allgemeinplätzen hängen: „Hier im Lennetal ist schon einiges geschehen, jedoch könnte zur Aufwertung noch mehr passieren, was den Aufenthalt angenehm macht, insbesondere für Jugendliche, aber auch für Familien und Ältere.“ Was genau er meint oder sich konkret wünscht, schreibt er nicht auf. 

In weiteren Schritten will das Kölner Stadtplanungsbüro – sofern es die Corona-Schutzmaßnahmen zulassen werden – im Juli bei Befragungen in der Innenstadt und im August bei einer Dialogwerkstatt im Restaurant Vier Jahreszeiten weitere Ideen und Anregungen sammeln und erarbeiten. 

Ergebnisse sollen Anfang 2021 vorliegen

Im Februar zeigte sich der Kölner Planer Rüdiger Wagner gegenüber der Politik optimistisch, Anfang kommenden Jahres ein Ergebnis in Form von Projektsteckbriefen und konkreten Handlungsempfehlungen vorlegen zu können. Dann soll es auch – von der Politik erwartet – um Empfehlungen zu geeigneten Förderprogrammen gehen.

Seit Jahren möchten die im Rat vertretenen Parteien ein Werkzeug haben, um die Stadt und ihre Außenbezirke konzeptionell im Sinne der Bürgerinnen und Bürger entwickeln zu können. Dabei geht es in erster Linie darum, für solche Projekte Fördermittel zu bekommen. Die Bezirksregierung hatte der Stadt klar gemacht, dass kurzfristige Einzelmaßnahmen ohne konzeptionelle Grundlage keine realistische Chance auf Förderung hätten. Im Rahmen von Städtebauförderung und Dorferneuerung müsse ein gesamtstädtisches Konzept erstellt werden. Dazu schien 2015 ein vom Land gefördertes Entwicklungsprogramm namens „Integriertes kommunales Entwicklungskonzept“, kurz Ikek, überaus geeignet zu sein. Eine gewisse Ironie versteckt sich in der Tatsache, dass die Stadt Werdohl zu spät auf dieses seinerseits stark geförderte Projekt aufmerksam geworden war und nicht daran teilnehmen konnte. Ende 2018 hatten Stadtverwaltung und Bezirksregierung eine Lösung gefunden, abseits von Ikek ein Stadtentwicklungskonzept auf die Beine stellen zu können. Daraus entstand die Finanzierung der jetzt umgesetzten Idee der „Masterplanung Werdohl 2040“. Nach Ausschreibung beauftragt wurde das Kölner Stadtplanungsbüro Jung.

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