Ruhrverband erläutert die Auswirkungen

Massiver Winterdienst-Einsatz: Lenne muss mehr Salz aufnehmen

Auch im Lenne- und Hönnetal musste zuletzt viel Salz gestreut werden, um die Straßen nach den heftigen Schneefällen und den tiefen Temperaturen befahrbar zu halten.
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Auch im Lenne- und Hönnetal musste zuletzt viel Salz gestreut werden, um die Straßen nach den heftigen Schneefällen und den tiefen Temperaturen befahrbar zu halten.

Riesige Mengen Streusalz haben die Winterdienste in der vergangenen Tagen und Wochen im Märkischen Kreis verteilt, um die Straßen befahrbar zu halten oder wieder befahrbar zu machen.

Über das Schmelzwasser gelangt dieses Salz in die Kanalisation – und so in die Kläranlagen des Ruhrverbands. Ist das ein Problem?

Wie Ruhrverbandssprecher Markus Rüdel auf Anfrage bestätigte, lässt sich im Winter feststellen, dass die Salzkonzentration im Wasser minimal steigt. „Im Schmelzwasser gelöstes Salz gelangt als Sole zuerst in die Kanalisation und auf diesem Weg in unsere Klärwerke“, erklärt er. Wie ausgeprägt die Beimengung von Streusalz im Wassers ist, kann von Stadt zu Stadt unterschiedlich sein und hängt unter anderem von der Größe des Straßennetzes ab, so Rüdel. Im Klärwerk wird die Zusammensetzung des Wassers regelmäßig überprüft.

Wasser wird stark verdünnt

Dass die Salzkonzentration im Winter geringfügig steigt, sei aber unproblematisch, sagt Rüdel. Schließlich kommt im Klärwerk nicht nur Schmelzwasser an, sondern vor allem Abwasser aus der Industrie und aus Privathaushalten. Es findet also eine starke Verdünnung statt.

Die Filteranlagen und Maschinen würden durch das Salz daher nicht beeinträchtigt. Im Winter muss der Ruhrverband auch keine besonderen Anpassungen im System der Kläranlage vornehmen, die auf Streusalz zurückzuführen sind. Zusätzliche Filteranlagen seien nicht notwendig, berichtet Rüdel.

Lenne hat einen relativ geringen Salzgehalt

Dass das Wasser nach der Klärung unter Umständen etwas salziger ist als normalerweise, wirke sich im Zuständigkeitsbereich des Ruhrverbands nicht negativ aus. Das Wasser wird nach der Klärung in die Flüsse geleitet. In Werdohl beispielsweise in die Lenne. „Die Lenne und auch die Ruhr haben von Natur aus einen relativ geringen Salzgehalt“, erklärt Markus Rüdel. „Deshalb können sie das gelöste Streusalz gut verkraften.“ Die Grenzwerte würden nicht überschritten. Rüdel ist auch nicht bekannt, dass das infolge von Streusalz-Einsatz überhaupt schon einmal der Fall war.

Anders könnte es aussehen, wenn Lenne und Ruhr von Natur aus einen hohen Salzgehalt hätten, weil sie sogenannte geogene Salze mit aufnehmen. Diese Salze sind auf natürliche Weise, durch biochemische Prozesse, in der Erde entstanden und können durch Wasser gelöst werden. Große Vorkommen gibt es beispielsweise in Bad Salzkotten, sagt Rüdel.

Dünger oder PCB machen mehr Probleme

Für Lenne und Ruhr sind andere Mineralstoffe oder Chemikalien kritischer, die zu einem Ungleichgewicht im Gewässer führen können. So zum Beispiel Dünger oder Bestandteile industriell verwendeter Öle, erklärt Rüdel. Dazu zählen Polychlorierte Biphenyle – besser bekannt unter dem Kürzel PCB. Sie kommen in altem Hydrauliköl von Maschinen vor, die unter anderem im Bergbau verwendet wurden. Grubenwassereinleitungen unterliegen deshalb zum Beispiel strengen Vorschriften, erklärt Rüdel. Denn PCB kann darin enthalten sein und auf diese Weise in den Wasserkreislauf gelangen. Darauf reagiere ein Fluss deutlich empfindlicher als auf Salz.

Ähnlich wie Schmelzwasser sei auch Grubenwasser übrigens häufig salzhaltig. Das Wasser nimmt unter Tage nämlich Mineralien aus dem Gestein auf. Allerdings gelte dasselbe wie beim Streusalz: Eine erhöhte Salzkonzentration sei durch die natürliche Wasserqualität der Ruhr unproblematisch.

Endverbraucher dürfte keinen Unterschied bemerken

Der Endverbraucher dürfte von dem Salz ohnehin nichts merken. Bei ihm komme davon nämlich nichts mehr an, sagt Rüdel. Grund dafür ist das sogenannte „Multibarrierensystem“. Das meint nichts weiter, als dass das Wasser durch mehrere Prozesse aufbereitet wird: Zuerst wird es in der Kläranlage gefiltert und gereinigt. Im Anschluss erfolgt die Zuleitung in einen Fluss, durch die das Wasser verdünnt wird. Durch biologische Prozesse im Fluss gewinnt das Wasser weiter an Qualität und wird schließlich, bevor es in die Haushalte gelangt, noch einmal maschinell aufbereitet, erklärt der Sprecher des Ruhrverbands.

Durch die Trinkwasserverordnung wird in Deutschland zudem eine gute Wasserqualität sichergestellt. Das Trinkwasser wird hierzulande sehr engmaschig und streng kontrolliert.

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