Marvin Scholz seit zehn Monaten als Freiwilliger in Costa Rica

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Marvin Scholz (4. von links, schwarze Kappe) mit einigen indigenen Menschen bei einer Versammlung in Salitre auf einer zurückeroberten Finca.

Werdohl - Fast zehn Monate befindet sich der Werdohler Marvin Scholz nun in Costa Rica. Ende des kommenden Monats beendet er seinen Freiwilligendienst für die Organisation Pro Regenwald in dem zentralamerikanischen Land.

Und doch stellt der 27-Jährige fest: „Es kommt mir vor, als wäre ich gerade erst in San José am Flughafen angekommen.“ Scholz lebt in Curré (Zentrum), einer Stadt in der Region Rey Curré, gelegen im Süden Costa Ricas. „In dieser Stadt leben etwa 500 und in der gesamten Region nur etwa 1000 Menschen“, erklärt der Werdohler. „Dort leben die Brunca, eines von acht indigenen Völkern des Landes. Insgesamt gibt es in Costa Rica 104 000 indigene Menschen.“ Diese machen zwei Prozent der Gesamtbevölkerung aus. 

Fast die Hälfte der indigenen Menschen Costa Ricas haben ihre Heimatregionen längst verlassen. Die Gründe dafür schildert Scholz so: „Zum einen haben nur knapp 39 Prozent der Menschen in indigenen Gebieten Zugang zum Arbeitsmarkt, zum anderen befinden sich etwa 40 Prozent der indigenen Heimat-Gebiete in Besitz von Personen, die nicht indigen sind.“ Letzteres sei bemerkenswert, denn eigentlich gibt es ein Gesetz in Costa Rica, welches genau diesen Umstand verhindern soll. 

Regierung beeinflusst die Arbeit 

Laut Scholz befinden sich 85 Prozent des Landes in Rey Curré im Besitz von Nicht-Indigenen. „Dabei spielt die Korruption verschiedener Regierungsorgane eine entscheidene Rolle“, hat Scholz gelernt. Beispielsweise sei der Entwicklungs-Verband (Asociacion de Dessarollo, ADI) – wie gesetzlich vorgeschrieben – ausschließlich von Indigenen besetzt, aber „stark von der Regierung und Geldsorgen beeinflusst“. 

Zwischen Bananen-Anbau und Katastrophenhilfe

Die nicht im Besitz von Privatpersonen befindlichen Teile der Region, gehören dem ADI. Scholz hat aus Gesprächen mit Einheimischen erfahren: „Des öfteren wurden aus Nicht-Indigenen schnell Indigene ,gemacht’, damit diese Landflächen kaufen konnten – und der ADI somit einen Gewinn erzielen konnte.“ Der Freiwilligendienst-Leistende ergänzt: „Dazu kommt noch der klassische Landraub, dem die indigene Bevölkerung zum Großteil machtlos gegenüber steht.“ 

Und doch: Die Indigenen Costa Ricas kämpfen vermehrt für ihre Rechte. „Sie besetzen Landflächen, um diese zurückzuerobern“, beobachtete Scholz. „Außerdem gründen sie Gegenorganisationen zum ADI. Es findet also ein Kampf an mehreren Fronten zugleich statt, der mühsam ist und sich wie Kaugummi zieht.“ 

Letztlich aber gebe es bereits „zahlreiche Beispiele, bei denen sich zeigt, dass die Arbeit der Menschen sich gelohnt hat“, betont der Sauerländer. Eines dieser Beispiele hat er selbst in Augenschein genommen: „Mitte Mai habe ich eine Finca in der Region Salitre besucht. Dort leben jetzt mehrere indigene Familien, statt – wie bisher – Einzelpersonen.“ 

Treffen mit Familien vor Ort 

Marvin Scholz erzählt: „Das Treffen mit den Familien vor Ort war sehr spannend sowie interessant und hat mir gezeigt, dass alle gewillt sind, dem Missstand der Landbesitze in nicht-indigener Hand entgegenzuwirken.“ Von solchen Beispielen ermuntert, hätten in der Region Térreba, welche an Rey Curré angrenzt, Menschen eine Finca besetzt, um diese zurückzuerobern. Die Landfläche, welche zur Finca gehört, sei mehr als 1000 Hektar groß und entspreche elf Prozent des gesamten Territoriums. 

Werdohler beim Fest der Teufelchen

„Sollte es zurückerobert werden, verdoppelt sich die Landfläche, welche sich in dieser Region in Hand von Indigenen befindet, auf einen Schlag fast“, erläutert Scholz. „Es ist wahnsinnig und verrückt, wie es möglich ist, dass eine einzelne nicht-indigene Person so viel Land besitzt, wie 621 indigene Personen in diesem Territorium zusammen.“

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