Freiwilligendienst zum Schutz des Regenwaldes

Junger Mann aus Werdohl mit Fernweh

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Marvin Scholz fliegt in den nächsten Tagen nach Costa Rica. In Mittelamerika wird er sich für den Erhalt sowie die Aufforstung des Regenwaldes einsetzen. Der 26-Jährige ist studierter Betriebswirt.

Werdohl - Marvin Scholz sitzt auf gepackten Koffern. „Am Freitag bin ich exmatrikuliert worden“, verrät der gebürtige Werdohler. An der Uni Augsburg absolvierte der 26-Jährige in den vergangenen drei Jahren seinen Master-Studiengang im Fach Informationsorientierte Betriebswirtschaft. „Jetzt geht es nach Costa Rica.“ Das genaue Abflugdatum steht noch nicht fest. Ab dem 10. Oktober jedoch könnte es losgehen.

Mit der Dachorganisation Weltwärts Freiwilligendienst geht der junge Mann nach Costa Rica. Mindestens ein Jahr lang wird er dort mit zehn weiteren Deutschen in Costa Rica Umweltprojekte unterstützen. Die Entsende-Organisation ist in seinem Fall Pro Regenwald, die sich nicht nur für die Umwelt, sondern auch für Menschenrechte einsetzt. Scholz erläutert: „Vielleicht wird meine Aufenthaltsdauer in Mittelamerika auch um drei oder vier Monate verlängert.“

Costa Rica liegt zwischen Panama und Nicaragua. „Im letzteren Land werden noch drei weitere Deutsche für Weltwärts tätig sein“, weiß Scholz. Weltwärts ist eine Organisation, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geführt wird. Das BMZ trägt 75 Prozent der Kosten für das Auslandsjahr von Scholz und seinen Mitstreitern. „Das restliche Viertel trägt dann Pro Regenwald.“

Ein Auslandssemester führte ihn nach Breslau

Der 26-Jährige hat nach dem Besuch der Werdohler Realschule am Bergstadt-Gymnasium in Lüdenscheid sein Abitur gemacht. „Danach habe ich ein Verbundstudium bei Dornbracht in Iserlohn gemacht“, schildert Scholz. Bei dem Hersteller von Küchen- und Badarmaturen lernte er den Beruf des Industriekaufmannes und machte zugleich seinen Bachelor.

„2014 ging ich dann nach Augsburg.“ Einen Teil seines Masterstudiums absolvierte der Werdohler von September 2015 bis Februar 2016 im polnischen Breslau. „Und abgesehen davon habe ich ja nun drei Jahre Auslandserfahrung in Bayern gesammelt“, frotzelt der junge Mann. „Aber ich habe mich gefragt: Warum machst Du nicht noch einmal etwas komplett anderes, bevor Du bis 70 am Schreibtisch sitzt?“

Fernweh, seine soziale Ader und auch der Wunsch, sich persönlich weiter zu entwickeln seien die drei Gründe gewesen, dass er sich zum Gang nach Costa Rica entschloss. „Außerdem möchte ich Spanisch lernen.“ Denn Scholz weiß: „Am Anfang werde ich mich dort nur mit Händen und Füßen verständigen können.“

„Etwas weitergeben, was ich lernen durfte“

Der Sprung ins kalte Wasser sei für ihn eine Selbstverständlichkeit: „Mir geht es hier so gut. Und ich möchte etwas von dem weitergeben, was ich in Deutschland lernen durfte.“ Aber für ihn stehe auch fest: „Ich möchte auch lernen, wie man unter ganz anderen Bedingungen glücklich leben kann.“ Neben dem tropischen Klima meine er damit auch ein Leben der indigenen Völker mit weniger Luxus.

Welches konkrete Projekt er in Costa Rica unterstützen werde, sei noch nicht entschieden. Möglicherweise werde er Kindern und Jugendlichen vermitteln, wie wichtig der Erhalt der Umwelt, der Artenvielfalt und einer natürlichen Dynamik sind, so formuliert es die Organisation Pro Regenwald. Scholz spielte jahrelang Tischtennis im FC Pungelscheid und hat dort auch mit Jugendlichen gearbeitet.

Eine andere Möglichkeit sei, dass er kräftig mit anpacken werde, den Regenwald wieder aufzuforsten. „Ich hatte zwar bis zum Abitur Biologie als Leistungskurs, aber so konkret habe ich mich mit Umweltprojekten noch nie befasst“, ist der der 26-Jährige gespannt auf die Arbeit, die in den nächsten zwölf Monaten auf ihn zukommt.

Mitte Juli bewarb sich Scholz bei Weltwärts. Zur Bewerbung gehörten ein Lebenslauf, eine Schilderung seiner persönlichen Motivation sowie ein Empfehlungsschreiben seines Lehrstuhlinhabers. Zwei Tage Zeit blieben ihm, um all das – verfasst in englischer Sprache – zusammenzustellen. „Ich bin ein Nachrücker für dieses Jahr, deshalb war der zeitliche Rahmen enger gestrickt.“

„Ich dachte: Okay, ich bin durchgefallen.“

Ende Juli wurde Scholz dann bei einem Telefon-Interview auf Herz und Nieren geprüft. „Das dauerte eine Dreiviertelstunde. Danach dachte ich: Okay, das war’s, ich bin durchgefallen“, erinnert sich der Werdohler. Doch es kam anders. Anfang August folgte ein einwöchiges Vorbereitungsseminar im Wildnis-Camp am Falkenstein im Nationalpark Bayerischer Wald.

„Am 13. August bekam ich dann die Zusage, dass ich nach Costa Rica gehen kann“, kann der Betriebswirt sein Glück immer noch nicht so richtig fassen. „Das ging alles so schnell und ich hatte so viele andere Dinge um die Ohren.“ Die Folge sei: „Ich bin noch gar nicht so richtig nervös wegen der baldigen Abreise.“

Das änderte sich am Freitag: Von den anderen Freiwilligen erfuhr er vom Unwetter in Costa Rica. Das Auswärtige Amt vermeldete: "Tropensturm Nate ist auf Costa Rica getroffen. Weite Teile des Landes, insbesondere die Küstenbereiche im Süden, stehen durch über die Ufer getretene Flüsse unter Wasser. Der meteorologische Dienst hat mitgeteilt, dass der Sturm in Richtung Golf von Mexiko weiterziehen wird und erst im Laufe des Freitags mit einer Wetterberuhigung zu rechnen ist. Vor kurzem hat die Regierung in San José den nationalen Ausnahmezustand verkündet."

In Costa Rica wird Scholz in einer Gastfamilie oder in einer Wohngemeinschaft mit anderen leben, die wie er dort einen Freiwilligendienst leisten. „Ich bin der Älteste von den 14, die Westwärts dieses Jahr dorthin schickt“, verrät der Werdohler. „Man muss mindestens 18 Jahre alt sein, die meisten sind um die 20 herum.“ Vor Ort erhalten sie alle ein kleines Taschengeld. „Kosten enstehen mir dort keine.“

Marvin Scholz zeigt auf dem Globus, wo Costa Rica liegt.

Erst seit Samstag lebt Scholz wieder in Werdohl nach seinem Master-Studium. Derzeit verabschiedet er sich bereits wieder von allen Freunden und Verwandten. „Heimaturlaube im nächsten Jahr sind nicht geplant“, blickt er voraus. Er überlegt und schiebt hinterher: „Wer weiß, vielleicht bleibe ich ja auch ganz in Mittelamerika, komme gar nicht mehr zurück?“ Eine Freundin in Deutschland habe er derzeit ja nicht. Jedenfalls wolle er nach Beendigung seines Umwelt-Projektes noch etwa ein halbes Jahr in Mittelamerika herumreisen.

Mitte der Woche fuhr Scholz erst einmal nach Berlin. „Dort musste ich persönlich in der Botschaft mein Visum abholen“, erklärt der 26-Jährige. Jetzt wird es bald Ernst. Von Costa Rica aus solle er einen Unterstützerkreis aufbauen, Menschen finden, die seine umweltpolitische Arbeit in Mittelamerika unter anderem auch mitfinanzieren, „sonst treibt das die Entsende-Organistaion in den finanziellen Ruin“, weiß der Betriebswirt.

Regelmäßige Berichte im Süderländer

Die Menschen aus seinem Unterstüzerkreis sollen als Multiplikatoren das umweltpolitische Anliegen seines Projektes publik machen. Scholz wird zudem regelmäßig im Süderländer Volksfreund von seinen Erfahrungen in Costa Rica berichten. Seine Erlebnisse können Interessierte bald auch im Blog auf der Internet-Seite www.forestguardians.net verfolgen.

Wer mehr wissen oder für die Arbeit von „Pro Regenwald“ spenden möchte, kann sich direkt an Marvin Scholz wenden (E-Mail: marvin_scholz@t-online.de, Tel. 01 76 / 31 20 53 84).

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