Marvin Scholz aus Werdohl ist in Costa Rica

Fest der Teufelchen mit Bier und Reistaschen

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Keine Angst vor den Teufeln: Marvin Scholz ist für rund ein Jahr in Costa Rica, leistet dort einen Freiwilligendienst. Im Rahmen seines Aufenthalts war der Werdohler jetzt auch bei der „Fiesta de los Diablitos“ dabei.

Werdohl - „Nach einem Weihnachtsfest ohne Kälte und ohne Schnee begann das neue Jahr für mich mit außergewöhnlich viel Regen“, erzählt Marvin Scholz, „der Klimawandel lässt grüßen“. Der 26-jährige Werdohler ist seit Oktober in Costa Rica. In der Stadt Curré leistet er einen Freiwilligendienst für die Organisation Pro Regenwald. „Aber seit Mitte Januar herrscht hier wieder Hochsommer bei Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad.“

Der studierte Betriebswirt lebt bei und arbeitet mit Einheimischen. Und so spürte er bald, dass mit dem Jahresbeginn „ein kulturelles Highlight für die Menschen hier vor der Tür stand“. Beim „Fiesta de los Diablitos“ (Fest der Teufelchen) kämpfen die Brunca, eine von acht indigenen Volksgruppen Costa Ricas, als Teufel kostümiert gegen einen Stier, der die einstigen Kolonisatoren aus Spanien symbolisiert. Am Ende siegen die Teufelchen.

„Menschen aus der ganzen Welt kommen zu diesem dreitägigen Volksfest, trinken Chicha, ein bierähnliches Getränk aus Mais, und essen Tamales, Reistaschen, die mit Gemüse oder Fleisch gefüllt sind“, schildert Scholz. „Schon Tage vorher stieg auch bei mir Anspannung“, verrät er. „Wie dieses Fest wohl werden würde?“

Gefeiert wird das Fest der Teufelchen bereits seit mehr als 500 Jahren. Aber erst am 14. Dezember vorigen Jahres wurde es von der Regierung zum Kulturerbe Costa Ricas erklärt – ein Grund also, es 2018 noch ausgelassener zu feiern. „Schon über den gesamten Januar spürte man bei den Menschen in Curré eine gewisse Aufregung“, beobachtete der junge Sauerländer.

Allüberall wurden mit traditioneller Handwerkskunst Masken, Ketten und Taschen präpariert, Musiker probten, Essen und Getränke wurden vorbereitet und Einladungen ausgesprochen. „In der Nacht vom 25. auf den 26. Januar begann dann das Spiel, welches über die folgenden Tage in zehn Phasen aufgeführt wird“, erläutert Scholz.

In der ersten Phase erwachen um Mitternacht auf einem Hügel die Teufelchen. Doch schon mit dem Sonnenaufgang beginnt Phase zwei und es erscheint der Stier, der nach dem Leben der Teufel trachtet. „Von Freitag bis Sonntag läuft dann die dritten Phase mit heftigen Kämpfen in der gesamten Gemeinde“, weiß Scholz nun. Zwei bis drei Mal am Tag kommt es zu Zusammenstößen von Teufeln und Stier.

„Im Laufe des Sonntags scheint es so, als hätte der Stier sein Ziel schon erreicht und alle Teufel getötet“, erinnert sich der Freiwilligendienst-Leistende. „Der älteste Teufel geht in Phase vier als Letzter zu Boden.“ Phase fünf bringt eine trügerische Ruhe: Der Stier zieht sich in die Berge zurück und erholt sich von seinen schweren Verletzungen. „Aber wie von Hexenhand erwachen die Teufelchen in Phase sechs wieder und sinnen auf Rache.“

In der nächsten Phase des Maskenspiels suchen die Teufel mit Hunden nach ihrem Gegner. In Phase acht entdecken sie ihn, nehmen ihn gefangen und bringen ihn zurück in die Stadt. Unterstützt von der gesamten Gemeinde besiegen die Teufelchen den Stier endgültig. „Phase zehn ist dann eine große Siegesfeier, bei der der Stier im Feuer verbrannt wird.“

Scholz ist begeistert. Geplant ist, dass er nach einem Jahr aus Costa Rica zurückkehrt, „aber wenn sich die Möglichkeit ergibt, werde ich definitiv wieder an diesem Fest teilnehmen“. An Einladungen mangelt es nicht. „Ich hörte immer wieder: ,365 Tage bis zum nächsten Mal, Marvin’.“ Scholz versucht zu erklären: „Das Fest der Teufelchen ist speziell und anders, mit nichts zu vergleichen, einfach einzigartig.“

So spannend der Januar für den jungen Sauerländer also war, „so unspektakulär war der Februar“. Scholz „war zum Ausruhen gezwungen, denn ich hatte mich mit einer Viruserkrankung infiziert“. Dabei habe er, räumt der 26-Jährige ein, „gemerkt, wie praktisch es hierzulande ist, wenn man im Hochsommer eine Hängematte besitzt“. Noch etwas habe er aber in diesem Monat bemerkt: „und zwar wie fürsorglich die Menschen hier sind“.

Scholz blickt in die Zukunft: „Bald bin ich bei vollen Kräften und kann wieder arbeiten. Und dann bin ich schon auf die Osterfeiertage gespannt, die für die Menschen hier ebenso wie Weihnachten zu den wichtigsten Feiertagen des Landes gehören.“

Seit Oktober in Costa Rica

Seit dem 11. Oktober ist der Werdohler Marvin Scholz in Costa Rica. Dort leistet der studierte Betriebswirt für etwa ein Jahr einen Freiwilligendienst bei der Organisation „Pro Regenwald“. Wer die Arbeit zum Schutz des Regenwaldes unterstützen möchte, kann dies über das folgende Spendenkonto tun: Pro Regenwald, IBAN: DE84 7002 0500 0008 8195 00, BIC: BFSWDE33MUE, Verwendungszweck: Spende wwcr17-90. Weitere Informationen über das Projekt finden Interessierte auf www.pro-regenwald.de.

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