Zwischen Bananen-Anbau und Katastrophenhilfe

Marvin Scholz aus Werdohl arbeitet freiwillig in einem Dorf in Costa-Rica

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Marvin Scholz (Mitte) hat sich für einen mindestens einjährigen freiwilligen Einsatz bei der Organisation Pro Regenwald verpflichtet. Der 26-Jährige lebt jetzt in der indigenen Gemeinde Curre.

Werdohl - „Wie die Zeit nur vergeht“, seufzt Marvin Scholz. Am 11. Oktober machte sich der junge Werdohler auf nach Costa Rica. „Es fühlt sich an, als wäre ich gerade erst in Berlin bei der costa-ricanischen Botschaft gewesen, um mein vorläufiges Visum abzuholen“, blickt der 26-Jährige auf die ersten Monate seines Einsatzes zurück.

„Mit diesem Visum konnte mein Abenteuer endlich beginnen“, war der studierte Betriebswirt seinerzeit voller Tatendrang. Doch dieser wurde gebremst. Erst verbrachte der Werdohler, der sich zu einem mindestens einjährigen Freiwilligendienst für die Organisation Pro Regenwald in Costa Rica verpflichtet hat, eine Nacht am Frankfurter Flughafen. „Erst tags drauf ging es am frühen Morgen weiter. Voller Vorfreude ging es in den Flieger. Kaum saß ich, kam die Ernüchterung: Aufgrund von Motorenproblemen war ein Flug nicht möglich“, berichtet Scholz weiter.

„Gegen Mittag dann, mit einiger Verspätung im Gepäck, ging es doch weiter nach Madrid. Die Probleme führten aber dazu, dass der Anschlussflug nach Panama nicht erreicht werden konnte.“ Nach einer weiteren Übernachtung flog der junge Mann stattdessen direkt nach San José, der Hauptstadt Costa Ricas.

Im Land der Ticos

„Nun befinde ich mich im Land der Ticos. So nennen sich die die Costa-Ricaner selbst“, stellt Scholz noch ungläubig fest. Mit seiner Ankunft Mitte Oktober wusste er aber immer noch nicht, wo sich seine Einsatzstelle befinden würde. „Daher verbrachte ich die ersten Tage in San José zusammen mit Simon und Julia.“ Dabei handelt es sich um zwei weitere Freiwilligendienst-Leistende aus Deutschland. „So konnte ich schon ein wenig in die Kultur reinschnuppern“, sagt der 26-Jährige.

„Ein ‘Gallo Pinto’ gehörte zum Pflichtprogramm. Das ist ein Frühstücksgericht, das aus Reis und Bohnen besteht. Wer möchte, bekommt dazu Ei, Platanos (Kochbananen) und/oder Käse serviert. Also genau das Richtige für einen anstrengenden Arbeitstag, aber schon sehr deftig – gerade zum Frühstück.“

Curre sehr stark vom Tropensturm betroffen

Nachdem Scholz ein richtiges Visum erhalten hatte, ging es für ihn weiter in die Stadt Curre. „Eigentlich heißt der Ort Rey Curre, aber die Leute hier mögen den Namen nicht.“ Curre ist eine kleine indigene Gemeinde im Süden des Landes. Diese Region war kurz vor der Abreise des Werdohlers besonders stark vom Tropensturm Nate betroffen.

Der Sauerländer schildert seine ersten Eindrücke: „Einige Häuser, die High-School und dutzende Platanosplantagen standen unter Wasser. Einige Bewohner verloren ihr gesamtes Hab und Gut.“ Hatte Scholz die ersten Tage in Südamerika zunächst nutzen können, um in Ruhe anzukommen, ging es jetzt mit der Arbeit los. „In Curre sollten Simon und ich bei der Katastrophenhilfe mit anpacken, bevor es an unsere Einsatzstellen ging.“

Marvin Scholz aus Werdohl bei Aufräumarbeiten an einer zerstörten Hütte nach dem Tropensturm Nate.

Knapp eine Woche später teilte Jahel, die Pro-Regenwald-Koordinatorin vor Ort, dem Werdohler mit: „Du bleibst jetzt für das kommende Jahr in Curre.“ Der 26-Jährige sagt: „Mit dieser Entscheidung bin ich sehr glücklich. Die Menschen hier sind sympathisch und hilfsbereit, auch wenn ich fast kein Wort Spanisch spreche.“ 

Scholz lebt bei Cecilia. Deren Mutter Dona Anita wohnt direkt gegenüber. Viele haben ihre Häuser verloren. Bis vor einigen Jahren waren „Ranchos“ noch die üblichen Häuser in Curre. Darin lebten oft zehn bis 15 Personen einer Familie zusammen. Und so hilft der Sauerländer weiter beim Wiederaufbau: „Ich verteile auch Hilfslieferungen.“

Einsatz für die indigene Bevölkerung

Später wird sich der Betriebswirt für die Indigenen-Organisation „Concejo Indigena Regional Pacifico Sur“ einsetzen. Die Organisation setzt sich für Indigo-Rechte und für den Umwelt- und Naturschutz ein. Scholz wird Kinder und Jugendliche unterrichten, ein System zur Müllentsorgung mit aufbauen, Feldarbeit leisten und auch Quellen sowie Flüsse reinigen.

„Zwei Monate nach der Katastrophe mit Nate gibt es noch genug zu tun, damit die Menschen hier in der Region Weihnachten feiern können“, stehen für Scholz Aufräumarbeiten im Vordergrund. Für den Werdohler wurden es dieses Mal ganz andere Feiertage, als er sie aus dem Sauerland kennt, „hier ist Sommer und kein Winter“. Er gesteht: „Zuhause habe ich stets auf weiße Weihnachten gehofft – und jetzt haben wir hier knapp 30 Grad im Schatten.“

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