Martin Kämper blickt nach vorn

Pfarrer Martin Kämper bei der Vorbereitung seiner letzten Predigt als Gemeindepfarrer, die er heute an Silvester in der Kreuzkirche auf der Königsburg hält.

WERDOHL ▪ In den zurückliegenden Wochen und Tagen hat er vieles zum letzten Mal gemacht. Den Mitarbeiterkreis geleitet, den Gottesdienst im Krankenhaus gestaltet, beim Familiengottesdienst der Kindergärten gepredigt. „Es gibt viele Dinge, die man zum letzten Mal macht und man weiß es nicht“, sagt Pfarrer Martin Kämper. „Doch wenn man es weiß, dann ist das schon ein beklemmendes Gefühl.“ Von Simone Benninghaus

Der heutige Tag, an dem das Jahr 2011 verabschiedet wird, ist daher auch für den evangelischen Geistlichen ein besonderer – einer, an dem ein Hauch Wehmut mitschwingt. Der Silvestergottesdienst in der Kreuzkirche ist für Martin Kämper der letzte Gottesdienst als Pfarrer der Königsburg.

Diesem unumkehrbaren Abschied sieht er beim Gespräch mit unserer Redaktion mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn ein Pastor legt nicht nur die Arbeit aus der Hand: „Wenn ich gehe, gehen auch einige Dinge, die mit meiner Person verbunden sind“, ist sich Martin Kämper seines Schrittes bewusst.

Dieser Schritt, Ende dieses Jahres mit fast 59 Jahren die Vorruhestandsregelung der Landeskirche in Anspruch zu nehmen, steht schon lange fest. Seit fünf Jahren war er im Gespräch als eine Maßnahme, um Kosten zu sparen in einer immer kleiner werdenden Gemeinde, die seit einigen Jahren auch für die Pfarrgehälter aufkommen muss. Früher wurden diese aus einem besonderen Haushalt der Landeskirche bezahlt. Trotz einer höheren Kirchensteuerzuteilung stehen Gemeinden unter Kostendruck.

Pfarrer Martin Kämpers Entschluss war eine „Vernunftsentscheidung“, um das zu erhalten, was ihm am Herzen liegt und was er drei Jahrzehnte gestaltet hat: die Gemeinde.

In seiner Gemeinde hat er in 30 Jahren viel bewegt, viele Freundschaften haben sich entwickelt. „Kirche wird nicht nur durch die Botschaft ausgemacht, die wir weiter geben, sie wird durch Freundschaften lebendig“, ist Martin Kämper überzeugt. Als Pastor war der gebürtige Siegener Motivator und Motor seiner Gemeinde.

Dass Werdohl einmal für ihn und seine Frau Doris der Lebensmittelpunkt sein würde, hätte Kämper bei einem ersten Besuch mit dem CVJM nie gedacht. Das war genauso wenig geplant, wie der Studiumswechsel von Maschinenbau zu Theologie.

Die Familienarbeit ist ihm als dreifachen Vater und inzwischen auch Großvater einer Enkeltochter besonders wichtig. Viele Freizeiten wurden in den zurückliegenden Jahren organisiert, der CVJM wurde neu belebt. Lange war Kämper auch als Jugendpfarrer tätig. Als „Pastor mit der Gitarre“ war er gern Unterhalter, sorgte mit frischen, fröhlichen und neuen Liedern dafür, dass das alte Kirchenliedgut entstaubt wurde. „Wir sind eine singende Gemeinde“, betont der Pfarrer daher, wenn er über seine Gemeinde spricht. „Musik ist die Sprache Gottes.“

Ein Zeichen

lebendiger Gemeinde

Eine aktive Gemeinde lag Martin Kämper stets am Herzen. Dazu zählt ein Pastor, der zwar auf der Kanzel steht und predigt, „aber nicht einsam über allem schwebt.“ Durch Freundschaften wird Kirche zu einem Ort des Miteinanders. Kämper idealisiert dabei nicht, ist sich bewusst, dass auch in seinem beruflichen Alltag nicht alle Vorhaben gelingen. Dennoch: Pfarrer, das ist ein Beruf, der Berufung ist und bei dem sich die Arbeit hauptsächlich über Menschen gestaltet. Bestätigung der Arbeit ist es, wenn diese Menschen den Weg in den Gottesdienst finden. „Da ist ein Zeichen lebendiger Gemeinde“, so der 58-Jährige.

Miteinander Gottes Wort hören, miteinander auftanken: „Alles zielt darauf, dass Menschen sich in Gottes Hand aufgehoben fühlen und geborgen wissen“, beschreibt Kämper sein Ideal. „Glaube wird sichtbar im Miteinander.“

In einer anonymen Gesellschaft sei es um so wichtiger, dass Kirche Orte des Miteinanders anbiete und den Gottesdienst als eine Gelegenheit, um getröstet und gestärkt zu werden.

Gestärkt durch Gott fühlt sich auch Martin Kämper bei seinem Schritt und sieht Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ als eine Art Vermächtnis und gleichzeitig auch als Wegweiser für die Zukunft. Darüber wird er heute auch im Gottesdienst um 17 Uhr in der Kreuzkirche sprechen. „Ich darf nach vorne blicken, Gott ist da und wird mich halten.“ Das ist eine der Botschaften, die Martin Kämper zu seinem Abschied weiter geben möchte.

Offiziell verabschiedet und in den vorzeitigen Ruhestand entsendet wird Pastor Martin Kämper am Sonntag, 22. Januar. Dann findet um 16 Uhr in der Kreuzkirche ein Abschiedsgottesdienst statt.

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