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Elverlingser Kraftwerks-Tage sind gezählt

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Von: Volker Heyn

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Zwischen Ende 2020 und Anfang 2021 ließ Mark-E die ehemalige Siedlung Elverlingen abreißen, in den nächsten zwei bis drei Jahren wird auch das 2018 stillgelegte Kohlekraftwerk entkernt und weggesprengt. Kraftwerk und Gelände sind an die Sendener Sattler-Gruppe verkauft.
Zwischen Ende 2020 und Anfang 2021 ließ Mark-E die ehemalige Siedlung Elverlingen abreißen, in den nächsten zwei bis drei Jahren wird auch das 2018 stillgelegte Kohlekraftwerk entkernt und weggesprengt. Kraftwerk und Gelände sind an die Sendener Sattler-Gruppe verkauft. © Heyn

Auf diese Nachricht warten Werdohl, Altena und das Lennetal seit Jahren: Enervie als Mutterkonzern der (noch) stromerzeugenden Sparte Mark-E hat 20 Hektar des Kraftwerksgeländes in Elverlingsen an einen Investor verkauft. Zu einem nicht genannten Kaufpreis bekommt Projektentwickler und Versteigerer Christoph Sattler aus Senden auch das komplette ehemalige Kohlekraftwerk. Vereinbart ist, dass die Kraftwerksgebäude entkernt und abgerissen werden. Auf dem so frei werdenden Gelände und der bereits geräumten Fläche der ehemaligen Siedlung Elverlingsen soll zusammen mit der Stadt Werdohl ein Gewerbegebiet entwickelt werden.

Werdohl/Altena – Die Nachricht verbreitete Enervie-Sprecher Andreas Köster am Donnerstagnachmittag. Demnach hat Mark-E von der insgesamt rund 42 Hektar großen Fläche 20 Hektar im südlichen Bereich des Areals in Richtung Altena verkauft. 15 Hektar davon sollen nutzbar sein, hatte es in früheren Meldungen geheißen. Der restliche Bereich werde weiterhin von Mark-E unter anderem für den Betrieb der Wirbelschichtfeuerungsanlage gemeinsam mit dem Ruhrverband, für die beiden Batteriespeicher-Anlagen von Renault und Mercedes sowie für das Umspannwerk von Enervie Vernetzt genutzt.

Mark-E und die Sattler-Gruppe wollen laut Mitteilung „zur engen Abstimmung während des Rückbaus eine gemeinsame Projektgruppe“ einrichten. Zudem stünden sie bei dem „gesamten Standortentwicklungsprozess in enger Abstimmung“ mit der Stadt Werdohl.

Die Idee, auf dem Gelände des 2018 stillgelegten Kohlekraftwerks und der Siedlung eine Gewerbefläche für Werdohl zu entwickeln, wird spätestens seit dem Jahr 2020 genauer verfolgt. Konkrete Informationen zum Verfahren gab es dann im September 2021: Verantwortliche der Mark-E hatten zu der Zeit die Werdohler Verwaltung und die Politik über den Stand der Dinge beim zukünftigen Gewerbegebiet Elverlingsen informiert.

Nicht-öffentliches Bieterverfahren

Wichtigste Neuigkeit aus dieser nicht-öffentlichen Runde war damals: Im laufenden Bieterverfahren hätten sich mehrere Interessenten gemeldet, ein konkreter Abschluss eines Kaufvertrages war zunächst für Anfang 2022 geplant. Warum der Verkauf an Sattler noch einmal fast ein Jahr benötigte, war nicht zu erfahren.

Mark-E hatte langfristig alle Vorbereitungen zum Verkauf der Fläche und der Anlagen getroffen: Diese infrastrukturellen Maßnahmen seitens Mark-E waren schon im September 2021 weitgehend abgeschlossen, hatte Unternehmenssprecher Köster damals mitgeteilt. Bekanntermaßen wurde die ehemalige Siedlung Elverlingsen zwischen Ende 2020 und Frühjahr 2021 abgerissen.

Auch wesentliche Arbeiten im Kraftwerksbereich wie die Entkernung des Einlaufbauwerkes und der teilweise Rückbau der Kohletransporteinrichtungen waren erledigt worden. Danach wurde an der technischen Trennung von Versorgungsleitungen und der Entflechtung gearbeitet. Enervie-Projektleiter Oliver Rabe hatte grob geschätzt, dass der Rückbau des Steinkohle-Komplexes etwa zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen wird.

Siedlung Elverlingsen ein Jahrzehnt ein Geisterdorf

Die Siedlung Elverlingsen war lange Zeit ein Geisterdorf, heimgesucht von Abenteurern, die in den Ruinen übernachteten, Filme drehten und den „Lost Place Elverlingsen“ in sozialen Medien berühmt machten. Der letzte Mieter war 2013 ausgezogen, die meisten der 64 Wohnungen in den 21 Häusern standen danach fast zehn Jahre leer. Vandalismus und Feuchteschäden griffen die Substanz an, später mussten die maroden Häuser durch eine Zaunanlage samt Videoüberwachung geschützt werden. Ende 2020 wurde die komplette Siedlung abgerissen, Mark-E hatte den Auftrag – ebenfalls in einem nicht-öffentlichen Bieterverfahren – an einen Unternehmer aus Ostwestfalen vergeben. Der schüttete die tiefsten Gruben wieder zu und hinterließ ein leicht modelliertes, inzwischen komplett grün überwachsenes Gelände.

Christoph Sattler hat Arcandor verwertet

Das Bieterverfahren für den Verkauf der 20 Hektar war ebenfalls vom öffentlichen Vergabeverfahren losgelöst, das hatte Enervie juristisch prüfen lassen. Der Verkauf der Elverlingser Teilflächen erfolgte an die Christoph-Sattler-Gruppe in Senden-Bösensell.

Enervie bezeichnet Sattler als Standortentwickler. Auf der Unternehmenspräsenz im Internet stellt sich Christoph Sattler als öffentlich bestellter und vereidigter Versteigerer für Maschinen und industrielle Anlagen vor. In 25 Jahren habe die Firma Sattler „über 10 000 Be- und Verwertungen aus den unterschiedlichsten Branchen und in allen Größenordnungen deutschlandweit“ durchgeführt. Die größte Referenz von Sattler ist die seit 2007 insolvente Arcandor AG mit Karstadt und Quelle und dem Online-Geschäft Primondo. 50 000 Mitarbeiter gehörten damals dazu. Sattler war auch bei den Versteigerungen und Vermittlungen von Agfa mit 1900 Mitarbeitern, Cargo-Lifter mit 500 Mitarbeitern, aber auch Schieder Möbel mit 11 000 Mitarbeitern beteiligt.

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