St. Maria Königin: Abriss kostet bis zu 200 000 Euro

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Die Kirche St. Maria Königin in Ütterlingsen ist baulich kein Meisterwerk, sondern im Stil der sechziger Jahre. Die Akustik im Kirchgebäude soll aber ganz hervorragend gewesen sein. Kirche, Pfarrhaus und Gemeindehaus werden im Herbst abgerissen.

Werdohl -  Der Abriss der kirchlichen Gebäude von St. Maria Königin in Ütterlingsen kostet grob geschätzt zwischen 150 000 und 200 000 Euro. Die katholische Kirchengemeinde St. Michael hat sich bei der Ausschreibung für die Abbrucharbeiten mit der Stadt zusammengetan, die dort oben an der Leipziger Straße die alte Schule abreißen lässt.

Die Nachrichten, die Pfarrer Wojtko und Verwaltungsleiterin Grobel am Donnerstagabend im großen Pfarrsaal überbrachten, trugen die etwa 40 Gemeindemitglieder mit Fassung. Es gab kaum Nachfragen.

Schon vor einem Jahr hätten die kirchlichen Gremien den Abbruch beschlossen und alle notwendigen Vorbereitungen dazu bereits in die Wege geleitet. Um kursierenden Gerüchten vorzugreifen, habe man sich für die Informationsveranstaltung am Donnerstag entschieden, sagte Wojtko. „Mir als Priester fällt es sehr schwer, dem Abriss einer Kirche zuzustimmen“, sagte Pater Irenäus Wojtko. In seinem Heimatland Polen würden noch Kirchen gebaut, hier würden sie abgerissen. Bei Gründung der Pfarrei St. Michael mit Werdohl und Neuenrade sei beschlossen worden, St. Maria Königin stillzulegen. Seitdem bekomme die Pfarrei keine finanziellen Mittel mehr vom Bistum für den Unterhalt und die Instandhaltung der drei Gebäude: Kirche, Gemeindehaus und Pfarrhaus. Am 30. Juni 2006 wurde per Dekret die Profanierung der damals 40 Jahre alten Kirche festgestellt.

Die damals gebildeten Rücklagen für den baulichen Unterhalt habe St. Michael behalten dürfen, sagte Pater Irenäus. In den acht Jahren seit der Schließung habe der Unterhalt einschließlich Heizung, Versicherungen und Reparaturen pro Jahr rund 10 000 Euro verschlungen. Das sei einfach nicht mehr hinnehmbar für die Gemeinde, die ihre finanziellen Mittel sorgfältig einteilen müsse.

Alle weiteren Details teilte Verwaltungsleiterin Klaudia Grobel mit. Sie schilderte der Pfarrversammlung, wie viele Interessenten es in den vergangenen acht Jahren für „das einzig flache Grundstück“ in Ütterlingsen gegeben habe. Eine Parkettfirma habe Lagerraum gesucht, ein Gesellschaftsraum für ein Seniorenzentrum sei geplant gewesen, der Stadtsportverband habe eine Turnhalle einrichten wollen, ein türkischer Kulturverein wollte ein Zentrum errichten, ein Makler habe nach neun Monaten den Auftrag zurückgegeben. Die Liste der Interessenten ist noch länger, alle eint die Erfolglosigkeit. Grobel: „Seit Schließung haben wir dort 100 000 Euro reingesteckt. Dieses Geld ist für Ütterlingsen nicht mehr da. Wir konnten nicht mehr warten.“

Der Abrissauftrag gemeinsam mit der Stadt mache die Arbeiten günstiger, berichtete Grobel. Bereits im August oder September könnte es losgehen.

Danach werde die Gemeinde die 3500 Quadratmeter pfarrlich nutzen, etwa für Open-Air-Aktionen mit Firmlingen. Ziel aber sei es, die Fläche als Ganzes an einen Investor zu verkaufen. Das Grundstück soll nicht „zerhackt“ werden. Nicht betroffen seien die umliegenden Erbpachtgrundstücke. Der Mieter im Pfarrhaus werde in absehbarer Zeit ausziehen.

Orgel und wichtige kirchliche Dinge sind bereits aus der Kirche entfernt worden. Bevor abgerissen wird, plant die Pfarrei ein Flohmarkt-Wochenende. Gemeindemitglieder können das kaufen, was sie am verbliebenen Inventar interessiert.

Pater Irenäus sagte, dass viele Dinge aus Ütterlingsen in anderen Kirchen genutzt würden: „Es soll einfach nicht ganz verschwinden.“

Von Volker Heyn

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