Maria und Josef kämpfen gegen Lampenfieber

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Ragavi und Laurin sind schon echte Profis. Sie spielen die Hauptrollen. Als Maria und Josef ziehen sie durch die Kirche. Der Text sitzt, aber Lampenfieber haben sie trotzdem.

Werdohl - Maria hat vor lauter Aufregung ihren Text vergessen, Josef rutscht immer der Hut ins Gesicht, die drei Hirten unterhalten sich gerade angeregt in der Kirchenbank über einen Kindergeburtstag und der Engelschor kämpft mit Technikproblemen an der Tonanlage. Doch dann spricht Monica Sanchez ein Machtwort: „Denkt daran, das ist die allerletzte Probe!“

Sofort Stille. Die letzte Probe? Wie schnell die Zeit verging. Noch im November erschien der Heilige Abend und damit die Uraufführung des Krippenspiels in der St.-Michaels-Kirche meilenweit entfernt. Und jetzt ist das Fest plötzlich ganz nah. Da wird es den 22 Kindern schon ein wenig mulmig.

„Ich habe Angst, dass ich meinen Text vergesse. Die Kirche ist dann ja ganz voll“, gibt Ragavi zu. Das kleine Mädchen spielt am Mittwoch eine der Hauptrollen. „Ich wollte unbedingt die Maria sein – und es hat geklappt“, freut sie sich.

Um die Rolle habe sie sich sogar mit ihrer Freundin gestritten. Die sei nun aber mit ihrer Rolle als Herbergsmutter auch zufrieden und der Streit ist längst vergessen.

Nach St. Martin begannen die Proben. „Wir führen seit Jahren jedes Jahr am 24. Dezember ein Musical auf. Insgesamt vier verschiedene Stücke haben wir im Repertoire. In diesem Jahr ist wieder ,Der Friede sei mit euch‘ dran“, erklärt Sanchez.

Gemeinsam mit Bernadette Gnacke organisiert sie die Proben. Die beiden sind echte Krippenspiel-Profis und schon seit Jahren dabei. „Wir werden schon routinierter. Aber jede Aufführung und jede Gruppe hat ihre eigenen Herausforderungen“, sagt Sanchez während sie mit sorgenvollem Gesicht die Arbeiten an der Technik beobachtet. Am Mittwoch darf es dort auf keinen Fall Probleme geben, denn dann wären die Kinder kaum zu verstehen.

Die Schauspieler stammen aus den dritten Klassen der katholischen Grundschule. Die Zweitbesetzungen und den Chor bilden Schüler aus den anderen Jahrgängen sowie interessierte Kinder aus der Gemeinde. 22 Kinder mit Lampenfieber sind nur schwer zu bändigen. Doch als es losging, herrschte prompt professionelle Stille. Die Texte sitzen und auch der Chor findet immer die richtigen Einsätze.

„Ich habe schon viel geübt. Mit Mama. Die hat immer alle anderen Texte gesprochen und ich meinen“, erzählt Laurin. Der Drittklässler wird Josef spielen. Aufgeregt ist auch er, aber es überwiegt doch die Vorfreude. „Bisher hat das ja noch keiner gesehen. Aber Weihnachten ist die ganze Kirche voll“, freut er sich.

Und wenn er einmal kurz seinen Text vergisst, ist das auch nicht so dramatisch. „Ich tue dann so, als sei es Absicht. Außerdem sagt uns dann einer vor, wie es weiter geht“, verrät er seine Tricks. Also nicht nur von den Kindern wird volle Konzentration verlangt, sondern auch von den beiden Souffleusen, die unauffällig am Rand sitzen.

Die Generalprobe war schon einmal ein voller Erfolg. Jetzt fiebern die Kinder dem großen Premierentag entgegen. Am Mittwoch um 16 Uhr geht es los. Dann beginnt der Weihnachtsgottesdienst. Ragavi, Laurin und die 20 anderen Kinder haben sich dafür viel vorgenommen. Sie wollen ihr Publikum begeistern. Und wenn alles so gut klappt, wie in den Proben, wird ihnen das sicherlich auch gelingen. Da sind sich die beiden Organisatorinnen ganz sicher.

Von Lydia Machelett

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