Jugendamt: Kleine Kommune mit großen Aufgaben

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Marco Malcherek-Schwiderowski verlässt die Leitung des Werdohler Jugendamtes Ende des Monats und wechselt auf die Stelle der Fachdienstleitung der Familienhilfe bei der Stadt Lüdenscheid.

Werdohl - Warum wechselt jemand nach 14 Jahren erfolgreicher und anerkannter Arbeit im Jugendamt einer Kleinstadt in die Kreisstadt auf einen Job, der noch nicht einmal besser bezahlt ist? Noch-Jugendamtsleiter Marco Malcherek-Schwiderowski antwortet mit ganz persönlichen Bezügen: Er habe sich selbst gefragt, ob er weiterhin diese große Verantwortung tragen könne und wolle.

Diese Frage beantwortet der Bochumer sich und anderen, indem er Anfang März in die Fachdienstleitung der Familienhilfe der Stadt Lüdenscheid wechselt.

Der 49-jährige Familienvater noch recht kleiner Kinder, der jeden Tag von der Ruhr an die Lenne pendelt, spürt beruflich eine große Last auf seinen Schultern. Zum einen sei da die pädagogische Verantwortung für das Wohl von Familien, Kindern und Jugendlichen in der Stadt, auf der anderen Seite die wirtschaftliche Verantwortung gegenüber der Kommune, die seit Jahren im Stärkungspakt steckt.

Die Aufgabenstellung sei immer komplexer geworden, die gesetzlichen Grundlagen veränderten sich zum Teil nach politischer Weichenstellung. Auf den Punkt gebracht, hätten Städte wie Werdohl dieselben großen Anforderungen an das Jugendamt wie die größeren Städte. So lasse sich sein Wechsel zur Stadt Lüdenscheid erklären: Für sich persönlich erkenne er in der Beschränkung auf ein Aufgabengebiet in einer Verwaltung mit größeren Personalressourcen eine Weiterentwicklung und eine Herausforderung.

Eine Woche zu früh zum Vorstellungsgespräch

Marco Malcherek-Schwiderowski ist von Beruf Diplom-Sozialarbeiter. Er sei katholisch sozialisiert und habe in Mühlheim und Duisburg für die katholischen Gemeindeverbände Schulungsarbeit und integrative Arbeit geleistet. Anfang der 2000er-Jahre wurde die mittlere Ebene bei der katholischen Kirche aufgelöst, ungekündigt sah er sich nach neuen Aufgaben um. Durch eine Stellenausschreibung als Jugendpfleger bei der Stadt Werdohl kam er an Lenne und Verse.

Die Stadt habe er damals gar nicht gekannt. Zum Vorstellungsgespräch sei er dummerweise eine ganze Woche zu früh gekommen, das ist ihm immer noch in Erinnerung. So konnte er bei seiner tatsächlichen Vorstellung ruhigen Gewissens sagen, dass er schon einmal in Werdohl gewesen sei.

Malcherek, wie er sich kurz am Telefon meldet, begann als Jugendpfleger unter Bürgermeister Manfred Wolf, Fachbereichsleiterin Regina Wildenburg und Jugendamtsleiterin Andrea Ziemann. Nach einem begleitenden Master-Studium übernahm er die neu geschaffene Stelle der Leitung des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD).

Diese Stelle sei nötig geworden, um dem Kostendruck in der Jugendhilfe durch Controlling und Steuerung zu begegnen. Veränderungen in der Rechtsprechung seien so gravierend geworden, dass es sich angeboten habe, die Arbeit durch planmäßige Steuerung zu optimieren. Die Leitung habe sich auf die pädagogische und die wirtschaftliche Seite erstreckt.

Marco Malcherek-Schwiderowski wurde Jugendamtsleiter, als Sybille Dworschak in den Ruhestand ging. Die Aufgabe der ASD-Leitung sei in Teilen auf andere Mitarbeiter übergegangen, vieles sei durch ihn installiert worden und laufe automatisch. Strukturen seien eingeführt worden, Prozesse hinreichend beschrieben.

De facto wurde die ASD-Leitung nicht wiederbesetzt, auch um dem finanziellen Druck durch den Stärkungspakt Rechnung zu tragen. Malcherek-Schwiderowski erinnert sich: „Wir mussten Einsparvolumen bringen im Jugendamtsbereich, und das ist uns ganz ordentlich gelungen.“

Bei den Umas kam das System an die Grenzen

Eine riesige Herausforderung bis fast über die Grenze des Möglichen sei die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge gewesen, der sogenannten Umas. Das System habe damals zeitweilig kaum mehr richtig funktioniert. Marco Malcherek-Schwiderowskis Fazit nach knapp 14 Jahren in Werdohl: Die Konstellationen in Familien würden immer komplexer, therapeutisch zu behandelnde Störungsbilder seien zunehmend häufiger zu beobachten. Seine Einschätzung: „Wir als klassische Sozialarbeiter kommen immer mehr an Grenzen.“

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