Dauerhaft fixiert

Mann aus dem MK soll Pfleger bespuckt und sexuell belästigt haben

Vor dem Hagener Landgericht geht es um die Unterbringung in einer Psychiatrie.
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Vor dem Hagener Landgericht geht es um die Unterbringung in einer Psychiatrie.

Im Prozess gegen einen 36-jährigen Werdohler, dem wegen mehrerer Körperverletzungen in der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer die dauerhafte Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik droht, hat eine Leitende Ärztin aus der LWL-Klinik in Lippstadt-Eickelborn ein düsteres Bild von dessen psychotischer Erkrankung gezeichnet.

Dabei sprach sie von einer „ausgebrannten Schizophrenie“. Diese sei mit den üblichen Medikamenten kaum zu behandeln. Ein weiteres wirksames Mittel könne wegen der Herzprobleme des Patienten nicht eingesetzt werden. „Mehr Behandlungsmöglichkeiten gibt es derzeit nicht“, erklärte sie. „Die Psychose ist handlungsleitend, und er kann sich nicht dagegen wehren.“

Der 36-Jährige sei „vollkommen gefangen in seiner Wahnwelt“. In gewisser Weise bestätigte er durch seine Zwischenrufe den Eindruck eines Menschen, der den Bezug zur Realität immer mehr verloren hat: „Das sind alles Lügengeschichten, die Sie erzählen!“ In einem Punkt konnten ihm die anderen Prozessbeteiligten allerdings vorbehaltlos zustimmen: „Ich habe nichts mit dem 11. September zu tun gehabt“, beteuerte er.

Erweiterte Sicherheitsmaßnahmen

Beim ersten Unterbringungsverfahren im Jahr 2018 hatte die Zeugin die Lage noch weniger dramatisch geschildert. Damals war es während seiner vorläufigen Unterbringung in Eickelborn nur zu einem kleineren Vorfall mit einem Pfleger gekommen. Nun berichtete sie, dass der 36-Jährige seit seiner Ankunft „nie allein mit einem Mitarbeiter“ gewesen sei. „Trotz erweiterter Sicherheitsmaßnahmen kam es immer wieder zu Übergriffen.“

Der Fall: Werdohler wohl schuldunfähig

Im Landgericht Hagen wird verhandelt, ob ein Werdohler (36) in einem forensisch-psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird, nachdem er in der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer mehrere Körperverletzungsdelikte begangen hat. Da der 36-Jährige bereits seit Langem an einer chronischen psychischen Erkrankung leiden soll, geht die Staatsanwaltschaft Hagen von seiner Schuldunfähigkeit aus. Aufgrund ähnlicher Vorfälle hatte das Landgericht zuletzt 2018 seine Unterbringung abgelehnt, weil eine Gefährlichkeit für die Allgemeinheit nicht bestehe. Nun soll der Werdohler aber auch sexuelle Gewaltfantasien gegen Kinder und Mordfantasien gegen Ärzte und Mitpatienten geäußert haben.

Dabei erlitten Pfleger und ein Mitpatient trotz aller Vorsichtsmaßnahmen leichte Verletzungen. Besonders unangenehm für die Betreuer sind die Spuckattacken des immer wieder fixierten Patienten, für die er offenbar Speichel regelrecht sammelt. „Es gab Tage, an denen über Stunden hinweg eine angespannte Situation herrschte.“ Die Ärztin bestätigte, dass der Patient immer wieder sexuelle Fantasien äußere, sich exhibitionistisch betätige, Pflegerinnen „unsittlich“ berühre und ihnen sexuelle Absichten unterstelle: „Er behauptet, überall laufen Sexparties, zu denen er nicht eingeladen worden sei.“ Angeblich habe er gespürt, dass Frauen in den Zimmern waren – da habe er „auch eine haben“ wollen.

Beschuldigter trägt Hand- und Fußfesseln

Wegen der Unberechenbarkeit des Beschuldigten haben Gericht und Wachtmeister für die Dauer des Prozesses im Unterbringungsverfahren im Landgericht dessen Fixierung angeordnet und durchgesetzt. Es ist eher selten, dass gegen einen Beschuldigten verhandelt wird, der Hand- und Fußfesseln trägt. Die vermutete Gefährlichkeit steht allerdings in einem gewissen Gegensatz zu den ihm vorgeworfenen Taten: Im Rahmen der Betreuung in einer geschlossenen Klinik bemühen sich alle Beteiligten um größtmögliche Sicherheit.

Doch für die dauerhafte Unterbringung in der Forensik brauchen die Richter nicht nur Vermutungen über die mögliche Gefährlichkeit des 36-Jährigen, sondern handfeste Erwartungen. Diese kann man aber nur aus vorangegangenen Ereignissen ziehen. Staatsanwalt Ernestos Tschaschnig legte deshalb nach: Er ging einer Reihe von Strafverfahren nach, die wegen der Schuldunfähigkeit des 36-Jährigen eingestellt wurden. Zu ihrer Aufklärung sollen zusätzliche Zeugen geladen werden. Der Prozess wird fortgesetzt.

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